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Archiv für die Kategorie 'Karriere'

Menschen bevorzugen Chefs mit tiefer Stimme…

Sonntag, 18. März 2012

….egal, ob diese Chefs männlich oder weiblich sind, lese ich in der SZ vom 14.03.2012.

Tiefe Frequenzen verbinden wir mit Stärke und Dominanz, Kompetenz, Glaubwürdigkeit und Selbstbewusstsein,  hohe wirken schnell hysterisch und piepsig.  „Zu uns kommen regelmäßig Frauen in Führungspositionen,“  sagt Antoinette am Zehnhoff-Dinnesen, Direktorin der Klinik für Phoniatrie der Uni Münster,“ die bewusst versucht haben, ihre Stimme stark abzusenken, um männlicher zu klingen.”  Kehlkopf und Stimmbänder leiden offenbar unter einer solchen unnatürlichen Belastung und machen gar einen Klinikbesuch notwendig.

Mein Tipp: Versuchen Sie es mal mit Training des Zwerchfells,  das geht recht schnell, schont den Stimmapparat und hat einen wunderbaren Effekt auf die Stimme.

Gute Noten, Intelligenz und Kompetenz sind zwar Voraussetzung, aber ganz offensichtlich nicht ausschlaggebend für berufliche und gesellschaftliche Anerkennung und Vorwärtskommen. Um es ganz direkt zu formulieren: Leistung wird nicht automatisch belohnt. Nicht unbedingt die Besten kommen weiter. Karriere hängt vielmehr von vielen anderen, nur scheinbar unwichtigen Faktoren ab, die wir hören( Stimme) und sehen (Körpersprache) können.

Während sich Männer eher breit machen, stehen und sitzen Frauen eher schmal – und senden damit oft unbewusst Signale der Unterwerfung, denn wer über Raum und Zeit bestimmt, ist immer der Mächtigere.

Wie aber sich Raum nehmen, ohne wie ein Schrank zu wirken oder anderen zu dicht auf die Pelle zu rücken?

Macht es Sinn, im Meeting Notebook, Smartphone und Schlüssselbund auf dem Tisch zu drapieren, um seine Claims abzustecken? Und wie sitze ich “raumgreifend”, wenn ich einen Rock anhabe? Diese und viele andere Fragen bekomme ich immer wieder gestellt. Ich beantworte sie in meinem Buch „Körpersprache für Frauen“,  das jetzt in der 4.Auflage erschienen ist.  http://web137.ma10084.plusserver.de/kommunikation-training/start/path@page,overview.php/page@c16a53s31/openm@128-109-93

Körpersprachliche Signale lassen sich nämlich entschlüsseln und verändern – ohne dass man anschließend in der Klinik landet.

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Flintenweiber, frigide Fregatten oder einfach nur “freche Frauen”?

Dienstag, 13. März 2012

Ja, da ist er nun wieder vorbei, der internationale Tag des Kompliments. Gehen Männer anders mit Komplimenten um als Frauen und wenn ja, wie? Das war eine der Fragen, die mir Susanne Roher auf Bayern 3  gestellt hat. Bleibt die Frage, wer denn diesen Tag überhaupt braucht.

Kurz danach der internationale Frauentag. Dazu kann man die gleiche Frage stellen.

Und dann der DJV-Journalistinnenkongress in Köln, wo nicht nur EU-Kommissarin Viviane Reding vehement die Quote forderte.  ”Die Hälfte des Himmels, die Hälfte der Erde, die Hälfte der Macht – das alles reicht für eine Quote.”

Für mich als Kommunikationsexpertin ist  der Ton, in dem die Debatte geführt wird, beinahe noch interessanter als ihr Inhalt.  ”Flintenweiber” und  ”frigide Fregatten” – der Vergleich mit Rotarmistinnen und Kriegsschiffen zeigt einerseits, wie heftig Pfründe verteidigt werden und wie oft sachliche Argumente zu fehlen scheinen.  Und andererseits zeigen Gespräche mit Frauen, dass sich zwar immer noch viele  davor fürchten, “Emanze” oder “Zicke” genannt zu werden, aber die Zahl derer wächst, die fröhlich sagen: “Der oberste Ansprechpartner für meine eigene Wertschätzung bin ich selbst.”

Wie stellen Frauen ihre Stärken dar?

Donnerstag, 06. Oktober 2011

Frauen müssen lernen, ihre Stärken als Stärken zu benennen, wenn sie wollen, dass ihre Stärken auch wahrgenommen werden.

Es reicht nicht aus, dass ihnen dazu überhaupt irgendetwas einfällt – oft genug fällt ihnen, wenn ich sie in meinen  Seminaren dazu befrage, gar nichts ein.

Sie müssen ihre Stärken auch so formulieren, dass sie „managementkompatibel“ und erfolgsfördernd sind, will heißen, dass sie businesstauglich rüberkommen und nicht nach liebem, netten Mädchen und fleißiger Arbeitsbiene klingen.

Hier ein paar Beispiele aus einem meiner letzten Seminare:

UrsprungsFormulierung

mögliche Wirkung

Vorschlag

bin empathisch,

emotional intelligent

bei der sitzen alle auf dem Schoß und heulen sich aus

ich kann gut mit meinen Mitarbeitern (…) umgehen

bin ehrgeizig

Vorsicht, Karriereschnepfe

bin ziel- / ergebnisorintiert

ich kann gut Ruhe bewahren

Langweilerin.

Ob die den Hintern hochbekommt?

bin stressresistent und belastbar

bin flexibel

Für jeden Mist zu gebrauchen, macht alles jederzeit

nur im Kontext zu verwenden!

bin neugierig

Steckt überall ihre Nase rein, Klatschbase

lernbereit, offen für Neues

habe absolut keine Berührungsängste,

kann gut auf Fremde zugehen

Die möchte ich mal auf der Weihnachtsfeier kennenlernen

kontaktfeudig,

kann gut mit Kunden (…) umgehen

Unter Affen, Wölfen und Hyänen

Freitag, 13. Mai 2011

Sonntags morgens mit einer Freundin im Zoo einer deutschen Großstadt.

Zwischen Erdmännchen, Mandrills und Zwergflamingos sehr schnell die Frage: “Und wie läuft es bei dir so im Job?” 

“Na, du wirst es schon in der Zeitung gelesen haben” sagt sie da.

Nein, hatte ich nicht. Auch wenn ich dort die lokale Horrorseite schon gern mal als erstes lese. Der neue Vorstand  hatte einen der Bereichsleiter – fachlich höchst kompetent, wird von Kollegen als Mensch mit Anstand und Fingerspitzengefühl beschrieben –  am Montag vor die Wahl gestellt, sich bis Freitag zwischen einer betriebsbedingten Kündigung oder einem Auflösungsvertrag zu entscheiden.

Beim Wolfsgehege erzählte sie dann von der Personalerin, die hinzugezogen wurde. Die hatte die erschrockene Bemerkung des so Geschassten: “Ja, aber meine schulpflichtigen Kinder…” noch mit der einfühlsamen Bemerkung: “Wenn Sie keine Familie hätten, dann hätten Sie eben jetzt andere Probleme” quittiert. Eine beispiellose Solidaritätswelle erfasste die Organisation – der geschlossene Protest aller Bereichsleiter führte 3 Tage später zur Rücknahme der Kündigung – und zum heftigen Zurückrudern der Geschäftsleitung.

Inzwischen waren wir bei den Pinguinen: “Und die Mitarbeiter – wie reagieren die?”  “Total verunsichert. Wenn sie den rausschmeissen, sagen die, dann werfen die uns doch in Kürze hinterher. Der Krankenstand ist in die Höhe geschnellt, noch viel mehr aber leiden inzwischen unter Burnout.”

Und dann hat sie mich in Höhe der Schneeeulen noch gefragt, ob ich einen guten Burnout Experten kenne, da sei im Moment großer Bedarf. Und ich fragte mich, ob es nicht wünschenswert sei, einzelne Exemplare der spezies homo sapiens sapiens im derzeit verwaiseten Hochsicherheitstrakt für Krokodile unterzubringen – oder doch lieber “auf den Heldenfriedhof mit den superaktiven, egozentrischen Männern in der Chefetage,” wie es Dagmar Deckstein in der Süddeutschen Zeitung fordert?

Gnaden-Coaching

Dienstag, 15. Februar 2011

Gnaden-Brot: Da denke ich an alte Pferde, denen schon ein paar Zähne fehlen und die “zu nichts mehr nütze” sind, manchmal noch an die Bremer Stadtmusikanten, die auszogen, etwas Besseres zu suchen - aber selten an Coaching. Ab jetzt ist das anders. Und das kam so.

Chef und  Mitarbeiter verpflichten mich als Coach, wir arbeiten erfolgreich am vereinbarten Thema, es gibt einen Zwischenbericht, nach einigen Sitzungen wird das Coaching vereinbarungsgemäß beendet. Wenige Tage nach der letzten Sitzung ruft mich der Mitarbeiter an und berichtet von seiner Kündigung durch den Chef.

Das Telefonat mit dem Chef ergibt einsehbare Gründe: Die Internationalisierung des Aufgabengebietes sei für den Mitarbeiter eine Nummer zu groß, die internen Bewerber für die neu zu schaffende internationale Position einfach zu stark. Da tue sich der Mitarbeiter keinen Gefallen, wenn er weiter auf seiner Stelle bliebe …

Coaching kann beim Erreichen verschiedenster Ziele hilfreich sein. Offenbar auch, um eine “Freisetzung” vorzubereiten. Der Vorgesetzte benutzt das Coaching als Nachweis gegenüber seinen eigenen Vorgesetzten: „Ich habe alles versucht – selbst ein Last-Minute-Coaching. Aber selbst das Coaching zeigte, dass der Kandidat nicht mehr zu halten ist.” Das ist vielleicht nicht die feine englische Art – aber Business ist eben leider kein Ponyhof. Wichtig ist allein für den betreffenden Kandidaten die Invertierung des alten Rudi-Carrell-Showtitels: „Lass dich nicht überraschen!” Sei wachsam: Wenn dein Chef dir ein Coaching spendiert inmitten von Strategieänderungen, Fusionen, Restrukturierungen, Krisen – warum macht er das? Verlass dich auf deine Nase! Und wenn sie juckt, dann nimm dir dieselbe Freiheit wie dein Chef: Benutze das Coaching (auch) für deine eigene Priorität. Nämlich als Karriere-Coaching. Damit die Karriere ungebrochen weitergehe – entweder im selben oder in einem anderen Unternehmen.

Mixed Leadership

Sonntag, 06. Februar 2011

Quote – ja oder doch?

Herrlich, wie dieses Thema polarisiert und von vielen polemisiert wird, was ja bekanntermaßen immer dann passiert, wenn die Sachargumente ausgehen.

Solange frau jung und gut gebildet ist, hängt sie oft die Knaben/Männer ab. Besser gebildet, besser angepasst, bessere Schul- und Studienabschlüsse. So kann sie sich oft nicht vorstellen, dass ab einem bestimmten Karriereschritt plötzlich vieles anders ist und die Männer an ihr vorbei ziehen.

Ich coache zahlreiche Frauen in Führungspositionen – die meisten von Ihnen sitzen auf Positionen, auf denen noch nie eine Frau war. Viele von ihnen hatten noch nie eine Frau als Chefin. Ohne Quote wird das noch jahrzehntelang so bleiben.
Dabei stelle ich durch Befragen immer wieder fest: Frauen “funktionieren” mehrheitlich nach folgender Prioritätenliste.

1. Leistung
2. Macht/Politik
3. Selbstdarstellung (“Rampensau”)

Bei Männern ist das meist genau umgekehrt – das macht sie offenbar so erfolgreich.
Selbstdarstellung, trommeln, posen, Pfauengehabe, Rad schlagen, Scheingefechte….

Auch Frauen können das lernen. Aber wollen wir das wirklich?
Leistung ganz hinten?
Dann schon lieber Quote.

“Wozu brauche ich eine Quote” habe auch ich lange gedacht und mich dann doch von der Quotengegnerin zur Quotenbefürworterin gewandelt, weil sämtliche freiwilligen Verpflichtungen, so es sie überhaupt gab, zu keinem nennenswerten Ergebnis geführt haben.
Lassen wir uns doch nicht auf die Formel: “Kannst Du was oder bist Du Quote?” reduzieren.
“Jawohl, ich bin Quote und ich kann was!” ist die Antwort darauf. Die Quote ist nicht mehr als ein Türöffner, der eine Chance eröffnet. Wehe der Frau, die die dort geforderte Leistung nicht bringt, die ist dann ganz schnell weder Quote noch Führungskraft.

Am Feitag im Kreisverband einer (“liberalen”) Partei. Anwesend 20 Männer, vorwiegend um die 20 – 25, einige wenige “alte Hasen”. Konservativstes Gedankengut in Bezug auf Frauen in Führungspositionen: Es fehlten gut ausgebildete Frauen, Frauen wollten ja gar nicht, es gäbe nicht genug Geld um Kinderbetreuungsplätze auszubauen (aber für Prestigeprojekte allerorten) , wenn Quote, dann müssten wir ja auch für Migranten und Homosexuelle Quoten einführen.
Als ob Frauen eine Minderheit wären.
Für mich wurde auch hier wieder ganz deutlich: Es geht vielen gar nicht darum, dafür zu sorgen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bekommen, sondern es geht vielmehr darum, genau dies zu verhindern.
Da die Quote ein Mittel für ersteres wäre, ist sie abzulehnen.

Wohlgemerkt: Auch für mich ist die Quote nur ein vorübergehendes Vehikel. Ist das Ziel erreicht, also gleicher Anteil Frauen auf allen Ebenen, gehört sie schnellstens wieder abgeschafft

Von Eichen und Schweinen

Montag, 01. März 2010

Regina war Zuhörerin bei einem meiner Vorträge. Als ich sie zufällig wieder traf erzählte sie:  „Besonders hat mich ein Spruch in Ihrem Vortrag beeindruckt: ‚Was schert es eine Eiche, wenn ein Schwein sich an ihr kratzt?’“ Sie erzählte: „Ich bin Lehrerin und habe eine Kratzbürste als Rektorin. Das sagen alle im Kollegium. Zwei Tage nach dem Vortrag schrie sie mich an. Das macht sie mit allen relativ häufig.“ Normalerweise bringt Regina das auf die Palme, sie keift zurück – und hinterher fühlen sich alle Beteiligten schlechter als zuvor. Dieses Mal nicht: „Ich sagte nichts, blieb ganz ruhig und dachte innerlich immer wieder: ‚Was schert es eine Eiche …?’ Plötzlich merkte ich, wie auch die Rektorin ruhiger wurde, wie ihr der Dampf ausging. Eine Viertelstunde später kommt sie zurück und entschuldigt sich – was sie in 15 Jahren noch nie gemacht hat.“ Die Rektorin sagte: „Das ging nicht gegen Sie. Ich musste einfach nur Dampf ablassen.“

Wir wissen doch alle, dass es Cholerikern am schnellsten den Wind aus den Segeln nimmt, wenn man auf ihre Einladung zur Verbalorgie nicht eingeht und Ruhe bewahrt. Wenn wir das so gut wissen, warum machen wir das dann nicht (öfter)? Weil wir nicht dran denken. Der Kniesehnenreflex der Kommunikation ist schneller: Angriff? Gegenangriff! Warum klappte es bei Vera? Weil der Vortrag noch frisch in ihrem Gedächtnis war. Persönliche Veränderung braucht diese gedankliche Auffrischung. Unsere Reflexe werden uns immer beherrschen – es sei denn, wir denken vorher dran. Vor der Situation. Am besten mit einem tollen Merkspruch, den wir spontan abrufen und an dem wir uns festhalten können. Erfolg braucht Merksprüche. Es gibt so einen Merkspruch für jede heikle Situation. Was sind Ihre? Vor und in allen heiklen Situationen gilt: Nie ohne meinen Zauberspruch!

Hol Dir, was Du brauchst!

Donnerstag, 18. Februar 2010

Eben hatte ich eine Coachee, Mutter, Wiedereinsteigerin, die eigentlich ganz zufrieden mit ihrem Job ist: gutes Gehalt, gute Perspektive, Arbeitsplatzsicherheit. Sie wollte ihr Verhandlungsgeschick etwas aufpolieren, wir investierten eine Stunde und kurz vor dem Rausgehen sagte sie noch: „Ja, der Job ist ganz gut. Aber ich bin schon ein wenig enttäuscht, wie wenig Anerkennung ich bekomme.“ Ich meinte darauf: „Ja, Anerkennung ist selten im Job. Dabei machen Sie auf mich einen sehr kompetenten Eindruck. Und verhandeln können Sie auch ziemlich gut.“ – „Ach“, meinte sie. „So toll ist das nicht. Sonst wäre ich ja nicht ins Coaching gekommen.“
Da wusste ich, warum sie so „wenig Anerkennung“ bekommt: Sie nimmt sie nicht wahr. Zumindest meine nicht. Schlimmer: Sie lehnt sie ab. Das wird sie bei der Karriere ziemlich behindern. Wenn ich den Abteilungs- und Bereichsleiterinnen, die ich kenne, dasselbe Kompliment gemacht hätte, hätten die gesagt: „Danke, ja, auf mein Verhandlungsgeschick bin ich schon stolz.“ Das klingt selbstbewusst? Ist es auch. Diese Frauen sind nicht deshalb so selbstbewusst, weil sie Abteilungsleiterinnen sind. Die sind Abteilungsleiterinnen, weil sie so selbstbewusst sind. Selbstbewusste Frauen machen sich nicht klein. Sie lehnen kein Kompliment ab und sei es noch so klein oder selten. Besser noch: Sie fordern Anerkennung ein! Wenn der Chef nicht sagt, wie zufrieden er ist, fragen sie selber nach. Warum machen die das? Weil sie zu ihren Bedürfnissen stehen. Sie verdrängen ihren Wunsch nach Anerkennung nicht. Sie leben ihn aus. Und zwar so, dass er erfüllt wird. Ist das nicht schön? Wer sich um sich selbst kümmert, kriegt nicht nur, was sie will. Sie macht auch noch Karriere.

Weiblicher Perfektionswahn

Freitag, 15. Januar 2010

 „Typisch Frau“, murmeln die Kollegen, “will alles perfekt machen.”  Was war passiert? Der Abteilungsleiter hat seine Mitarbeiter gelobt: „80 % unserer Projekte laufen pünktlich zum Endtermin ein!“ Die versammelten Projektleiter nicken und lächeln erfreut. Eine der anwesenden Projektleiterinnen aber meint: „Warum können wir nicht alle Projekte pünktlich ins Ziel bringen?“  Oder: „Schatz, das Essen war super!“ – „Aber war die Suppe nicht ein wenig zu scharf?“

Geht’s noch? Warum wollen insbesondere Frauen immer perfekt sein?

Die so genannten Frauenzeitschriften suggerieren, dass Frau heute alles schaffen muss: Beruf, Beziehung, Kinder, Kochen, Haushalt, immer modisch gekleidet und attraktiv und gut im Bett. Eben: perfekt. Wenn einem dieser irrsinnige mediale Zeitgeist ständig um die Nase weht, ist es kein Wunder dass Frauen Gott spielen möchten – wobei der Allmächtige alles andere als perfekt ist. Schau sich doch bloß einer seine Schöpfung an: So charmant unperfekt!

Natürlich sind am weiblichen Perfektionismus nicht irgendwelche Zeitschriften schuld. Die könnten behaupten, was sie wollten – wenn wir es nicht glauben wollten. Doch wir glauben an die Perfektion. Warum? Weil sie uns Sicherheit gibt. Wir glauben, wenn wir perfekt wären, würden wir uns sicher, selbstbewusst, anerkannt und geliebt fühlen. Alles wäre gut, wenn alles perfekt wäre. Die perfekte Beziehung, das perfekte Leben verdienen nur perfekte Menschen. Das ist eine verständliche und sehr tröstliche Vorstellung. Ungefähr so tröstlich wie Alkohol: Wenn ich ihm zu sehr zuspreche, dann verkehrt sich seine erhoffte Wirkung ins Gegenteil.

Denn: Die ersehnte Zufriedenheit, das Selbstbewusstsein und die innere Ruhe stellen sich selbst im Augenblick des perfekten Triumphes nicht ein. Nicht wirklich und vor allem nicht nachhaltig. Warum nicht? Weil Perfektion Selbstablehnung bedeutet.

Wenn ich eine phantastische Erfolgsquote von 80 Prozent bemängele, dann sage ich unbewusst zu mir: „Ich akzeptiere dich nicht. Ich akzeptiere dich erst, wenn du … erfüllst.“ Wenn Ihnen das ein anderer sagen würde, wären Sie gekränkt. Und das zu Recht. Um wie viel kränkender ist es, sich das ständig (!) selbst zu sagen. Wer mit Perfektionismus sein Selbstwertgefühl zu stärken versucht, schwächt es. Wirkungsvoller als das der schlimmste Feind es tun könnte.

In der oben erwähnten Besprechung saß übrigens eine zweite Projektleiterin. Diese sagte hinterher im Kreis der KollegInnen: „Wahnsinn! 80 Prozent! Das freut mich jetzt. Das sag ich gleich meinem Team. Die haben sich dieses Lob von höchster Stelle verdient. Und die restlichen 20 Prozent schaffen wir auch noch!“ Das ist fast das Gleiche – aber eben nicht das Selbe. Hier freut sich jemand über das Erreichte und akzeptiert zugleich die begleiteten Fehler, Schwächen, Mängel. Das bedeutet Selbstwertgefühl: Ich akzeptiere mich in dem vielen Guten, das ich hinbekomme. Und in den ebenfalls vorhandenen Schwächen, die ich als gesunder normaler Mensch natürlich auch habe. Ich heiße meine Schwächen nicht gut. Aber ich nehme sie an und arbeite ehrlich daran. Wenn ich so mit mir umgehe, dann gewinne ich eine unvergleichliche innere Stärke und Authentizität. Der Perfektionismus verschwindet dann ganz von alleine. Weil eine starke Frau ihn nicht braucht.

Ertragen und schweigen ist das falsche Rezept!

Freitag, 30. Oktober 2009

Jetzt ist Marlies schon seit drei Jahren Abteilungsleiterin in einem Elektronikkonzern – und noch immer passiert ihr in fast jeder Präsentation folgendes: Alle hören zu, bis auf Meier. Meier hat ständig was zu kommentieren, zu meckern, anzumerken. Sachliche Gründe hat er dafür nicht. Dafür persönliche: Meier ist ein Mann und Marlies eine Frau. Und (viele) Männer akzeptieren nun mal keine Frau als Vorgesetzte. Obwohl das keiner zugeben würde. Die sagen das nicht offen. Die schießen verdeckt. Wie zum Beispiel bei Marlies’ Präsentationen. Frau hat ja keine Ahnung vom Fach.

Und wenn sie ausnahmsweise eine hat, dann sagt Meier großonkelhaft, wollwollend, herablassend: „Das haben Sie jetzt aber schön gesagt.“ Als ob er der Vorgesetzte wäre, der einer Assistentin Anerkennung ausspricht. Marlies kocht vor Wut. Seit drei Jahren. Das ist ein Fehler.
Ertragen und schweigen ist einfach das falsche Rezept gegen Männer, die was gegen Frauen haben.

Das habe ich Marlies jüngst auch im Coaching gesagt. Weil Marlies das schon wusste, haben wir dann das trainiert, woran es bei vielen Frauen hängt: Artikulation. Wir haben alternative Formulierungen ausprobiert. Wie in der Boutique: „Herr Meier, hier drin bin immer noch ich der Boss.“ Das war Marlies zu „herrisch“. „Wer hat Sie denn zum Abteilungsleiter befördert?“ Das mochte sie schon eher, traute sich aber die Ironie nicht ganz zu. „Gut, danke. Ich würde lieber etwas hören, das uns inhaltlich weiter bringt.“ Das nahm sie schließlich, weil es Meiers Ehrgeiz weckt mit der impliziten Botschaft: „Wenn du glaubst, besser zu sein als ich, dann zeig uns das doch mal!“ Am nächsten Tag rief Marlies an und kicherte am Telefon.

„Der Meier war erst mal richtig platt und hat gar nichts mehr gesagt. Ich glaube, der hat endlich kapiert, dass ich das nicht mehr mit mir machen lasse.“ Männer sind wie Regen. Wenn es anfängt, dann spannt frau mit aller Selbstverständlichkeit den Schirm auf. Und geht weiter ihren Weg.