Homepage Metatalk

Archiv für die Kategorie 'Selbstcoaching'

„Projekt-Narzissten“ aushebeln

Samstag, 07. Mai 2016

Das ganze Team hängt sich rein für das Projekt, macht Überstunden, arbeitet an den Wochenenden. Bei der Präsentation am Endtermin sagt der Projektleiter zum Geschäftsführer: „Na, wie habe ich das wieder hingekriegt?“ Als ob er allein es gestemmt hätte! Das Team kocht vor Wut über den Projektleiter. „Projekt-Narzissten“ nennt eine Kollegin von mir solche Menschen.

Warum fallen wir immer wieder auf sie herein, obwohl wir es eigentlich besser wissen müssten?

Weil jeder Mensch (mindestens) zwei Seiten hat. Auf der einen sind sie selbstherrlich – auf der anderen Seite sind Narzissten ungemein gewinnend und überzeugend – aber nie manipulativ. Das ist der Unterschied zum Egoisten. Der Egoist weiß, dass er andere schädigt, der Narzisst ahnt es nicht einmal. Er glaubt tatsächlich, dass ihm der ganze Lorbeer zusteht, weil er es glauben muss. Sein Selbstbild  („Ich muss was ganz Besonderes sein!“) – und sein Erfolg – stehen und fallen  mit dieser konstruktiven Illusion. Oder wie Albert Bernstein sagt: „Es gibt Narzissmus ohne Größe, aber es gibt keine Größe ohne Narzissmus.“

Bernstein kennt auch ein Kraut, das gegen narzisstische Spiele gewachsen ist: „Nicht mitmachen!“ – wenn es denn irgend geht. Und wir diese Spiele rechtzeitig durchschauen. Wir  verlieren sonst immer dabei,  auch dann, wenn wir an das Gerechtigkeitsempfinden des Projekt-Narzissten appellieren „Denk doch nicht immer nur an dich!“ Das kann der Narzisst nicht – sonst wäre er keiner. Er kreist nur um sich, Appelle helfen nicht. Höchstens Konsequenzen: „Entweder wir dürfen bei der Präsentation mit aufs Podium – oder du kriegst das letzte Arbeitspaket nicht.“ Das kommt den Narzissten hart an.

Denn tatsächlich nehmen Narzissten nicht nur bei der Lorbeer-Verteilung den Mund recht voll, also am Ende eines Projektes, einer Aufgabe. Menschen mit ausgeprägter narzisstischer Tendenz beißen auch bei der Aufgabenverteilung in der Regel größere Stücke ab als sie schlucken können. Sie übernehmen sich gerne vor allem bei attraktiven Aufgaben: „Ja, klar, gib her – das wuppe ich auch noch!“ Sie merken nicht, wenn es zu viel wird, weil es an Besonderem nie genug sein kann. Deshalb konsultieren die cleveren Nicht-Narzissten einen Coach oder anderen Vertrauten, dessen Urteil sie schätzen: „Tolles Projekt! Was ganz Besonderes! Aber, was meinst du, schaffe ich das? Auch wenn ich das am liebsten alleine angehen würde – wen brauche ich unabdingbar dafür?“ Man kann sich diese Fragen gut und gerne selber stellen.

Doch genau diese Selbstreflexion schaffen Menschen mit starker narzisstischer Tendenz in der Regel nicht . Weil sie nur den Lorbeer und nicht den nötigen Aufwand sehen können und wollen. Deshalb sind sie so wild auf besondere Aufgaben . Sie spannen andere dafür ein, beanspruchen dann aber die ganze Anerkennung für sich selbst. Vor lauter Ärger über solches Verhalten übersehen wir aber häufig etwas, was wir von Narzissten lernen könnten.

Während der Narzisst sich chronisch selbst überschätzt und sich und andere damit schädigt, unterschätzt sich der „normale“ Mensch chronisch und schädigt sich selbst damit.

Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen: Ohne ein gewisses Maß an Selbstüberschätzung scheitern wir nicht nur an herausragenden Aufgaben. Wir bleiben auch bei Alltagsaufgaben weit hinter unseren Möglichkeiten und Wünschen zurück.

Wir sollten bei jeder Aufgabe die Latte zehn bis 30 Prozent höher legen als wir uns „eigentlich“ zutrauen. Think Big! Der Unterschied zum Größenwahn ist noch weit genug. Vor der Grenzüberschreitung zum galoppierenden Größenwahn schützt uns die Selbstreflexion: Überschätze ich mich noch gesund oder bereits narzisstisch?

Diese Reflexion macht den Unterschied zwischen einem unausstehlichen Projekt-Narzissten und einem erfolgreichen und sympathischen Menschen.

Ich wünsche Ihnen ganz viel von dieser nützlichen Reflexion.

Wie wir unseren eigenen Erfolg leben

Mittwoch, 30. März 2016

Paul ist Ingenieur und jettet um die Welt. In vielen Ländern berät er Unternehmen zum Einsatz von komplexen Anlagen. Aber seit einem Jahr ist ihm der Job etwas verleidet, seit sein Chef zu ihm gesagt hat: „Ab sofort pushen Sie unser Aggregat XC45 was das Zeug hält!“ Leider passt das Aggregat zum Teil nur bedingt. Trotzdem muss Paul den Verkauf forcieren. Er macht das auch, kann sich aber selber dafür nicht leiden. Doch was soll er tun?
Solange er es tut, fliegt er weiter um die Welt, was er liebt, bekommt weiter Anerkennung vom Chef, verdient seinen Jahresbonus und sichert sich damit auch die Anerkennung seiner Familie. Typisches Dilemma?
Ja, wir leben alle mit solchen Dilemmata. Viele nehmen sie mit ins Grab, weil: „So ist der Job halt. Man kann nicht alles haben. Das gehört einfach dazu.“ Paul ist anderer Meinung. Er kommt ins Coaching. Ich frage ihn: „Warum sagen Sie dem Chef nicht mal die Meinung?“ Wie aus der Pistole geschossen antwortet er: „Sind Sie verrückt? Der macht mich rund!“  Ich frage ihn: „Wäre das für einen erwachsenen Mann so schlimm?“
Ja. Wie schon Kierkegaard sagte: „Der Mensch fürchtet am meisten, mit seiner Meinung allein zu sein.“ Die Furcht vor dem Verlust sozialer Anerkennung ist uns tief eingebrannt, hardwired, sagen die Neurobiologen. Denn im Neandertal bedeutete der Verlust des Wohlwollens der Sippe den sicheren Tod. Wer aus der Höhle verstoßen wurde, den fraß der Tiger draußen. Diese Furcht steckt uns immer noch in den Knochen, richtiger: In den Genen. Sie ist vererbt und wirkt daher völlig unbewusst. Was also tun?
Man macht sie sich bewusst. Damit verliert sie ihre Macht. Ich frage Paul „Für die Anerkennung von Chef, Partnerin und Kindern verraten Sie also Ihre Ideale?“ Paul schluckt schwer, weil er zum ersten Mal erkennt: Die Wahl zwischen Statuserfolg und persönlichem Erfolg ist kein Entweder-Oder („Ich schmeiß den Job hin!“ vs. „Ich buckle weiter bis ich tot umfalle.“). Sie ist ein sowohl als auch.
Nach zwei weiteren Sitzungen hat der junge Ingenieur diese Güterabwägung ganz gut drauf. Einem Kunden, zu dessen Anwendung das XC45 nicht wirklich passt, rät er zum XC20. Überraschung: Der Chef merkt das gar nicht! Ergo: kein Verlust sozialer Anerkennung! Die Umsatzeinbuße kann er durch den Abschluss eines Servicevertrages kompensieren.
Als er bei einem andere Kunden wieder in das gleiche Dilemma gerät, hilft ihm das Pain-Gain-Kalkül: „Was sehr belastet mich in diesem konkreten Fall ein Anraunzer vom Chef? Und wie sehr schmälert diese Belastung meine Zufriedenheit, die ich empfinde, wenn ich ehrlich berate?“ Paul sagt: „Solange der Zufriedenheitsgewinn größer ist als die Belastung durch den Anraunzer – solange bleibe ich mir selber treu!“ Klingt komplex?
Nein. Paul hatte dieses Kalkül nach insgesamt drei Sitzungen drauf. Es darf kein Reflex sein (Anpassung oder Trotz). Es sollte eine bewusste Wahlentscheidung sein. Es dauert eine Weile, bis wir diese Entscheidung auf wirklich jede der vielen Dutzend Situationen anwenden, in denen wir täglich versucht sind, unsere Ideale zu verraten. Aber diese Weile lohnt sich. Aus einem einfachen Grund. „Das höchste Glück ist die Persönlichkeit. Mit sich selbst eins zu sein“, so beschrieb das schon Goethe.
Übrigens: Pauls Chef kritisiert immer seltener. Er sagt: „Wie Sie mir manchmal die Stirn bieten – das passt mir nicht. Aber, Respekt, Sie haben Rückgrat. Und Sie bringen Ihre Zahlen.“
Das ist eine schöne Paradoxie: Wer freundlich, höflich und gut begründet seine Echtheit wahrt, verliert die soziale Anerkennung höchstens kurzfristig. Langfristig werden wir jedoch als aufrecht, authentisch, stark, „mit Rückgrat“ empfunden, respektiert und anerkannt.
Das wünsche ich Ihnen auch.

Legen Sie Ihre Sauerstoffmaske an!

Mittwoch, 26. September 2012

Rasanter Anstieg von Fehlzeiten, Zunahme von Burn-out und Depression, boomende Veranstaltungen zu „Work-Life-Balance“, immer mehr Menschen, die denken (und sagen): „Diesen Stress tu ich mir nicht mehr an …“

„Mir geht es gut, alles in Balance“, erzählt mir eine Seminarteilnehmerin, um dann über sich selbst zu schmunzeln: “ Nur dass ich in diesem Jahr keinen Urlaub gehabt habe, das war ziemlich blöd und der fehlt mir jetzt natürlich auch. Ich habe 4 Mitarbeiterinnen und wir haben in diesem Jahr eine wunderbare Urlaubsplanung hinbekommen, alle waren ausnahmsweise mal  zufrieden. Nur an meinen eigenen Urlaub habe ich nicht gedacht, der kam in der Planung einfach nicht vor. Das passiert mir nicht noch einmal.“ Lesson learned.

Viele von uns sind von Beruf Kümmerer, Trouble-Shooter, Helfer, Retter, immer für andere da. Immer stark sein, nie Schwäche zeigen, kein Weichei sein. Und dann sind doch eines Tages die Akkus tief entleert und lassen sich mit den üblichen Mittel nicht mal schnell wieder aufladen.

Wie auch immer Sie Ihre Balance dauerhaft bewahren, eines hilft bei der Prävention des Total-Break-Downs: Denken Sie an die Erklärung der Sicherheitsvorschriften im Flugzeug . „Im Falle eines Druckverlustes fallen aus der Kabinendecke über Ihnen Sauerstoffmasken heraus. Ziehen Sie eine davon über Mund und Nase und befestigen Sie sie. Helfen Sie dann Mitreisenden.“

Wenn wir selber das Bewußtsein verlieren, könne wir nicht mehr für andere da sein.

Be selfish in order to be selfless“  bringt es wunderbar auf den Punkt.

Selbstcoaching – Selbsthilfe als „Erste Hilfe“

Donnerstag, 13. September 2012

 

Ursula Rosengart, GABAL-Verlag, auf der GSA-Convention in Düsseldorf
Foto: Michael Moesslang

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt ist es endlich da, das neue Buch! Irgendwie ist es ja immer wieder wie eine Geburt, auch wenn es schon das gefühlte zwanzigste ist.  Selbstcoaching für Frauen (und Männer). Die Werkzeuge, um sich selbst zu helfen und unterstützend mit sich selbst umzugehen, sind ja nicht wirklich geschlechtsspezifisch.

Wollen wir nicht alle  kompetent, selbstsicher, souverän und sympathisch wirken? Und fällt uns das nicht allen manchmal schwer? Wir haben uns im Ärger mal wieder benommen wie die Axt im Walde, uns sind die Gäule durchgegangen oder wir wissen einfach nicht, wie wir bestimmte Dinge anpacken können.   Manchmal sind diese Situationen so „banal“, dass wir sie „eigentlich“ selbst lösen können müssten.

Geht aber nicht. Und eine dritte Person dafür haben wir nicht oder wollen wir nicht. Weil die dann im Zweifelsfall solche Aufreger von sich gibt wie der Computerexperte, der als erstes fragt: „Ist der Strom angeschaltet?“ oder der Auto-Pannenhelfer, der fragt: „Ist noch Benzin im Tank?“

Also: Erst mal selbst Grips an- und einschalten. Hilfe zur Selbsthilfe finden Sie hier.