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Noch Lücken im Angebot oder: Nicht nur das bayerische Wirtshaussterben

„Schatz, komm lass uns heute Abend nett essen gehen“,  sozusagen als private vorgezogene Weihnachtsfeier. Gesagt, versucht, aber leider gescheitert. Nicht am Geldbeutel, nicht an der winterlich eisglatten Straße oder der passenden Kleidung („habe überhaupt nichts anzuziehen“), sondern am Speisenangebot.  „Nachdem wir in drei  Restaurants kein einigermaßen akzeptables vegetarisches Gericht gefunden hatten – überbackener Blumenkohl als Uralt-Variante kam einfach nicht infrage – haben wir uns dann entschlossen, doch daheim zu essen“ erzählt die Seminarteilnehmerin.

Chance verpasst. Kaufkraft und -willen fallen ja heute immer öfter auseinander, stimmen immer weniger überein. „Ich könnte mir zwar ein größeres Auto locker leisten, halte es aber ökologisch nicht für vertretbar“.  „Klar wäre ein neuer Flachbildfernseher schick, aber erst wird der alte mal im Repair-Cafe wieder flott gemacht“. Neue Klamotten kaufen? „Kleiderfasten“, „Kleiderei“ und „Kleiderkreisel“ werfen Schlaglichter auf moderne Alternativen. Nicht sich Dinge leisten zu können ist heute Luxus.  Der wahre Luxus zeigt sich darin, bewusst und freiwillig auf Dinge verzichten zu können, die man sich leisten könnte.  Gut für unsere Ressourcen. Einerseits.

Andererseits: Schlecht für alle diejenigne, die Ihr Geld mit der Herstellung und dem Verkauf von Gütern und Dienstleistungen verdienen.

Einerseits: Man muss den Vorschlag der Grünen, einen zwangsweisen Veggie-Day einzuführen,  ja nun wirklich nicht  gutheißen. Andererseits:  Weltanschauung hin oder her, das gänzliche Verschlafen von Trends, das bloße Beklagen von Änderungen der Konsumgewohnheiten, das aktions- und reaktionslose „Weiter so wie bisher“ führt nicht erst seit heute ins Abseits.

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