Homepage Metatalk

Die Zukunft des Standortes Deutschland

Eine junge Frau, kurz vor ihrem 29.Geburtstag. Ärztin, Dr. med.

Das erste Kind kam, als sie 17 Jahre jung war, Anfang der 11. Klasse, quasi aus Versehen und nebenbei. Nach einem Jahr „Babypause“  ins 12. Schuljahr wieder eingestiegen, also kein Jahr „verloren“. Bestes Abitur, sofort rein ins Medizinstudium. Den Kindergartenplatz erklagt, schließlich sind die bevorzugten Plätze dort nur für diejenigen reserviert, die durch die Schwangerschaft ein Jahr „verlieren“. Während des Studiums wollte sie und bekam das 2. Kind. Dann eine vielbeachtete Forschungsarbeit als Promotion, nebenbei vier ausgezeichnete Veröffentlichungen.

Was nun?  „Ich bin prädestiniert für eine Laufbahn und Karriere in der Forschung. Das geht aber keinesfalls. Ich möchte ein drittes Kind. Und alle sagen mir: In der Forschung gibt es keine 40 Stunden-Woche und Überstunden werden bestenfalls bezahlt, nicht in Freizeit abgegolten.“

Sie sagt das ohne Bitterkeit, mit realistischem Blick:  Alles kann man eben nicht haben.

Also auf in die Facharztlaufbahn zur Anästhisistin, übrigens mehr und mehr eine Frauendomäne: Einigermaßen geregelte Arbeitszeiten.

Nach Abschluss des Studiums so um die 20 Bewerbungen und immer wieder Absagen. Die Frauen unter meinen Leserinnen werden die in den Bewerbungsgesprächen am häufigsten gestellte Frage sofort erraten: „Wie wollen Sie das mit Beruf, den Kindern und der Betreuung denn hinkriegen?“  Ach, und dann stellt man sie vorsichtshalber aus diesem Grund heraus (natürlich ohne es ihr so zu sagen) nicht ein…

Die junge Frau ist selbstverständlich auch bei dieser Ochsentour nicht verzweifelt, hat Sätze gesagt wie: „Wenn Sie einen Blick in meinen Lebenslauf werfen, werden Sie sofort erkennen können, dass das eine vergleichsweise kleine Organisationsaufgabe für mich ist“ und hat dann tatsächlich zu guter Letzt eine Klinik gefunden, in der man ihr sogar  in Aussicht stellte, bei Bedarf die Arbeitszeit zu reduzieren.

Was da wohl überwiegt: Das Misstrauen in die Fähigkeiten einer äußerst fähigen, motivierten, organisationsstarken jungen  Frau oder in die Versprechungen unserer (noch?) Familienministerin Kristina Schröder, dass ausreichend Kinderbetreuungsplätze vorhanden sind für alle die, die welche wollen und brauchen?

Es ist eben nicht damit getan, dass Voraussetzungen (Studienplätze, Betreuungsplätze, Gleichstellungsgesetze) geschaffen werden oder vielleicht schon geschaffen sind, ob nun behauptet oder tatsächlich.

Der eigentliche Wandel hat mal wieder in den Köpfen statt zu finden:

Ja, wir trauen es einzelnen oder besser noch vielen zu, solche Herkulesaufgaben zu stemmen.

Ja, wir wollen ihnen beides möglich machen, berufliche Verwirklichung oder gar Karriere und Familie.

Und ja, unsere Gesellschaft braucht ganz dringend beides: Kluge Köpfe und Kinder.        

Ein Kommentar zu “Die Zukunft des Standortes Deutschland”

  1. Birte
    Oktober 23rd, 2013 13:53
    1

    Leider hat unsere Ministerin am Ende all denen Recht gegeben, die sagen, eine Frau WILL doch daheim bei den Kindern sein! Eine FRAU will doch nichts verpassen!

    Sie zementiert eine Haltung, die beiden Geschlechtern nicht gerecht wird. Viele Männer vermissen ihre Kinder und sehnen sich nach mehr Zeit mit ihnen – wieso kann das gesellschaftlich nicht einfach anerkannt werden?

    Warum sollte ein Vater seine Kinder nicht vermissen? Nicht das Gefühl des Verpassens haben?

    Frau von der Leyen hat es so toll ausgedrückt in einem Interview. Sinngemäß: Meine Arbeit gibt mir Kraft/Motivation/Spaß/Beflügelung für meine Kinder – und meine Kinder für die Arbeit.

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ministerin-kristina-schroeder-ermuntert-frauen-zum-zuhausebleiben-a-926305.html

    Bei diesem Interview hat es mir die Zehennägel hochgerollt…

    Wir sollten nicht vergessen, diese Gesellschaft braucht auch Männer, die sich Zeit nehmen können. Die Zeit zum Spielen, zum Lachen, zum Toben, zum Erklären haben. Männer sind unterrepräsentiert in der „institutionalisierten“ Erziehung (Lehrerinnen, Erzieherinnen, Jugendgruppen-/Vereins-Arbeit). Sie sollten die Chance haben, nicht nur zum Geldverdiener der Familie reduziert zu sein, weil beim 60-80h pro Woche Job keine Zeit und Kraft übrig bleibt.

    60-80 h auf zwei Schultern zu verteilen, hilft am Ende allen, ihr Leben in Balance zu bringen!

Kommentar abgeben: