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Archiv für die Kategorie 'Frauen'

Gerechtigkeit im Job?

Freitag, 17. Juni 2016

Nun ist sie also erneut hochgekocht, die leidige Lohn-Lücke zwischen Mann und Frau. Kürzlich erschien wieder eine Studie dazu, ihr Tenor: Ist doch alles nicht so schlimm! Was regt ihr euch auf? Frauen verdienen zwar im Durchschnitt 21 Prozent weniger als Männer.

Doch maßgeblich sei, laut Studie, nicht der Durchschnitt, sondern das bereinigte Mittel des Unterschieds und das liege bei „nur“ 7 Prozent. Wenig überraschend: Die Familienministerin mag die neue Studie nicht.  Denn jede Studie, mit der die Lohn-Lücke kleingerechnet wird, verzögert oder verhindert ein geplantes Lohngerechtigkeitsgesetz. Lohngerechtigkeit? Ein interessantes Konzept.

Denn was hat Lohn mit Gerechtigkeit zu tun? Ist der  Lehrerlohn etwa gerecht angesichts dessen, dass LehrerInnen unsere Kinder erziehen (sollten) und den Bildungsgrundstock für unsere Zukunft legen? Ist es gerecht, dass Hausfrauen überhaupt keinen Lohn bekommen? Dass Vorstände selbst dann noch Millionen kassieren, wenn das Unternehmen Verlust schreibt und Mitarbeiter entlässt? Löhne sind Preise. Sie sind weder Indiz noch Surrogat für Gerechtigkeit. Wenn wir Gerechtigkeit wollen, dürfen wir nicht mit ausfüllungsbedürftigen Abstrakta wie Lücken, Gesetzen und Durchschnittssätzen hantieren. Gerechtigkeit ist  nicht im Durchschnitt zu finden. Gerechtigkeit findet sich immer nur am konkreten Beispiel. Betrachten wir eines.

Jutta und Marcus sind beide Buchhalter, seit fünf Jahren im Betrieb, vergleichbare Qualifikation, vergleichbares Arbeitsgebiet. Sie geht in Elternzeit, er arbeitet weiter. Am Ende der Elternzeit geht der Leiter der Buchhaltung in Pension, seine Nachfolge fällt auf – was tippen Sie?

Logisch. Marcus. Logisch deshalb, weil das gerecht ist. Sagt der Geschäftsführer. Er meint: „Wenn wir Jutta befördern, dann diskriminieren wir doch den Mann, der zwei Jahre längere Berufserfahrung mitbringt! Seniorität ist gerecht!“

Acht von zehn KollegInnen in der Abteilung sind anderer Meinung. Sie sagen: „Jutta hat die besseren Abschluss- und Arbeitszeugnisse, die besseren Beurteilungen, hat mehr Verantwortung übernommen und hat schlicht mehr drauf als der Kollege, der früher ständig von ihr abgeschrieben hat.“ Und jetzt? Wir haben keine Lohn-, wir haben eine Gerechtigkeitslücke. Wir wissen, was ein Lohn, nicht aber, was Gerechtigkeit ist. Einmal davon abgesehen, dass Juttas Geschäftsleitung ein Eigentor schießt. Sie befördert den weniger kompetenten Kandidaten. „Das ist doch dämlich!“, sagt Jutta im Coaching. Ja und?

Ich kann keinem Unternehmen verbieten, ein Eigentor zu schießen. „Aber da muss man doch was dagegen tun können!“, sagt Jutta. Das hat schon eher etwas mit Gerechtigkeit zu tun. Ich frage: „Gute Idee. Was können Sie tun?“

Spätestens hier wird klar, wie abwegig die Diskussion um Lohn-Lücken und Gerechtigkeitsgesetze ist. Denn Diskriminierung und Ungerechtigkeit, Nickligkeiten und Unfairness gibt es nicht erst seit der Lohn-Lücke. Es gibt sie schon lange. Massenhaft. Die Coaching-Praxis bewältigt seit Jahren wahre Berge davon. Mit der Betonung auf „bewältigt“. Nehmen wir zum Beispiel Auslandsaufenthalte.

Seit der Erfindung der Globalisierung suchen Unternehmen händeringend nach Expatriates; nach MitarbeiterInnen, die in ausländischen Niederlassungen, Töchtern oder Joint Ventures diverse Jobs übernehmen. Als Anreiz wird oft versprochen: „Das ist ein Karriere-Sprungbrett! Wenn Sie zurück sind, steigen Sie rasant auf!“ Wenn der Expat dann tatsächlich heimkehrt, ist es jedoch oft nichts mit dem Aufstieg, rasant oder anderweitig. Schlimmer: Der alte Job ist, natürlich, auch weg und man landet in der Besenkammer (nicht im Becker’schen Sinne). Das erzählen mir viele Coachees. Das ist die brüllende Ungerechtigkeit. Was machen die Betrogenen?

Ich empfehle jedem Coachee (Männer sind davon so betroffen wie Frauen): Gerechtigkeit ist eine Frage der Verhandlung. Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt. Wenn ich im Nachgang Erfolgskontrolle mache, erzählen mir die KlientInnen unisono: „Wenn du das vorher nicht ansprichst und regelst, dann schaust du hinterher in die Röhre.“ Und: „Wenn das nicht schriftlich geregelt ist, hält sich keiner dran!“ Jutta meint dazu: „Eigentlich war schon vor meiner Elternzeit klar, dass der Abteilungsleiter in Pension geht. Ich bin dann in die Elternzeit gegangen, ohne vorher die Nachfolge mit dem Geschäftsführer zu besprechen. Das passiert mir nie wieder. Ab sofort mache ich den Mund auf, verhandle hart und lass mir alles schriftlich geben.“

Natürlich brauchen wir Gesetze. Aber noch viel dringender brauchen wir Verhandlungskompetenz. Denn auch das ist nur gerecht: Gerechtigkeit erfährt, wer sich dafür einsetzt. Dass sie einem/r in den Schoß fällt, halte ich für ungerecht. Wie schon Goethe sagte: „Wer immer strebend sich bemüht“, der/die wird auch belohnt. Das ist nur gerecht. Verhandlungskompetenz ist Trainingssache.

Heute schon trainiert?

 

Wer schnell und bequem etwas für ihre Kompetenz tun möchte: „Gehaltsverhandlungen für freche Frauen“

http://www.metatalk-training.de/start/path@page,overview.php/page@3416a7s41/openm@138-109-93

Noch eine interessante Quelle zum Thema, in der Sie übrigens auch Ihre Autorin finden:

Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir keiner

Montag, 21. Mai 2012

Selbstbedienung, Selbsthilfegruppen, Selbstcoaching?

Was waren das noch für Zeiten, als an der Tankstelle der Tankwart nicht nur den Tank befüllte, sondern auch noch Ölstand kontrollierte und die Scheibe wusch.

Oder im Restaurant ganz selbstverständlich serviert wurde. Machen wir heute (fast immer) selbst. Hat Vorteile. Geht oft schneller. Wir können selbst besser wählen. Ist preiswerter (so hat man uns zumindest vor Jahrzehnten die Abschaffung des Services an den Tanken schmackhaft gemacht). Dafür stehen wir jetzt  bei schönem Wetter im Biergarten in der Schlage, machen uns bei der Ölkontrolle die Finger schmutzig und werden peinlich rot, wenn der Automat die Kontokarte einbehält. Nix Geld.

Was können wir nicht alles alleine. Insbesondere Frauen sind Weltmeister in: „Dafür brauch´ ich keinen“. Ich verdien mein Geld alleine, zieh die Kinder alleine groß, die Haare färb ich mir ganz ohne Friseur, den Autopannen- und den Heimwerkerkurs für Frauen hab ich längst besucht und beim Motorsägekurs bin ich angemeldet.

Und jetzt auch noch Selbstcoaching. Ja. Nicht immer, aber immer öfter.

Einen guten Coach ersetzt so schnell nichts. Er oder sie reduziert das Durcheinander im Kopf und bei den Gefühlen, ist Lotse, Spiegel, Katalysator und Lösungs-Findungs-Helfer. Wenn er die Idealbesetzung ist, hat er eine profunde Ausbildung und einen klaren Blick – aber er ist nicht immer da.  Wie mein Personal Trainer, mein Yoga-Lehrer  oder mein Fitnesstudio. Zu weit weg, geschlossen, Urlaub. Ich übrigens auch. Manchmal hab ich einfach zu, bin auf Geschäfts- oder Dienstreisen, im Urlaub.

Was mach´ ich dann? Yoga geht fast immer und überall in jedem Hotelzimmer. Es soll Menschen geben, die Joggen des Nachts Treppenhäuser rauf und runter, wieder andere machen isometrische Übungen und die nächste klettert die Fassaden rauf.

So ist das auch mit dem Coaching. Geht (fast) immer und überall, wenn man weiß, wie. Selbstcoaching eben. http://bit.ly/bUuwuV

Flintenweiber, frigide Fregatten oder einfach nur „freche Frauen“?

Dienstag, 13. März 2012

Ja, da ist er nun wieder vorbei, der internationale Tag des Kompliments. Gehen Männer anders mit Komplimenten um als Frauen und wenn ja, wie? Das war eine der Fragen, die mir Susanne Roher auf Bayern 3  gestellt hat. Bleibt die Frage, wer denn diesen Tag überhaupt braucht.

Kurz danach der internationale Frauentag. Dazu kann man die gleiche Frage stellen.

Und dann der DJV-Journalistinnenkongress in Köln, wo nicht nur EU-Kommissarin Viviane Reding vehement die Quote forderte.  „Die Hälfte des Himmels, die Hälfte der Erde, die Hälfte der Macht – das alles reicht für eine Quote.“

Für mich als Kommunikationsexpertin ist  der Ton, in dem die Debatte geführt wird, beinahe noch interessanter als ihr Inhalt.  „Flintenweiber“ und  „frigide Fregatten“ – der Vergleich mit Rotarmistinnen und Kriegsschiffen zeigt einerseits, wie heftig Pfründe verteidigt werden und wie oft sachliche Argumente zu fehlen scheinen.  Und andererseits zeigen Gespräche mit Frauen, dass sich zwar immer noch viele  davor fürchten, „Emanze“ oder „Zicke“ genannt zu werden, aber die Zahl derer wächst, die fröhlich sagen: „Der oberste Ansprechpartner für meine eigene Wertschätzung bin ich selbst.“

Wie stellen Frauen ihre Stärken dar?

Donnerstag, 06. Oktober 2011

Frauen müssen lernen, ihre Stärken als Stärken zu benennen, wenn sie wollen, dass ihre Stärken auch wahrgenommen werden.

Es reicht nicht aus, dass ihnen dazu überhaupt irgendetwas einfällt – oft genug fällt ihnen, wenn ich sie in meinen  Seminaren dazu befrage, gar nichts ein.

Sie müssen ihre Stärken auch so formulieren, dass sie „managementkompatibel“ und erfolgsfördernd sind, will heißen, dass sie businesstauglich rüberkommen und nicht nach liebem, netten Mädchen und fleißiger Arbeitsbiene klingen.

Hier ein paar Beispiele aus einem meiner letzten Seminare:

UrsprungsFormulierung

mögliche Wirkung

Vorschlag

bin empathisch,

emotional intelligent

bei der sitzen alle auf dem Schoß und heulen sich aus

ich kann gut mit meinen Mitarbeitern (…) umgehen

bin ehrgeizig

Vorsicht, Karriereschnepfe

bin ziel- / ergebnisorintiert

ich kann gut Ruhe bewahren

Langweilerin.

Ob die den Hintern hochbekommt?

bin stressresistent und belastbar

bin flexibel

Für jeden Mist zu gebrauchen, macht alles jederzeit

nur im Kontext zu verwenden!

bin neugierig

Steckt überall ihre Nase rein, Klatschbase

lernbereit, offen für Neues

habe absolut keine Berührungsängste,

kann gut auf Fremde zugehen

Die möchte ich mal auf der Weihnachtsfeier kennenlernen

kontaktfeudig,

kann gut mit Kunden (…) umgehen

Empowerment – Wissen ist Macht

Montag, 05. September 2011

Da will eine Coaching-Klientin ihr kleines Unternehmen verkaufen und fühlt sich sehr unsicher, schließlich hat sie so etwas noch nie gemacht. Sie bietet es einem großen Mitbewerber an, der nicht uninteressiert scheint. „Ich habe ordentlich Bauchweh, wenn ich an diese Gespräche denke, schließlich habe ich keine Ahnung, was meine Firma wert ist“, sagt sie im Coaching.
„Was haben Sie denn schon zur Ermittlung des Unternehmenswertes unternommen?“ frage ich sie. „Nichts. Mein Vater hat gesagt, dieser Laden sei sowieso unverkäuflich.“ Aha.
Also erarbeiten wir im Coaching, wer als potentieller Übernehmer noch infrage kommt und sie findet es eine gute Idee, Ihre Firma auch dort vorzustellen. Außerdem wird sie sich mit einem befreundeten Banker beraten und beim Verbandsjuristen schlau machen. Und plötzlich verleiht ihr alleine der Gedanke an all diese Möglichkeiten Stärke und Kraft. „Vorm Beginnen sich Besinnen, Macht gewinnen“ sagt ein Sprichwort. Sich also Fragen stellen wie: Was habe ich für persönliche und finanzielle Ressourcen? Wer oder was macht mich stark? Was habe ich für Alternativen zum Verkauf? Was tun, wenn die gebotenen Preise deutlich unter dem ermittelten Wert oder der eigenen Schmerzgrenze liegen?
Nachdem sie Antworten auf die meisten Fragen gefunden hatte, war sie subjektiv in einer wesentlich besseren Position. Nicht mehr die, die etwas Unverkäufliches zu Markte zu tragen versuchte, sondern diejenige, die etwas Attraktives anzubieten hatte, um dessen Wert sie sehr wohl wusste. Das strahlte sie auch aus und konnte es nach etwas Übung auch überzeugt und überzeugend sagen. Damit hatte sie sich dann auch objektiv in eine machtvollere Position gebracht.

Equal Pay Day – was ich noch zu sagen hätte

Freitag, 01. April 2011

„Frauen beziehen für dieselbe Leistung weniger Geld. Schon vom ersten Tag an:  Ihre Einstiegsgehälter liegen deutlich unter denen von Männern…“

Woran liegt das eigentlich? Wo es doch, nach der offensiv vertretenen Meinung einer der großen deutschen Wirtschaftsverbände, gar keine Geschlechterdiskriminierung gibt. Frauen – die sind doch immer und überall gleichberechtigt. 

Wenn das so ist, weshalb werden dann die oben zitierte und die folgende Passage aus meinem Artikel herausgekürzt?

„Es ist diese Leistungsungerechtigkeit, die Missachtung ihrer Arbeit, die Unfairness und der mangelnde Respekt für Ihre Person, der viele Frauen dazu bringt, ihr eigenes Verhalten in Sachen Gehaltsforderung in Frage zu stellen. “ 

Jawohl. Das eigene Verhalten überprüfen, das Verhandlungsgeschick verbessern, sich coachen lassen merh rausholen. Unter uns: Das ist gut so.

Nicht gut ist, dass der Eindruck entsteht, an den Gehaltsunterschieden seien einzig und allein die Frauen selbst schuld.

Aber lesen Sie selbst… http://web137.ma10084.plusserver.de/kommunikation-training/userdata/file/pdf-dokumente/cornelia_topf_end.pdf

Mixed Leadership

Sonntag, 06. Februar 2011

Quote – ja oder doch?

Herrlich, wie dieses Thema polarisiert und von vielen polemisiert wird, was ja bekanntermaßen immer dann passiert, wenn die Sachargumente ausgehen.

Solange frau jung und gut gebildet ist, hängt sie oft die Knaben/Männer ab. Besser gebildet, besser angepasst, bessere Schul- und Studienabschlüsse. So kann sie sich oft nicht vorstellen, dass ab einem bestimmten Karriereschritt plötzlich vieles anders ist und die Männer an ihr vorbei ziehen.

Ich coache zahlreiche Frauen in Führungspositionen – die meisten von Ihnen sitzen auf Positionen, auf denen noch nie eine Frau war. Viele von ihnen hatten noch nie eine Frau als Chefin. Ohne Quote wird das noch jahrzehntelang so bleiben.
Dabei stelle ich durch Befragen immer wieder fest: Frauen „funktionieren“ mehrheitlich nach folgender Prioritätenliste.

1. Leistung
2. Macht/Politik
3. Selbstdarstellung („Rampensau“)

Bei Männern ist das meist genau umgekehrt – das macht sie offenbar so erfolgreich.
Selbstdarstellung, trommeln, posen, Pfauengehabe, Rad schlagen, Scheingefechte….

Auch Frauen können das lernen. Aber wollen wir das wirklich?
Leistung ganz hinten?
Dann schon lieber Quote.

„Wozu brauche ich eine Quote“ habe auch ich lange gedacht und mich dann doch von der Quotengegnerin zur Quotenbefürworterin gewandelt, weil sämtliche freiwilligen Verpflichtungen, so es sie überhaupt gab, zu keinem nennenswerten Ergebnis geführt haben.
Lassen wir uns doch nicht auf die Formel: „Kannst Du was oder bist Du Quote?“ reduzieren.
„Jawohl, ich bin Quote und ich kann was!“ ist die Antwort darauf. Die Quote ist nicht mehr als ein Türöffner, der eine Chance eröffnet. Wehe der Frau, die die dort geforderte Leistung nicht bringt, die ist dann ganz schnell weder Quote noch Führungskraft.

Am Feitag im Kreisverband einer („liberalen“) Partei. Anwesend 20 Männer, vorwiegend um die 20 – 25, einige wenige „alte Hasen“. Konservativstes Gedankengut in Bezug auf Frauen in Führungspositionen: Es fehlten gut ausgebildete Frauen, Frauen wollten ja gar nicht, es gäbe nicht genug Geld um Kinderbetreuungsplätze auszubauen (aber für Prestigeprojekte allerorten) , wenn Quote, dann müssten wir ja auch für Migranten und Homosexuelle Quoten einführen.
Als ob Frauen eine Minderheit wären.
Für mich wurde auch hier wieder ganz deutlich: Es geht vielen gar nicht darum, dafür zu sorgen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bekommen, sondern es geht vielmehr darum, genau dies zu verhindern.
Da die Quote ein Mittel für ersteres wäre, ist sie abzulehnen.

Wohlgemerkt: Auch für mich ist die Quote nur ein vorübergehendes Vehikel. Ist das Ziel erreicht, also gleicher Anteil Frauen auf allen Ebenen, gehört sie schnellstens wieder abgeschafft

Wehrhaft: Freche Frauen

Montag, 24. Januar 2011

Gestern in der Zeitung: Versuchte Vergewaltigung – Opfer biss Angreifer so heftig in die Zunge, dass er sich im Krankenhaus behandeln lassen musste. Die Polizei brauchte nur alle Krankenhäuser anzurufen und schon hatte sie den Täter….

Heute im Seminar erzählt eine Teilnehmerin,  sie habe an einer Ampel auf grün gewartet.

Da sie vor sich einen Kinderwagen hatte, war hinter ihr nicht mehr viel Platz. Ein Passant wollte vorbei und stieß ihr mit aller Wucht wortlos den Ellenbogen in den Rücken. Reaktionsunfähig überquerte sie die Straße, der Ärger und die Schmerzen ließen sie allerdings beim nächsten Grün wieder umkehren und nach hunderten von gejoggten Metern den Passanten einholen.

 Als erstes drohte sie ihm durch fingiertes Wählen auf dem Handy mit der Polizei, um dann ersatzweise 30 € Schmerzensgeld einzufordern. Als sowohl er als auch seine Frau vorgaben, sie hätten kein Geld dabei, fragte sie die Frau: „Schlägt er Sie auch regelmäßig?“, nutzte die Überraschung der Frau, ihr ersatzweise den Schal zu entreißen, und suchte dann, den Protest: „Der hat aber viel mehr als 30 € gekostet“ ignorierend, das Weite. 

Von dieser Warte aus betrachtet zeigt sich einmal mehr, dass der Spruch: „Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt“, durchaus seine Berechtigung hat. Und wir die Sprache nicht nur für magisches Gemurmel, Klatsch und Tratsch, Beleidigungen und Beschimpfungen, Flüche, Gerüchte und Geraune, bei- und abfällige Geräusche, sondern  durchaus auch zur Artikulation von Bitten und Wünschen und zur Weitergabe von Informationen einsetzen sollten.

Frau tritt zurück!

Dienstag, 20. Juli 2010

Käßmann, Jepsen – wir erleben das Jahr der prominenten Frauenrücktritte. Treten Frauen leichter und schneller zurück als Männer?

Ich bewundere, wenn Menschen ihre Verantwortung so ernst nehmen, dass sie auch in buchstäblich letzter Konsequenz ein Vorbild sind für andere Menschen. Wie viel Verantwortungsgefühl, wie viel Integrität und Rückgrat muss jemand haben, um so konsequent zu sein! Wer so viel Verantwortungsbewusstsein hat, zählt zweifellos zur geistig-moralischen Elite des Landes – und ausgerechnet diese Elite tritt dann zurück? Was bleibt dann noch übrig in Amt und leitender Position? Das Peter Principle.

Wer übrig bleibt, ist nicht notwendigerweise besser, ehrlicher, kompetenter oder verantwortungsbewusster, sondern klammert und klebt lediglich besser und wieselt sich eleganter an den Prüfungen auf Rechtschaffenheit und Aufrichtigkeit vorbei. Wir sollten uns ein Beispiel an den Zurückgetretenen nehmen. Nein, nicht um selbst zurück zu treten. Sondern um mit dem Verantwortungsbewusstsein der Zurückgetretenen unseren Aufgaben nachzugehen. Nicht bloß unsere Arbeit zu machen, sondern mit unserem guten Namen dafür einzustehen.

So paradox es klingt: Diese Rücktritte integrer Menschen machen mehr Hoffnung auf das Heranziehen eines verantwortungsvollen Zeitalters als jene unsäglichen Amtsinhaber, die trotz schwerster Verfehlungen weiter auf ihrem Sessel kleben bleiben; würde-, anstands- und verantwortungslos. Die sich damit selbst demontieren und ihrer Sache großen Schaden zufügen.

Alle Welt spricht über die Rücktritte der beiden Frauen. Kaum einer spricht darüber, was das für die Moral an unseren Arbeitsplätzen bedeutet: Leistung ist wichtig. Rendite ist wichtig. Ämter sind wichtig. Wichtiger sind Integrität, Glaubwürdigkeit und Verantwortungsbewusstsein.

Hol Dir, was Du brauchst!

Donnerstag, 18. Februar 2010

Eben hatte ich eine Coachee, Mutter, Wiedereinsteigerin, die eigentlich ganz zufrieden mit ihrem Job ist: gutes Gehalt, gute Perspektive, Arbeitsplatzsicherheit. Sie wollte ihr Verhandlungsgeschick etwas aufpolieren, wir investierten eine Stunde und kurz vor dem Rausgehen sagte sie noch: „Ja, der Job ist ganz gut. Aber ich bin schon ein wenig enttäuscht, wie wenig Anerkennung ich bekomme.“ Ich meinte darauf: „Ja, Anerkennung ist selten im Job. Dabei machen Sie auf mich einen sehr kompetenten Eindruck. Und verhandeln können Sie auch ziemlich gut.“ – „Ach“, meinte sie. „So toll ist das nicht. Sonst wäre ich ja nicht ins Coaching gekommen.“
Da wusste ich, warum sie so „wenig Anerkennung“ bekommt: Sie nimmt sie nicht wahr. Zumindest meine nicht. Schlimmer: Sie lehnt sie ab. Das wird sie bei der Karriere ziemlich behindern. Wenn ich den Abteilungs- und Bereichsleiterinnen, die ich kenne, dasselbe Kompliment gemacht hätte, hätten die gesagt: „Danke, ja, auf mein Verhandlungsgeschick bin ich schon stolz.“ Das klingt selbstbewusst? Ist es auch. Diese Frauen sind nicht deshalb so selbstbewusst, weil sie Abteilungsleiterinnen sind. Die sind Abteilungsleiterinnen, weil sie so selbstbewusst sind. Selbstbewusste Frauen machen sich nicht klein. Sie lehnen kein Kompliment ab und sei es noch so klein oder selten. Besser noch: Sie fordern Anerkennung ein! Wenn der Chef nicht sagt, wie zufrieden er ist, fragen sie selber nach. Warum machen die das? Weil sie zu ihren Bedürfnissen stehen. Sie verdrängen ihren Wunsch nach Anerkennung nicht. Sie leben ihn aus. Und zwar so, dass er erfüllt wird. Ist das nicht schön? Wer sich um sich selbst kümmert, kriegt nicht nur, was sie will. Sie macht auch noch Karriere.