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Zahnschmerzen – auch Loriot hätte seinen Stoff gehabt

Kennen Sie den noch: „Mama, Mama,  er hat gar nicht gebohrt“?

Gemeint war: Der Zahnarzt. Lange ist´s her. Geht man oder frau heutzutage zum Zahnarzt,  kann das vielerlei Gründe haben. Prophylaxe, Dentalhygiene, Beratung… Selten allerdings dürfte die Flucht vor der unerträglichen Stille daheim der Grund sein.   

Ein altehrwürdiges Gebäude, darin eine moderne Zahnarztpraxis. Nebst künstlicher Beduftung zur weiteren Bespaßung der Patienten ein Monitor mit bunter Abfolge von Lebensweisheiten, Zahnpflegeprodukten, mehr oder minder nützlichen Zitaten, Behandlungsinfos.  In Warte- und Behandlungszimmern jeweils mehrere Lautsprecher, Radioprogramm.  Das Anhören der lokalen Werbung des regionalen Senders unausweichlich. Die Nase gewöhnt sich schnell, der Blick hat die freie Wahl – die Ohren weniger. Hurra: Der Lautsprecher im Wartezimmer hat ein Schnürchen, flugs daran gezogen, der Spuk hat ein Ende.

Dann auf den Stuhl. Im Behandlungszimmer scheitert die Prä-Eingriffsmeditation an der Beschallung mit flotten Sprüchen über Waschmittel, Versicherungen, Autos und anderen Schnäppchen.

Also die Bitte ans Personal, das Radio ab- oder die Lautsprecher auszustellen. Geht nicht. Sender  wechseln, vielleicht Klassik? Ausgeschlossen, die anderen Patienten wollen das so. Aha. Woher man das wisse? Patientenbefragung. Nur: Im Wartezimmer ist gar niemand. Das Personal zunehmend gereizt, die Patientin zunehmend entnervt. Vielleicht eine CD mit Entspannungsmusik möglich? Nicht vorgesehen. Der wohlmeinenden Frage: Ob es wirklich so schlimm sei möchte man ein: „Es ist noch viel schlimmer. Und Sie sind ein Teil des Problems“  entgegenschleudern. Es tritt auf: Der Zahnarzt. Mit der Bemerkung „Sie können sich ja woanders behandeln lassen, wenn es Ihnen hier nicht passt“ stellt er endgültig das notwendige Vertrauen zwischen Patient und Arzt her.

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