Empört Euch?
Wann haben Sie sich das lezte Mal so richtig aufgeregt? Über die ewig unpünktliche Bahn, unsere unfähigen PolitikerInnen, die Abzocke und Verarsche allerorten, die Lebensmittelkonzerne mit ihren gesundheitschädlichen Zusätzen in den Lebensmitteln, die zunehmende Kriminalität, die Ausspioniererei von Google, das schlechte Wetter…
Das schöne daran: Wir bekommen mit hoher Wahrscheinlichkeit Zustimmung von anderen, wenn wir uns so richtig empören – geteiltes Leid ist ja bekanntlich doppelte Freud. Und wir sind oft in Einklang mit Deutschlands Empörungs-Sprachrohr Nr. 1: der Bildzeitung.
Das Dumme nur: Wir verändern damit wenig bis nichts. Außer natürlich, wir heißen Stéphane Hessel und haben ein wirkliche Botschaft. Steckt nicht in empören die “Empore” und ist die nicht immer etwas oben drüber, höher, abgehoben? Der Blick von dort: von oben herab. Wohlgemerkt nicht: Adlerperspektive, Überblick.
Heute empörte sich die Coaching-Klientin über Ihre Kollegin. Was die alles tut und lässt, was die kann und nicht kann, wie sie die Dinge angeht oder aber eben auch nicht. Was bewirkt diese Empörung? Nichts. Doch. Sie ist der Persilschein dafür, selbst nichts tun zu müssen, es sind ja die anderen, selbst ist man/frau nicht verantwortlich, braucht nicht auf den manchmal mühsamen Weg der Veränderung. Ich unterbrach die Klientin. “Ich bin ja humorvoll, aber die Welt ist eben nicht so”. Sie verstand das Bild.
