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Frau tritt zurück!

Käßmann, Jepsen – wir erleben das Jahr der prominenten Frauenrücktritte. Treten Frauen leichter und schneller zurück als Männer?

Ich bewundere, wenn Menschen ihre Verantwortung so ernst nehmen, dass sie auch in buchstäblich letzter Konsequenz ein Vorbild sind für andere Menschen. Wie viel Verantwortungsgefühl, wie viel Integrität und Rückgrat muss jemand haben, um so konsequent zu sein! Wer so viel Verantwortungsbewusstsein hat, zählt zweifellos zur geistig-moralischen Elite des Landes – und ausgerechnet diese Elite tritt dann zurück? Was bleibt dann noch übrig in Amt und leitender Position? Das Peter Principle.

Wer übrig bleibt, ist nicht notwendigerweise besser, ehrlicher, kompetenter oder verantwortungsbewusster, sondern klammert und klebt lediglich besser und wieselt sich eleganter an den Prüfungen auf Rechtschaffenheit und Aufrichtigkeit vorbei. Wir sollten uns ein Beispiel an den Zurückgetretenen nehmen. Nein, nicht um selbst zurück zu treten. Sondern um mit dem Verantwortungsbewusstsein der Zurückgetretenen unseren Aufgaben nachzugehen. Nicht bloß unsere Arbeit zu machen, sondern mit unserem guten Namen dafür einzustehen.

So paradox es klingt: Diese Rücktritte integrer Menschen machen mehr Hoffnung auf das Heranziehen eines verantwortungsvollen Zeitalters als jene unsäglichen Amtsinhaber, die trotz schwerster Verfehlungen weiter auf ihrem Sessel kleben bleiben; würde-, anstands- und verantwortungslos. Die sich damit selbst demontieren und ihrer Sache großen Schaden zufügen.

Alle Welt spricht über die Rücktritte der beiden Frauen. Kaum einer spricht darüber, was das für die Moral an unseren Arbeitsplätzen bedeutet: Leistung ist wichtig. Rendite ist wichtig. Ämter sind wichtig. Wichtiger sind Integrität, Glaubwürdigkeit und Verantwortungsbewusstsein.

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