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Resistance to change

Heute morgen fiel es mir mal wieder so richtig auf: Meine Freundin P. müsste aufräumen, dringend, sonst droht ihr der Messie-Verdacht.

J. und R. müssten dringend die Klärung ihres schon lange bestehenden Konflikts – werden Sie jetzt Ihr Startup als gleichberechtigte Partner gründen oder doch einer von beiden alleine? – in Angriff nehmen. Wir müssen abnehmen. Unbedingt. Mindestens drei Kilo. Wir wollen mehr Sport treiben. Die Steuererklärung machen. Unbedingt. Das ist nützlich und nötig und das sehen wir auch ein, aber: „Ich möchte nicht nach Diät-Kochbuch kochen, das schränkt mich zu sehr ein!“ Oder: „Ich jogge doch so ungern.“ „Grad gar keine Zeit“. Und das Spiel nimmt seinen Lauf. Das Spiel „Ich würde/müsste ja schon gerne mal, aber …“ Und dann kommen diese eingebildeten Hindernisse, zu Elefanten aufgeblähten Bagatellen, objektive Trivialitäten.

Das Ja-Aber-Spiel, sagen die Transaktionisten dazu.
Schlimm, wenn man es solo spielt. Schlimmer im Doppel. Wenn man ein Kind, einen Partner, einen Chef, Kunden, Mitarbeiter von etwas absolut Selbstverständlichem, Nötigem und Nützlichem überzeugen möchte/muss und sich echt Mühe damit gibt und ihm/ihr alles haarklein erklärt, mundgerecht auf dem Silbertablett vorlegt und dann sagt der/die: „Ja, schon, aber …“ Das treibt jede(n) in den Wahnsinn. Das ist Resistance to Change, Widerstandsverhalten, Blockade, Reaktanz. Der Sozialpsychologe sagt: „Auch Widerstände sind Energie!“ Was hier nicht wirklich weiterhilft. Ernsthaft: Was hilft weiter? Es gibt nichts, was jedem hilft – aber vieles, was allen hilft. Hier eine kleine Auswahl:
Katastrophisierung: „Wenn du so weiterfrisst, wiegst du demnächst 130 Kilo und deine Karriere ist futsch.“ Wirkungsprinzip: Schock-Therapie. Ist der Schock nur groß genug, werden einige dann doch veränderungswillig. Einige, nicht alle. Daher: Ausprobieren! Schlägt nicht an? Dosis steigern oder: Nächste Technik, zum Beispiel die
Null-Hypothese: „Dann lass es halt!“ Entlastet vor allem den Helfer von Helfer-Syndrom und Ko-Abhängigkeit und gibt dem Geholfenen die Chance, sich ohne Gesichtsverlust von unrealistischen Wünschen zu verabschieden. Professionelle Therapeuten und Coaches formulieren gerne: „Vielleicht ist die Zeit einfach noch nicht reif dafür?“ Widerspruch willkommen.
Coaching-Ansatz: Leg den Kern des Widerstands frei: „Wovor hast du Angst? Was könnte schlimmstenfalls passieren? Was darf auf keinen Fall passieren? Unter welchen Umständen wärst du zur Veränderung bereit?“
Lösung auf Probe: „Lass uns das mal ausprobieren. Wenn das nicht klappt, machen wir es rückgängig.“ Logisch: Ist rein von den objektiven Gegebenheiten her nicht immer möglich. Aber wird viel zu selten genutzt, wenn es möglich ist: „Lass uns statt Joggen Schwimmen probieren. Zwei, drei Mal. Wenn es keinen Spaß macht, suchen wir was anderes.“
Baby-Steps: Sukzessive Approximation in kleinen bis kleinsten Schritten, Atomisierung des Wandels, Strategie der kleinen Lösungen, Salami-Taktik. Alles Synonyme für: Ein Wandel von tausend Schritten überfordert oft so sehr, dass man meist nicht mal den ersten wagt. Also schau’n wir nur auf den ersten! Und dann auf den nächsten …
Nur fünf von vielen möglichen Lösungsansätzen, Change-Turbos, Veränderungshebeln. Es gibt mehr (Ihre freundliche Coachin kennt sie). Dahinter steckt das Prinzip: Je besser gefüllt Ihre Toolbox ist, desto eher finden Sie das auf Person und Situation passende Instrument und desto schneller und einfacher überwinden Sie Verände-rungsblockaden. Nicht die Technik, sondern die Passung macht’s. Es gibt keine Probleme, nur eine Frage: Wie geht es für mich in dieser Situation leichter? Wer eine Antwort darauf findet, irgendeine Antwort, meistert den Wandel. Jeden Wandel.

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