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Archiv für die Kategorie 'Veränderung'

Was wir von Rumpelstilzchen lernen können

Samstag, 21. Mai 2016

Sie erinnern sich nur vage wie das war mit dem Stroh und dem Gold bei den Gebrüdern Grimm?

Und Sie haben auch noch nie versucht, aus Stroh Gold zu spinnen wie die Müllerstochter? Dann ändern wir das jetzt mal. Wir könnten das nämlich viel öfter machen. Uns im Bereich unserer größten Unfähigkeit spezialisieren.

Samuel Shem, US-Literat und Psychologe, meint zum Beispiel: Die meisten seiner Kollegen, die selbstmordgefährdete Patienten behandeln, waren selber einmal gefährdet – deshalb seien sie heute so gute Therapeuten. Was uns zur Frage bringt:
Was machen eigentlich Sie beruflich oder ehrenamtlich? Wichtiger: Warum?
Wagen wir eine steile These: Die besten FamilientherapeutInnen stammen aus dysfunktionalen Herkunftsfamilien. Die besten IngenieurInnen standen als Kind einmal hilflos vor einem Apparat und kamen sich klein und dumm vor. So heftig, dass sie sich mit Wut und Trotz reinknieten und heute technische Genies sind. Sie haben sich auf dem Feld ihrer größten Schwäche spezialisiert und professionalisiert – und reüssieren nun damit. Tolles Erfolgsrezept. Natürlich gibt es auch Therapeuten und Ingenieure mit anderer Kompetenzentwicklung. Aber das ist nicht der Punkt.
Der Punkt ist: Wir können unser Schicksal wenden. Wir können aus einer großen Schwäche eine große Stärke machen. Raten Sie mal, warum ich heute eine der führenden deutschen Kommunikationsexpertinnen und Coachin bin … Wie schon im Rumpelstilzchen-Märchen der Vater der armen Müllerstochter meinte: Man muss sich nicht mit Stroh zufrieden geben. Man/frau kann auch Gold daraus spinnen. Einen Nachteil in einen Vorteil verwandeln.
Eine Bedrohung in eine Chance. Eine Niederlage in einen Sieg. Ein Handicap in eine Schlüsselkompetenz. Das gelingt leichter, wenn man damit nicht allein gelassen wird. Die Müllerstochter war dabei auf das Rumpelstilzchen angewiesen. Das moderne Rumpelstilzchen ist der Coach, die Coachin. Sie hilft uns, aus Stroh Gold zu spinnen. Mit dem gravierenden Vorteil, dass man nicht wie im Märchen Leib und Seele oder das Erstgeborene verpfänden muss. Daher: Geh zum Coach!
Aber auch: Schau auf deine Schwächen – und gewöhn dir bei ihrem Anblick Scham und Verdruckstheit ab! Wer sich seiner Schwächen schämt, begegnet ihnen noch nicht richtig. Wir sollten unsere Schwächen nutzen, Erfolge draus zu machen. Das geht. Das ist sozusagen der Rumpelstilzchen-Effekt. Leider verpassen viele diesen Effekt.
Viele sagen mir im Coaching angesichts einer Schwäche: „So bin ich eben! Das kann ich halt nicht!“ Ich erwidere dann gerne: „Das können Sie noch nicht.“ Den meisten Menschen kommt irgendwann die Erkenntnis: Das Schicksal hat uns nicht umsonst diese und andere Schwächen gegeben. Schwächen sind Sprungbretter – wenn wir springen. Das Schicksal möchte, dass wir was draus machen, dass wir etwas aus uns machen.
Die Chance ist groß, etwas richtig Großes daraus und damit aus sich selbst zu machen, wenn wir uns nicht unserer Schwächen schämen, sondern uns ihrer annehmen. Das ist kein Märchen, das ist Realität. Denn genau mit diesem Ansatz schaffen wir unsere Realität selbst.
Schaffen wir.

Resistance to change

Mittwoch, 27. April 2016

Heute morgen fiel es mir mal wieder so richtig auf: Meine Freundin P. müsste aufräumen, dringend, sonst droht ihr der Messie-Verdacht.

J. und R. müssten dringend die Klärung ihres schon lange bestehenden Konflikts – werden Sie jetzt Ihr Startup als gleichberechtigte Partner gründen oder doch einer von beiden alleine? – in Angriff nehmen. Wir müssen abnehmen. Unbedingt. Mindestens drei Kilo. Wir wollen mehr Sport treiben. Die Steuererklärung machen. Unbedingt. Das ist nützlich und nötig und das sehen wir auch ein, aber: „Ich möchte nicht nach Diät-Kochbuch kochen, das schränkt mich zu sehr ein!“ Oder: „Ich jogge doch so ungern.“ „Grad gar keine Zeit“. Und das Spiel nimmt seinen Lauf. Das Spiel „Ich würde/müsste ja schon gerne mal, aber …“ Und dann kommen diese eingebildeten Hindernisse, zu Elefanten aufgeblähten Bagatellen, objektive Trivialitäten.

Das Ja-Aber-Spiel, sagen die Transaktionisten dazu.
Schlimm, wenn man es solo spielt. Schlimmer im Doppel. Wenn man ein Kind, einen Partner, einen Chef, Kunden, Mitarbeiter von etwas absolut Selbstverständlichem, Nötigem und Nützlichem überzeugen möchte/muss und sich echt Mühe damit gibt und ihm/ihr alles haarklein erklärt, mundgerecht auf dem Silbertablett vorlegt und dann sagt der/die: „Ja, schon, aber …“ Das treibt jede(n) in den Wahnsinn. Das ist Resistance to Change, Widerstandsverhalten, Blockade, Reaktanz. Der Sozialpsychologe sagt: „Auch Widerstände sind Energie!“ Was hier nicht wirklich weiterhilft. Ernsthaft: Was hilft weiter? Es gibt nichts, was jedem hilft – aber vieles, was allen hilft. Hier eine kleine Auswahl:
Katastrophisierung: „Wenn du so weiterfrisst, wiegst du demnächst 130 Kilo und deine Karriere ist futsch.“ Wirkungsprinzip: Schock-Therapie. Ist der Schock nur groß genug, werden einige dann doch veränderungswillig. Einige, nicht alle. Daher: Ausprobieren! Schlägt nicht an? Dosis steigern oder: Nächste Technik, zum Beispiel die
Null-Hypothese: „Dann lass es halt!“ Entlastet vor allem den Helfer von Helfer-Syndrom und Ko-Abhängigkeit und gibt dem Geholfenen die Chance, sich ohne Gesichtsverlust von unrealistischen Wünschen zu verabschieden. Professionelle Therapeuten und Coaches formulieren gerne: „Vielleicht ist die Zeit einfach noch nicht reif dafür?“ Widerspruch willkommen.
Coaching-Ansatz: Leg den Kern des Widerstands frei: „Wovor hast du Angst? Was könnte schlimmstenfalls passieren? Was darf auf keinen Fall passieren? Unter welchen Umständen wärst du zur Veränderung bereit?“
Lösung auf Probe: „Lass uns das mal ausprobieren. Wenn das nicht klappt, machen wir es rückgängig.“ Logisch: Ist rein von den objektiven Gegebenheiten her nicht immer möglich. Aber wird viel zu selten genutzt, wenn es möglich ist: „Lass uns statt Joggen Schwimmen probieren. Zwei, drei Mal. Wenn es keinen Spaß macht, suchen wir was anderes.“
Baby-Steps: Sukzessive Approximation in kleinen bis kleinsten Schritten, Atomisierung des Wandels, Strategie der kleinen Lösungen, Salami-Taktik. Alles Synonyme für: Ein Wandel von tausend Schritten überfordert oft so sehr, dass man meist nicht mal den ersten wagt. Also schau’n wir nur auf den ersten! Und dann auf den nächsten …
Nur fünf von vielen möglichen Lösungsansätzen, Change-Turbos, Veränderungshebeln. Es gibt mehr (Ihre freundliche Coachin kennt sie). Dahinter steckt das Prinzip: Je besser gefüllt Ihre Toolbox ist, desto eher finden Sie das auf Person und Situation passende Instrument und desto schneller und einfacher überwinden Sie Verände-rungsblockaden. Nicht die Technik, sondern die Passung macht’s. Es gibt keine Probleme, nur eine Frage: Wie geht es für mich in dieser Situation leichter? Wer eine Antwort darauf findet, irgendeine Antwort, meistert den Wandel. Jeden Wandel.