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Job fressen Liebe

Liebe ist Privatsache? Das ist eine Frechheit! Millionen Beziehungspaare führen gemeinsam Handwerksbetriebe, Handels- und Familienunternehmen, arbeiten als offizielles oder heimliches Liebespaar im selben Unternehmen im selben Führungsteam oder er ist Abteilungsleiter bei Siemens und sie bei Bosch – und das soll Privatsache sein? Fragen Sie doch mal ein Beziehungspaar – und nehmen Sie schnell die Beine in die Hand. Vielleicht sind Sie sogar selber Teil eines Liebespaares in Führung? Wie die meisten Paare sauer auf die Paardiskriminierung durch den Job?

Denn wenn zwei führen, leidet und scheitert am Ende die Dritte und Vierte; erst die Beziehung, dann die Führungsqualität. Das ist schlimm für jedes Paar. Für Paare in Familien- und mittelständischen Unternehmen ist es der GAU. Schädigt der Job die Zweisamkeit, stirbt nicht nur die Beziehung, sondern ein ganzer Lebenstraum: „Es war für mich immer der Traum meines Lebens“, sagt Harald, freier Architekt, „Leben und Beruf mit meiner Partnerin zu teilen!“ Seit Wochen schon hat der gemeinsame Traum ein Loch.
Wenn er abends endlich von der Baustellen-Tour zurückkommt, überarbeitet sie mit seinen neuen Informationen „noch schnell“ die Bauplanung.Er sitzt währenddessen mit Pils und Sehnsucht vor der Glotze. Gemeinsamer Feierabend? Schon lange nicht mehr. Weil beide das schmerzlich vermissen, wirft sie ihm neuerdings seine monatliche Ausfahrt mit den Motorrad-Kumpels vor, während er neidisch ist auf ihren wöchentlichen Yoga-Abend. Es kriselt in der Beziehung. Inzwischen merken das auch die Kunden. Einer sagt: „Wenn die beiden sich scheiden lassen, ist der Laden futsch.“ Der Job frisst die Beziehung. Einmal abgesehen davon, dass eine Führungskraft, die Ärger in der Beziehung hat, erheblich an Führungsqualität einbüßt.

Viele Paare in der Führung nehmen das als gegeben, leben nebeneinander her, verbittern planmäßig oder legen sich pflegeleichte Liebschaften oder Hobbys zu. Andere meinen resigniert: „Paartherapie? Kommt für uns nicht in Frage.“ Eher zufällig fragte mich vor einiger Zeit eine Laborleiterin aus der Pharma-Industrie: „Sie haben mich doch schon in Karrierefragen gecoacht. Gibt’s auch ein Paarcoaching?“ Halb scherzhaft sagte ich: „Wenn Sie es schaffen, dass Ihr Partner mitmacht …“ Er schaffte es und seither mache ich bei jedem neuen Paar eine wiederkehrende, erstaunliche Entdeckung: Der schlimmste Feind von Paaren in der Führung ist nicht der Job, der die Beziehung killt. Nein, der Hund liegt woanders begraben.
Nämlich dort, wo Paare bereits derart beeinträchtigt sind vom übergriffigen Job, dass sie auf die einfachen und probaten Mittel der Paarführung gar nicht mehr von selber kommen. Weil auch die Kommunikation nicht mehr stimmt. Man siedet schon so lange im eigenen Saft, dass der kleinste Funke zur Explosion führt (pardon für die gemischte Metapher). Oder zum resignierten Rückzug. Eigentlich dieselbe Ausgangssituation wie beim Executive Coaching: Man(agerIn) braucht eine Tenniswand, den entscheidenden Impuls von außen.
Dieses Prinzip der Minimalintervention, der Anschubhilfe funktioniert beim Führungscoaching und es funktioniert beim Paarcoaching. Damit die Liebe hält und wächst – und die eigene Führungsqualität im Job mit ihr.

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