Homepage Metatalk

Einfach mal die Klappe halten

Sehr geehrte Frau Dr. Topf,

ich bin ein begeisterter Leser Ihres Buches „Einfach mal die Klappe halten“ (Warum Schweigen besser ist als Reden bzw. wie Schweigen wirkt). Seit dem Kauf dieses Buches „verschlinge“ ich fast jeden Tag ein Kapitel. Im Moment bin ich auf Seite 170 angelangt.  Bereits nach dem Lesen des ersten Kapitels hatte ich das Bedürfnis, Ihnen eine Rückmeldung zu geben, aber ich habe erst einmal die Devise beachtet, „schweigen“ in der Hoffnung, dass ich auf folgende Feststellung in meinem Alltag beim weiteren Lesen noch eine Antwort finden würde:

Tagtäglich erlebe ich in sog. „Meetings“, dass zu den Ausführungen des Sitzungsleiters/Moderators/Chef ……. zwar zunächst ein kurzes Schweigen aller Beteiligten folgt (vielleicht sogar die empfohlenen 10 Mindest-Sekunden) und der Eindruck entsteht, dass die Sitzungsteilnehmer nachdenken, dann aber meistens immer die/der Gleichen „loslegen“ (vielleicht sogar in der Annahme, „die sitzen alle nur da, ich muss jetzt endlich mal was sagen…“) und den Sitzungsleiter/……. förmlich „zutexten“, wie Sie es in Ihrem Buch auch schreiben. Und das sogar mit Erfolg. Der Sitzungsleiter/…..  schweigt und sagt dann vielleicht noch zum Schluss: „O.k., Sie haben mich „überredet“ (um nicht zu formulieren „zugetextet“)! Die Schweiger sind dann auch noch baff und beeindruckt von den Quasslern und scheinen zu denken: „Reden müsste man halt können (statt schweigen).“

So ist das oft nicht nur im Geschäftsleben sondern auch im privaten Bereich. Die Quassler am Telefon, auf Feiern etc.. Die setzen sich dann auch noch durch. Oftmals folgt spätetsens bei einer der nächsten Feiern dann auch noch der Applaus: „Komm`, wir setzen uns gleich neben XY, da haben wir Unterhaltung!“

Mit diesen Erscheinungen, sehr geehrte Frau Dr. Topf, komme ich auch nach dem bisherigen intensiven und aufmerksamen Lesen in Ihrem Buch immer noch nicht klar. Gerne hätte ich Ihre Meinung dazu gehört oder gelesen. Es wäre mir eine große Freude, irgendwann einmal von Ihnen zu hören oder zu lesen.

Ich wünsche Ihnen schon jetzt eine frohe Weihnachtszeit und alles Gute für das vor uns liegende Jahr 2011!

Mit freundlichen Grüßen…..“

Sehr  geehrter Herr…

die Freude, von mir zu lesen, mache ich Ihnen gerne und gleich.

Für das von Ihnen beschriebene Phänomen gibt es natürlich keine Patentlösung.Es ist ja noch viel schlimmer: Vielredner und Quassler sind ja nicht nur bisweilen nervig, sie haben auch in Meetings, Diskussionsrunden etc. statistische gesehen eine größere Chance, sich durchzusetzen, weil sie ihr Anliegen (zeitlich) gewichtiger darstellen können.

„Groß“ und „mächtig“ sind offenbar in der menschlichen Wahrnehmung sehr eng verknüpft.Ich trainiere bisweilen reine Frauengruppen und habe viele Frauen als Coachingklientinnen.In meiner Beobachtungen haben Frauen überproportional oft das Thema. “sich Redezeit verschaffen“ und „gehört werden“.

Dann empfehle ich oft genau das Gegenteil vom Schweigen: andere  unterbrechen, sich nicht unterbrechen lassen, viel reden….

Weil „schweigen“ eben oft mit „keine Meinung“, „schlecht vorbereitet“ oder „war gar nicht da“ verbunden wird.Das empfinde ich als eine paradoxe Situation, mit der ich alles andere als zufrieden bin.

M.E.. wird sich das erst ändern, wenn wir eine andere Meetingkultur bekommen und Schwätzen geächtet wird.Wie bei der Unternehmerin, die Ihren „Laden“, der immerhin etwa 100 Mitarbeiter hat, halbtags führt, weil sie Familie hat und für diese Zeit haben möchte.Auf die Frage, wie das denn möglich sei, hat sie geantwortet: „Als erstes habe ich die Meetings drastisch verkürzt, nur noch ergebnisorientiert. Das spart unglaublich viel Zeit.“

Schweigen ist für mich nur eines unter vielen „Kommunikationsinstrumenten“ – wobei es in Wirklichkeit viel mehr ist und es mit widerstrebt, es so zu instrumentalisieren.  In dieser Betrachtungsweise stehen dem dann andere „Instrumente“ gegenüber – small talk, Konversation, Plauderei, Klatsch und Tratsch…, Blick aufs eher Private. Und wenn jemand die Kunst der Konversation oder der intelligenten Plauderei gut beherrscht, dann lässt man sich doch auch gerne mal inspirierend unterhalten, vorausgesetzt, man hat es nicht mit einem tumben Selbstdarsteller zu tun, der nicht merkt, wenn er langweilt oder anstrengend wird.

Mit adventlichen Grüßen

Ihre Cornelia Topf

Kommentar abgeben: