Archiv für Oktober, 2009

Ertragen und schweigen ist das falsche Rezept!

Freitag, 30. Oktober 2009

Jetzt ist Marlies schon seit drei Jahren Abteilungsleiterin in einem Elektronikkonzern – und noch immer passiert ihr in fast jeder Präsentation folgendes: Alle hören zu, bis auf Meier. Meier hat ständig was zu kommentieren, zu meckern, anzumerken. Sachliche Gründe hat er dafür nicht. Dafür persönliche: Meier ist ein Mann und Marlies eine Frau. Und (viele) Männer akzeptieren nun mal keine Frau als Vorgesetzte. Obwohl das keiner zugeben würde. Die sagen das nicht offen. Die schießen verdeckt. Wie zum Beispiel bei Marlies’ Präsentationen. Frau hat ja keine Ahnung vom Fach.

Und wenn sie ausnahmsweise eine hat, dann sagt Meier großonkelhaft, wollwollend, herablassend: „Das haben Sie jetzt aber schön gesagt.“ Als ob er der Vorgesetzte wäre, der einer Assistentin Anerkennung ausspricht. Marlies kocht vor Wut. Seit drei Jahren. Das ist ein Fehler.
Ertragen und schweigen ist einfach das falsche Rezept gegen Männer, die was gegen Frauen haben.

Das habe ich Marlies jüngst auch im Coaching gesagt. Weil Marlies das schon wusste, haben wir dann das trainiert, woran es bei vielen Frauen hängt: Artikulation. Wir haben alternative Formulierungen ausprobiert. Wie in der Boutique: „Herr Meier, hier drin bin immer noch ich der Boss.“ Das war Marlies zu „herrisch“. „Wer hat Sie denn zum Abteilungsleiter befördert?“ Das mochte sie schon eher, traute sich aber die Ironie nicht ganz zu. „Gut, danke. Ich würde lieber etwas hören, das uns inhaltlich weiter bringt.“ Das nahm sie schließlich, weil es Meiers Ehrgeiz weckt mit der impliziten Botschaft: „Wenn du glaubst, besser zu sein als ich, dann zeig uns das doch mal!“ Am nächsten Tag rief Marlies an und kicherte am Telefon.

„Der Meier war erst mal richtig platt und hat gar nichts mehr gesagt. Ich glaube, der hat endlich kapiert, dass ich das nicht mehr mit mir machen lasse.“ Männer sind wie Regen. Wenn es anfängt, dann spannt frau mit aller Selbstverständlichkeit den Schirm auf. Und geht weiter ihren Weg.

Mut zum unsympathisch sein!

Freitag, 23. Oktober 2009

Komme gerade aus einem Meeting und bin ein wenig angefressen, weil das Meeting ziemlich frauenfeindlich war. Vor allem gegen Ende. Da fragte der moderierende Bereichsleiter: „Wir hätten noch einige Aufgaben zu verteilen …“ Die Männer in der Runde sahen plötzlich intensiv zum Fenster raus, auf ihr Handy oder ihren Blackberry. Schließlich hob – erraten Sie, wer? – richtig, eine Frau die Hand und sagte: „Okay, ich mache das.“ Warum sind es immer die Frauen, die die ungeliebten Jobs übernehmen?
Weil sie „gute Teamplayer“ sind, weil sie es jedem recht machen wollen, weil sie sozial denken, weil sie sympathisch erscheinen wollen. Sie wollen kurzfristig Gutes tun und schaden sich damit langfristig selbst. Denn wer jeden Doof-Job übernimmt, wirkt nicht sympathisch und sozial, sondern nachgiebig und ohne Durchsetzungskraft. Wer sich zum Lakaien macht, wird bald als Lakai behandelt. Wie es in vielen Familien der Papa oder die Mama ist. Die Kids bauen einen Mist nach dem anderen, aber kümmern sich nicht darum, denn: „Der Papa wird’s schon richten!“ Die Frauen im Job machen die Doof-Jobs, während die Männer sich einen faulen Lenz und Karriere machen.

Nach dem Meeting ging ich zu der bereitwilligen Dame und sprach sie darauf an. Sie wusste gleich, was ich meinte: „Jaja, ich weiß, ich bin einfach zu nachgiebig. Aber was soll ich machen?“ Ich fragte sie, wie oft sie denn an einem durchschnittlichen Tag das Gefühl habe, zu nachgiebig zu sein. Sie überlegte und meinte dann: „So acht bis zehn Mal.“ Ich schlug ihr vor, morgen mal mit zu zählen und beim fünften Mal nicht die Hand zu heben, sich nicht freiwillig zu melden. Sie meinte: „Aber wenn ich es beim fünften Mal nicht schaffe? Sondern erst beim achten oder neunten Mal?“. Ich musste lachen und verriet ihr, dass es ganz egal sei, wann frau nicht die Hand hebt. Hauptsache, sie macht es. Nicht immer, aber immer öfter.