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Alterozentrierung: Der ultimative Zugang zum Gegenüber?

Sie lieben Rezepte?

Nein, lieber Leser, keine wie immer in der Vorweihnachtszeit wiederkehrenden Plätzchenrezepte. Sondern: Kommunikationsrezepte. Man nehme zwei Minuten Lob, ein herausforderndes Projekt, die Aussicht auf eine erkleckliche Gehaltserhöhung, eine Prise Druck und schon funktioniert es? Hätten wir gerne. Weil es doch viel einfacher und bequemer wäre. Tut es eben aber meistens nicht. Weil Menschen und ihre Kommunikation immer noch und immer wieder individuell und nur bedingt prognostizierbar sind.

Und so ist auch die Alterozentrierung kein Rezept,  nicht der „ultimative Zugang“ zum Gegenüber, auch wenn uns das die Werbung für die entsprechenden Kurse gerne weismachen möchte. Was ist Alterozentrierung aber dann? Eine Haltung, die  uns offenbar eher unbekannt, fremd, jedenfalls nicht angeboren zu sein scheint, dreht es sich doch um den Gegenspieler der Egozentrik. Alterozentrisch verhält sich derjenige, der seine Wahrnehmung primär am anderen ausrichtet. „Was nutzt jetzt meinem Gegenüber?“ „Was braucht der andere?“ Wie kann ich seine/ihre Wertvorstellungen mit bedenken? Welche Erwartungen, Bedürfnisse, Interessen und Sichtweisen hat eigentlich der andere und wie mache ich mich davon frei, sie sofort abzuwerten, nur weil sie sich nicht mit den meinen decken?

Eine solche Haltung steht uns nicht nur, aber auch ganz besonders gut in der Vorweihnachtszeit und Weihnachtszeit an. Aber auch immer dann, wenn Hurrikans wie Haiyan Menschen in allergrößte Not stürzen, wenn es um gemeinsames Gestalten und  Erreichen geht.

Das fängt schon beim einfachen verhandeln an. Mit etwas Glück kennen die Menschen ihre eigenen Ziele, vage zwar oft, aber immerhin, sie haben eine Ahnung, was besten- oder schlimmstenfalls als Ergebnis rauskommen könnte. Was der Verhandlungspartner will? Völlig egal, unklar, uninteressant. Ist ja das unterstellte Gegenteil von dem, was ich will und also per se schlecht. Denkste.

Je besser ich „alterozentriere“, also die Wünsche und Ziele meines Gegenübers antizipiere, kennen lerne, damit ich sie berücksichtigen kann, desto eher erreiche ich auch meine eigenen Ziele. Bin ich geübt darin, den Standpunkt des anderen einzunehmen, verliere ich meinen eigenen dabei eben gerade nicht. Dann schenke ich nicht, was ausschließlich mir gefällt, sondern ich habe eine konkrete Vorstellung davon, was dem anderen gefallen wird – und im Idealfall uns beiden.

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