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Archiv für die Kategorie 'Durchsetzungsfähigeit'

Hartnäckigkeit schlägt Talent

Sonntag, 17. April 2016

Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.
Samuel Beckett (1906 – 1989)

Ganz schön hartnäckig, dieser Beckett. Wobei – ein harter Nacken ist auch nichts wirklich angenehmes, gehört unter die Hand des Physiotherapeuten und erinnert an uneinsichtige Sturheit. Schließlich geht es darum, einerseits nicht zu früh aufzugeben, andererseits rechtzeitig zu erkennen, wann es wirklich keinen Sinn mehr macht, es weiter zu probieren.

Das Gegenteil von Sturköpfen sind die ängstlichen Aufgeber und Zurückschrecker: „Frau Topf, ich habe das einmal versucht. Es hat nicht funktioniert, ich mache das nie wieder!

Müßig zu fragen, wer erfolgreicher ist.

Auf einer Skala von 0 (gar nicht erst versuchen) bis 10 (Beckett): Wie beharrlich sind Sie? Und was könnten Sie tun, um mehr Durchhaltevermögen und Biß  zu bekommen?

 

 

Lass mich bloß in Ruhe!

Mittwoch, 13. April 2016

Ein Tabuthema: Übergriffige KollegInnen.
Danielle hat drei davon. Jede Stunde einmal kommt einer von ihnen in ihr Büro und sagt Sachen wie: „Da hast du schon wieder einen Fehler gemacht!“, „Du setzt die falschen Prioritäten.“, „So kannst du das unmöglich machen!“ Was bilden die sich ein? Danielle ist empört. Und total gestresst, weil das seit Monaten so geht. Dabei ist sie High Potential.
Der Chef fördert sie aktiv und hat ihr eine Führungsposition in Aussicht gestellt. Fachlich ist sie erste Sahne. Kann sich artikulieren, hat hohe Sozialkompetenz, ist bei allen beliebt – mit Ausnahme der drei Übergriffigen. Die haben es auf sie abgesehen. Eine(r) schießt immer quer? Das gehört zum Job? Das ist schlicht der Wahnsinn der Normalität? Das mag man so sehen. Ich halte diese Sichtweise für unmenschlich, effizienzvernichtend und firmenschädigend. Denn Danielle will das Unternehmen verlassen. Deshalb kommt sie ins Coaching.
Danielle hat erkannt „Wenn ich wechsle, nehme ich das Problem vielleicht mit. Ich kann mit übergriffigem Verhalten einfach nicht umgehen. Das möchte ich ändern. Wie mache ich das?“ Mit Abgrenzungsfähigkeit, im Amerikanischen bekannt als Assertiveness.
Danielle hat schon richtig vermutet: Sie hat auch einen Problemanteil. Zum Beispiel ihre Haltung. Bei jedem Übergriff nimmt sie eine (untergeordnete) Fragehaltung an, zum Beispiel:
„Da hast du ja mal wieder schönen Mist gebaut!“
„Wieso? Was stimmt nicht?“
Und schon doziert der Kollege zehn Minuten über Dinge, die Danielle längst klar sind. Aber Danielle fällt immer wieder darauf herein – eben weil sie nicht klarmachen kann, dass ihr das alles längst klar ist. Es dauert eine ganze Sitzung, ihr Dialogverhalten diesbezüglich umzustellen. Am Ende der Stunde – ich übernehme die Rolle des Übergriffigen – hat sie das drauf:
„Das ist ja wieder grottenfalsch!“
Danke für den Hinweis. Ich kümmere mich darum.“
„Aber du weißt doch gar nicht, was ich meine.“
„Doch, weiß ich. Wird erledigt.“
„Aber du hast noch gar nicht die Konsequenzen begriffen!“
Habe ich. Danke für den Hinweis. Außerdem: Jetzt nicht, es ist gerade ungeschickt. Wenn ich noch was brauche, komme ich heute Nachmittag auf dich zu.

 

Ende der Diskussion, Blick wieder zum Bildschirm, Schweigen. Danielle schreibt im Coaching eine Menge Mustersätze mit, mit denen sie ihr Schweigen einleiten kann, Führung im Gespräch übernehmen möchte. Begeistert ist sie davon nicht. Richtiger: Es fühlt sich für sie ungewohnt an.

Deshalb lautet Danielles „Hausaufgabe“ auch: Üben. Bis aus den ungewohnten Sätzen gewohnte Verhaltensmuster werden. Und zwar Üben in blamagefreien Kontexten: in der Familie, unter Freunden, in der Beziehung, im Verein. Einfach mal Nein sagen bei etwas, zu dem man auch gut und gerne Ja sagen könnte. Einfach mal ausprobieren. Immer mal wieder. Bis es vertraut wird. Und dabei beobachten.
Nach innen beobachten: Was kommt dabei hoch, wenn ich mich abgrenze, wenn ich mich selbstbestimmt artikuliere, wenn ich das sage, was mir gut tut? Meist sind es Gedanken und Gefühle wie: Das darfst du nicht! Das gehört sich nicht! Die sind viel schlauer als du! Der ist jetzt bestimmt sauer auf dich!
Diese Gedanken und Gefühle bitte ernst nehmen! Das heißt: Sich mit ihnen unterhalten. Zum Beispiel: „Okay, vielleicht ist er nach meinem Nein ein bisschen sauer auf mich. Halte ich das bisschen aus?“ Hilfreich ist auch die Erkenntnis, dass sich hinter jeder Abgrenzungsschwäche die Angst vor dem Verlust sozialer Anerkennung versteckt: „Wenn ich Nein sage, hat er/sie mich nicht mehr lieb!“ Dann kann man sich fragen: Muss ich Anerkennung unbedingt von diesem Menschen bekommen? Kann ich sie mir nicht woanders suchen? Im Detail hilft auch Achtsamkeit, Mindfulness.
Denn viele halten selbst die kleinste soziale Ablehnung geradezu körperlich nicht aus. Es tut einfach zu weh. Das ist nicht logisch, aber psychologisch. Manche Menschen spüren seelischen Schmerz einfach heftiger als andere. Deshalb sagen sie Ja, wo sie Nein sagen sollten. Weil der Schmerz eines Neins zu heftig wäre – für sie. Genau hier hilft Achtsamkeit; die Amerikaner sagen dazu: How to sit with painful emotions. Wie man schmerzhafte Gefühle aushält. Wie?
Indem man sie so detailliert und körperzentriert wie nur möglich „benamst“, zum Beispiel: „Aha, so fühlt es sich also an, wenn ich Nein sage und vermute, dass der andere sauer ist. Interessantes Gefühl. Drückt auf den Magen. Und etwas schwummerig im Kopf ist mir auch dabei.“ Das ist Achtsamkeit. Der Clou: Sie reduziert die emotionale Belastung umso drastischer, je öfter Sie das üben. Das kann man übrigens immer. Zum Beispiel jetzt. Was fühlen Sie? Wo? Wie? Wie heißt das? Passt der Name?
Abgrenzung ist nicht nur Danielles Problem. Es ist das Problem unserer Zeit. Arbeitsüberlastung, Stress, Unzufriedenheit, Rastlosigkeit, mangelnde Anerkennung und Burnout sind in letzter Konsequenz auch „nur“ versäumte Abgrenzungsaufgaben. Wir tun, was sich gut anfühlt, anstatt dessen, was gut für uns ist.
Natürlich sollte man nun nicht ins andere Extrem verrutschen und sich mit aller Macht abgrenzen: „Ach geh doch hin wo der Pfeffer wächst und lass mir meine Ruhe!“ (Es sei denn, man möchte wirklich mal mit der Faust auf den Tisch hauen.) Doch auch das ist reine Übungssache: Hart in der Sache, freundlich zur Person.
An den Arbeitsplätzen der Menschen führe ich oft gedanklich Strichliste. Und in einer ruhigen Minute frage ich dann: „Ich habe in den letzten zehn Minuten fünf Gelegenheiten zur Abgrenzung bemerkt, die Sie nicht wahrgenommen haben. Sie beklagen sich über Stress, mangelnde Anerkennung und Erfolgsdruck. Sie sagen, Sie können sich ganz gut durchsetzen. Aber Sie tun es nicht.“
Könnte es sein, dass Ihnen das nötige Training fehlt?

Buchtipps:

Einfach mal die Klappe halten – warum Schweigen besser ist als Reden http://bit.ly/1CeDqEA

Souverän! Wie Sie stark auftreten, auch wenn Sie sich nicht so fühlen http://bit.ly/1V1NPks

 

Das ist Chuzpe!

Montag, 13. Juli 2015

Grad klagt mir ein Coaching-Klient, Mittelmanager: „Unser Geschäftsführer outsourct uns zu Tode! Früher, wenn mein Rechner mitten in der Tabelle abstürzte, habe ich unsere IT angerufen und die waren in zehn Minuten da. Heute muss ich mit Indien sprechen, die verstehen mich nicht, ich verstehe die nicht, vorbeischauen können die auch nicht, wir radebrechen mühsam 20 Minuten und mein Rechner läuft danach immer noch nicht!“ Kennen Sie?
Kennen wir alle inzwischen. In wirklich jedem größeren Unter-nehmen, in dem ich unterwegs bin, beklagen die mittleren und unteren Ebenen den Outsourcing-Koller. Immer mehr wird ausgelagert, die Wege werden immer länger, die Reaktionszeiten größer, man hat keinen Durchgriff mehr, oft nicht einmal einen Ansprechpartner. Wir werden zwar immer billiger, aber auch immer abhängiger, hilfloser, spezialisierter, entkernter, fremdgesteuerter, langsamer, unflexibler, umständlicher, bürokratischer. Dass das ein böses Ende nehmen wird, ist unterhalb der Vorstandsebene jedem klar. Ihnen auch? Was tun Sie dagegen?
Als Antwort höre ich häufig: „Der Einzelne hat keine Möglichkeit, sich zu wehren. Wenn das die Geschäftsleitung entscheidet, was soll man da machen?“ Nicht denselben Fehler wie der Chef! Wer sich abhängig macht, kommt in der Abhängigkeit um. Gewinn ist schön, Kosteneinsparungen auch – leider nur kurzfristig. Menschen, Manager und Unternehmen, die dagegen auch langfristig ein gutes, erfolgreiches, von Fremdbestimmung weitgehend freies Leben führen, schielen nicht einäugig auf den kurzfristigen Gewinn, sondern mit dem zweiten Auge auf Tugenden, die nachhaltiges Überleben und Erfolg sichern: Weitgehende Autonomie, selbstständiges Denken und Handeln, Vermeidung unnötiger Abhängigkeiten. Das ist nicht populär?
Gut erkannt. Man muss sich heutzutage schon heftig gegen die Versuchungen der Zeit abgrenzen können und wollen, um sich aus der Abhängigkeitsmode zu befreien. Man macht sich kurzfristig unbeliebt, wenn man sich gegen den Trend zur Unvernunft stellt. Viele ertragen diese Unbeliebtheit nicht: „Es ist falsch, aber von den Kollegen sagt auch keiner ein Wort, also …“ Viele trauen sich schlicht nicht: „Ich finde es nicht gut, aber ich halte lieber die Klappe.“ Manche haben Angst vor dem Risiko: „Es könnte ja auch schiefgehen – also lasse ich es lieber.“ Und so schwimmen sie mit in der Woge der Lemminge, immer auf die Klippe zu. Davor verspüren Sie eine innere Abscheu?
Gut für Sie. Sie wollen Ihr eigenes Leben leben, Ihr eigenes Ding durchziehen, selbstbestimmt bleiben. Das ist ein gutes Ziel, aber noch viel wichtiger: Die richtige Einstellung. Der erwähnte Manager hat sich damit aus der Abhängigkeit befreit. Er hat in der Nachbarabteilung einen IT-Crack aufgetan. Der bringt seinen Rechner jetzt fallweise wieder zum Laufen. Schnell und flexibel und: „Wenn andere gerne abhängig sind … Ich bin es nicht.“ Das ist Chuzpe. Der Mut, gegen den Strom zu schwimmen. Dieser Mut wird belohnt. Dreifach. Zum ersten mit dem unmittelbaren Erfolg: Rechner läuft. Zum zweiten mit der Reduktion von Abhängigkeit. Und zum dritten durch die überragende Gewissheit: Ich lasse mich nicht fremdbestimmen. Ich lebe mein eigenes Leben, ich manage mein eigenes Ding.

Weichei oder Hardliner?

Dienstag, 29. Januar 2013

Vorwärtseinparker, Frauenversteher,  Bayern 1 – Hörer, Warmduscher. Die Spottnamen für Menschen, die Auseinandersetzungen und Konflikten eher aus dem Wege gehen, die die Harmonie der Konfrontation vorziehen, sind vielfältig.

Die am anderen Ende des Spektrums haben auch nicht unbedingt was zu lachen: Da finden wir Hardliner, rücksichtslose Egoisten, Menschen, die über Leichen gehen, alles platt machen. Weder in der einen noch in der anderen Kategorie möchten sich die meisten wirklich wiederfinden.

Kein Wunder, dass beim Thema Verhandeln, Durchsetzen und Überzeugen die Erwartungen an mich als Trainerin und Coach oftmals so formuliert werden:

„Ich will mein Gegenüber von meiner Meinung überzeugen, auf meine Seite ziehen, ohne dass er oder sie das merkt.“  Und dann noch dafür liebgehabt werden –  könnte man ergänzen. Solche Wünsche  hören sich für mich nach vollflugtauglicher, eierlegender Wollmilchsau an – sind also schlicht unrealistisch.

Wer sich durchsetzt, hat oftmals den Erfolg,  zahlt in der Regel aber auch einen Preis dafür. Wenn er das nur rücksichtslos und machtbesessen genug tut, werden ihn die „loser“ eben gerade nicht schätzen, insbesondere dann, wenn deren Interessen nicht ausreichend Berücksichtigung finden. Und sie werden auf Revanche sinnen. Tut er es manipulativ, heimlich, heimtückisch und hinterhältig, wird das oftmals dennoch oder gerade deshalb schnell bemerkt: Der adere wird es heimzahlen wollen. Wollen Sie sich also akzeptiert durchsetzen, bedarf es auch der Offenheit und Transparenz.

Durchsezten: So kann es besser gelingen

1. Fokussieren Sie Ihr Ziel. „Weg von“ ist zwar hilfreich, reicht alleine aber nicht. Was wollen Sie genau durchsetzen?  Wie heißt Ihr „Hin zu….“?  „Ich will weg von dieser blöden Gebietseinteilung“ .Na prima. Und wo wollen Sie hin? Wie soll die Gebietseinteilung denn aussehen? Wer sein Ziel nicht kennt, für den ist jeder Wind günstig, sagt ein Sprichwort. Reisen ins Blaue sollen ja durchaus auch Spaß machen.

2. Die eigenen Interessen (klug)  offen legen – und dabei den Nutzen für die Gegenseite (geschickt) mit einfließen lassen

3. Die Interessen des Gegenseite ernst nehmen, wertschätzen und nach Möglichkeit berücksichtigen. Das ist durchaus auch in Form von Kompensation denkbar: Heute ich, morgen Du. Aber Vorsicht: Es rächt sich, Vertrauen zu missbrauchen und Versprechen nicht zu halten.

4. Holen Sie den Gesprächspartner ins Boot, anstatt ihn herauszustoßen. Schließlich haben Sie am meisten Kraft, wenn Sie beide in die gleiche Richtung rudern. Konsequentes hin- und zuhören, Fragetechniken und ein gutes Gesprächsklima helfen dabei.

5. Geduld: Verstehen,verstanden werden und Akzeptanz brauchen Zeit. „Ich zieh den anderen mal schnell über den Tisch“ funktioniert in aller Regel nicht. Im Gegenteil. Die Heftigkeit der Gegen-Reaktion ist oft überraschend. Und wenn es doch gelingt, ist es meist ein Phyrrussieg. Dabei geht der Sieger aus dem Konflikt ähnlich geschwächt hervor wie ein Besiegter und kann auf dem Sieg nicht aufbauen. Der Ausdruck geht auf König Phyrrus von Epirus  zurück. Dieser soll nach seinem Sieg über die Römer in der Schlacht von Asculum  einem Vertrauten gesagt haben: „Noch so ein Sieg, und wir sind verloren!“

6. Beharrlichkeit: Oft unterschätzte Tugend. Ceterum censeo Carthaginem esse delendam: In der Zeit vor Beginn des Dritten Punischen Krieges beantragte Cato in jeder Senatssitzung die Zerstörung Karthagos. Dabei soll er alle seine Reden mit diesem Ausspruch beendet haben – unabhängig vom eigentlichen Gegenstand der Diskussion. Schließlich stimmte der Senat  Cato zu, was zum Dritten Punischen Krieg und der Zerstörung Karthagos führte.  In Anlehnung an den historischen Ausspruch spricht man heute von einem Ceterum censeo, wenn eine Forderung beharrlich wiederholt wird

7. Die Gegenpartei das Gesicht wahren lassen: Drohender Gesichtsverlust erzeugt ungeahnte Blockaden und setzt riesige Abwehrkräfte frei. Niemand setzt sich dem freiwillig aus – außer vielleicht C-Promis im Dschungelcamp. Gönnen Sie Ihrem Gegenüber (kalkulierte) Teilerfolge.

8. Und ja: Kraftvoller Sprachstil, deutliche (kurze) positive Formulierungen, logische und nachvollziehbare (Nutzen-)Argumente,  sichere Körpersprache haben noch nie geschadet.

So pflastern in Zukunft weder Leichen Ihren Weg (sondern maximal Leichtverletzte) noch  setzen immer die anderen und nicht Sie die Ziele durch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Empowerment – Wissen ist Macht

Montag, 05. September 2011

Da will eine Coaching-Klientin ihr kleines Unternehmen verkaufen und fühlt sich sehr unsicher, schließlich hat sie so etwas noch nie gemacht. Sie bietet es einem großen Mitbewerber an, der nicht uninteressiert scheint. „Ich habe ordentlich Bauchweh, wenn ich an diese Gespräche denke, schließlich habe ich keine Ahnung, was meine Firma wert ist“, sagt sie im Coaching.
„Was haben Sie denn schon zur Ermittlung des Unternehmenswertes unternommen?“ frage ich sie. „Nichts. Mein Vater hat gesagt, dieser Laden sei sowieso unverkäuflich.“ Aha.
Also erarbeiten wir im Coaching, wer als potentieller Übernehmer noch infrage kommt und sie findet es eine gute Idee, Ihre Firma auch dort vorzustellen. Außerdem wird sie sich mit einem befreundeten Banker beraten und beim Verbandsjuristen schlau machen. Und plötzlich verleiht ihr alleine der Gedanke an all diese Möglichkeiten Stärke und Kraft. „Vorm Beginnen sich Besinnen, Macht gewinnen“ sagt ein Sprichwort. Sich also Fragen stellen wie: Was habe ich für persönliche und finanzielle Ressourcen? Wer oder was macht mich stark? Was habe ich für Alternativen zum Verkauf? Was tun, wenn die gebotenen Preise deutlich unter dem ermittelten Wert oder der eigenen Schmerzgrenze liegen?
Nachdem sie Antworten auf die meisten Fragen gefunden hatte, war sie subjektiv in einer wesentlich besseren Position. Nicht mehr die, die etwas Unverkäufliches zu Markte zu tragen versuchte, sondern diejenige, die etwas Attraktives anzubieten hatte, um dessen Wert sie sehr wohl wusste. Das strahlte sie auch aus und konnte es nach etwas Übung auch überzeugt und überzeugend sagen. Damit hatte sie sich dann auch objektiv in eine machtvollere Position gebracht.

Equal Pay Day – was ich noch zu sagen hätte

Freitag, 01. April 2011

„Frauen beziehen für dieselbe Leistung weniger Geld. Schon vom ersten Tag an:  Ihre Einstiegsgehälter liegen deutlich unter denen von Männern…“

Woran liegt das eigentlich? Wo es doch, nach der offensiv vertretenen Meinung einer der großen deutschen Wirtschaftsverbände, gar keine Geschlechterdiskriminierung gibt. Frauen – die sind doch immer und überall gleichberechtigt. 

Wenn das so ist, weshalb werden dann die oben zitierte und die folgende Passage aus meinem Artikel herausgekürzt?

„Es ist diese Leistungsungerechtigkeit, die Missachtung ihrer Arbeit, die Unfairness und der mangelnde Respekt für Ihre Person, der viele Frauen dazu bringt, ihr eigenes Verhalten in Sachen Gehaltsforderung in Frage zu stellen. “ 

Jawohl. Das eigene Verhalten überprüfen, das Verhandlungsgeschick verbessern, sich coachen lassen merh rausholen. Unter uns: Das ist gut so.

Nicht gut ist, dass der Eindruck entsteht, an den Gehaltsunterschieden seien einzig und allein die Frauen selbst schuld.

Aber lesen Sie selbst… http://web137.ma10084.plusserver.de/kommunikation-training/userdata/file/pdf-dokumente/cornelia_topf_end.pdf

Wehrhaft: Freche Frauen

Montag, 24. Januar 2011

Gestern in der Zeitung: Versuchte Vergewaltigung – Opfer biss Angreifer so heftig in die Zunge, dass er sich im Krankenhaus behandeln lassen musste. Die Polizei brauchte nur alle Krankenhäuser anzurufen und schon hatte sie den Täter….

Heute im Seminar erzählt eine Teilnehmerin,  sie habe an einer Ampel auf grün gewartet.

Da sie vor sich einen Kinderwagen hatte, war hinter ihr nicht mehr viel Platz. Ein Passant wollte vorbei und stieß ihr mit aller Wucht wortlos den Ellenbogen in den Rücken. Reaktionsunfähig überquerte sie die Straße, der Ärger und die Schmerzen ließen sie allerdings beim nächsten Grün wieder umkehren und nach hunderten von gejoggten Metern den Passanten einholen.

 Als erstes drohte sie ihm durch fingiertes Wählen auf dem Handy mit der Polizei, um dann ersatzweise 30 € Schmerzensgeld einzufordern. Als sowohl er als auch seine Frau vorgaben, sie hätten kein Geld dabei, fragte sie die Frau: „Schlägt er Sie auch regelmäßig?“, nutzte die Überraschung der Frau, ihr ersatzweise den Schal zu entreißen, und suchte dann, den Protest: „Der hat aber viel mehr als 30 € gekostet“ ignorierend, das Weite. 

Von dieser Warte aus betrachtet zeigt sich einmal mehr, dass der Spruch: „Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt“, durchaus seine Berechtigung hat. Und wir die Sprache nicht nur für magisches Gemurmel, Klatsch und Tratsch, Beleidigungen und Beschimpfungen, Flüche, Gerüchte und Geraune, bei- und abfällige Geräusche, sondern  durchaus auch zur Artikulation von Bitten und Wünschen und zur Weitergabe von Informationen einsetzen sollten.