Sparringspartner, Problemfälle und Übungsobjekte
Gelegentlich kommen Menschen ins Coaching, die sich beklagen. Vorzugsweise über Chefs und Chefinnen oder Kollegen, die Ungerechtigkeit der Welt und die Dummheit der Anderen. Und sie sind unglaublich erfinderisch in ihren Klagen.
“Eigentlich müsste mein Chef hier sein, der Fisch stinkt ja bekanntlich am Kopf zuerst.”
„In unserem Laden könne Frauen einfach nichts werden.“
„Ich bin mal gespannt, was Sie mir Neues zu bieten haben, ich habe nämlich bei diesem Thema schon alles an Weiterbildung gemacht – geholfen hat es nichts.”
„Ich hab dem das schon hundertmal gesagt, das nützt einfach nichts“
“Sie sollten mal sehen, wie oft bei uns umstrukturiert wird. Da kann ja kein Mensch hinterher kommen“
„Ich hätte schon gern eine Führungsposition gehabt, aber man hat mir ja nie eine angeboten.“
„Bei uns ist man von lauter Idioten umgeben“
Schon Steve de Shazer (1989) unterscheidet drei Arten von Klienten:
1. den Besucher
2. den Kläger
3. den echten Kunden.
Der Kläger kommt im Gegensatz zum Besucher, den oft der Chef schickt („Gehen Sie mal da hin, das nützt Ihnen bestimmt“) freiwillig und mit klaren Lernzielen, übernimmt aber keine Verantwortung für sich und seine Veränderung.
Und folgerichtig erreicht er auch keine Veränderungsziele. Die Energie folgt bekanntlich der Aufmerksamkeit. Wenn ich die auf´s Anklagen richte, fehlt sie mir für den eigenen Prozess.
Ganz anders ein Klient vom Typ “echter Kunde”, der mir schreibt:
„Ich möchte auch über die ursprünglich vereinbarten Termine hinaus das Coaching bei Ihnen fortsetzen, da ich durch Sie nun meine “Problemfälle” als “Übungsobjekte” sehe. Das Schöne daran ist, dass sich im Umgang mit den Sparringspartnern der Erfolg oder Misserfolg so schön unmittelbar zeigt. “
