Homepage Metatalk

Unter Affen, Wölfen und Hyänen

Sonntags morgens mit einer Freundin im Zoo einer deutschen Großstadt.

Zwischen Erdmännchen, Mandrills und Zwergflamingos sehr schnell die Frage: „Und wie läuft es bei dir so im Job?“ 

„Na, du wirst es schon in der Zeitung gelesen haben“ sagt sie da.

Nein, hatte ich nicht. Auch wenn ich dort die lokale Horrorseite schon gern mal als erstes lese. Der neue Vorstand  hatte einen der Bereichsleiter – fachlich höchst kompetent, wird von Kollegen als Mensch mit Anstand und Fingerspitzengefühl beschrieben –  am Montag vor die Wahl gestellt, sich bis Freitag zwischen einer betriebsbedingten Kündigung oder einem Auflösungsvertrag zu entscheiden.

Beim Wolfsgehege erzählte sie dann von der Personalerin, die hinzugezogen wurde. Die hatte die erschrockene Bemerkung des so Geschassten: „Ja, aber meine schulpflichtigen Kinder…“ noch mit der einfühlsamen Bemerkung: „Wenn Sie keine Familie hätten, dann hätten Sie eben jetzt andere Probleme“ quittiert. Eine beispiellose Solidaritätswelle erfasste die Organisation – der geschlossene Protest aller Bereichsleiter führte 3 Tage später zur Rücknahme der Kündigung – und zum heftigen Zurückrudern der Geschäftsleitung.

Inzwischen waren wir bei den Pinguinen: „Und die Mitarbeiter – wie reagieren die?“  „Total verunsichert. Wenn sie den rausschmeissen, sagen die, dann werfen die uns doch in Kürze hinterher. Der Krankenstand ist in die Höhe geschnellt, noch viel mehr aber leiden inzwischen unter Burnout.“

Und dann hat sie mich in Höhe der Schneeeulen noch gefragt, ob ich einen guten Burnout Experten kenne, da sei im Moment großer Bedarf. Und ich fragte mich, ob es nicht wünschenswert sei, einzelne Exemplare der spezies homo sapiens sapiens im derzeit verwaiseten Hochsicherheitstrakt für Krokodile unterzubringen – oder doch lieber „auf den Heldenfriedhof mit den superaktiven, egozentrischen Männern in der Chefetage,“ wie es Dagmar Deckstein in der Süddeutschen Zeitung fordert?

Kommentar abgeben: