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Archiv für die Kategorie 'Schweigen'

Warum wir aufhören müssen, Introvertiertheit als Schwäche zu sehen

Mittwoch, 25. Mai 2016

Von Edie Calie

Mai 23, 2016

Vor einem Jahr bot mir meine ehemalige Chefin eine Beförderung an. Sie sagte: „Du müsstest allerdings etwas mehr aus dir rauskommen und weniger introvertiert sein.“ Bis dato hatte mich noch nie jemand introvertiert genannt und ich selbst hätte mich sofort als extrovertiert charakterisiert. Vielleicht kannte sie mich nach acht Jahren nur noch nicht gut genug. Da ich den Job hasste, lehnte ich ab und kündigte.

Das Wort „introvertiert“ nahm ich mit und dachte darüber nach. Natürlich verhält man sich in der Arbeit anders als privat, ich war definitiv ruhiger und zurückgezogener als unter FreundInnen. Aber war ich deswegen introvertiert? Und würde man so was nicht wissen?urz darauf stieß ich auf den TED-Talk von Susan Cain mit dem Titel The Power of Introverts, und war überrascht, wie sehr sie mir aus der Seele sprach und wie wenig ich mir meiner Bedürfnisse bewusst war.

Die Begriffe Introversion und Extraversion führte C.G. Jung Anfang des 20. Jahrhunderts in die Persönlichkeitspsychologie ein. Introvertiert bedeutet nach innen gewandt, extrovertiert (oder auch extravertiert) nach außen gewandt. Obwohl die Modelle der Persönlichkeitspsychologie komplexer sind und mehr als diese zwei Faktoren beinhalten, gelten sie nach wie vor als wesentliche Eigenschaften von Menschen, die sich im Laufe des Lebens nur wenig ändern. Sylvia Löhken schreibt in ihrem Buch Intro, Extro oder Zentro?, wie die Unterschiede im Gehirn nachgewiesen werden können. „Extros sind stärker vom Sympathikus, Intros stärker vom Parasympathikus geprägt. Deshalb brauchen Extros tendenziell mehr aktives Handeln und Anregung, Intros dagegen Reflexion und Ruhe.“

Extrovertierte gehen mehr Risiken ein, lassen sich schneller mitreißen und begeistern, stellen sich schneller auf Neues ein und werden ohne lange zu überlegen aktiv. Sie richten ihre Kraft nach außen, sind spontaner, ändern schneller ihre Strategien, kommunizieren lieber mündlich und sind bereit, heikle Themen und Probleme anzusprechen. Auf der anderen Seite sind sie auch leichtsinniger, beschäftigten sich häufig nur flüchtig mit Menschen und Dingen, langweilen sich schneller, wenn Eindrücke ausbleiben, setzen sich häufiger auf Kosten anderer in Szene, reagieren in schwierigen Situation aggressiver, sind impulsiver, konzentrieren sich schwerer und vermeiden es, alleine zu sein.

Introvertierte sind vorsichtiger, streben mehr nach Bedeutung und Tiefgang im Denken und Kommunizieren, bleiben länger bei einer Sache, hören besser zu, benötigen mehr Ruhe, denken analytischer und planen strukturierter. Sie sind autonomer, kommunizieren lieber schriftlich und versetzen sich leichter in andere hinein. Dafür ist ihr Handeln öfter von übertriebener Vorsicht blockiert, sie verlieren sich leichter in Einzelheiten, sind schneller von Eindrücken überfordert, verharren in Situationen, auch wenn dies negative Auswirkungen für sie hat, ziehen sich schneller zurück, überschätzen den Verstand, verleugnen eher ihre eigenen Merkmale und Bedürfnisse, sind mehr auf Gewohnheiten angewiesen, vermeiden Kontakte, weshalb sie sich in die Gefahr sozialer Isolation begeben und scheuen Konflikte.

Und nach der Arbeit geht es weiter, beim gemütlichen informellen Beisammensein. Dabei ist dies für Introvertierte häufig alles andere als gemütlich und bedeutet zusätzlichen Stress.

Das sind nur ein paar Punkte, in denen sich Intro- und Extrovertierte unterscheiden, die nicht zwingend auf alle zutreffen. Die eigene Persönlichkeit ist in der Regel zwischen diesen zwei Polen verortet. Sylvia Löhken schlägt zusätzlich die Bezeichnung zentrovertiert vor, für all jene, die „zur Mitte gewandt“ sind. Geläufiger ist jedoch ambivertiert, was all jenen Menschen Rechnung trägt, die zu beiden Seiten gewandt sind, je nach Situation.

Es ist also nicht unüblich, im Privatleben extrovertiert und in der Arbeit introvertiert zu sein, oder umgekehrt. Ein Beispiel dafür ist Psychologieprofessor Brian Little, der in Harvard unterrichtet und auf Grund seiner extrovertierten, unterhaltsamen Vortragsart mehrmals zum beliebtesten Professor gewählt wurde. In seinem TED-Talk zum Themaoffenbart er, dass er so introvertiert ist, dass er sich im Anschluss an seine Vorlesungen vor den Studenten auf dem Herrenklo versteckt. Er benötigt Zeit für sich, um Energie aufzutanken und sich zu sammeln. Er will einfach mit niemandem reden. Die Fähigkeit, trotzdem ein guter Redner zu sein, bezeichnet er als „to act out of character“. Das wenden alle von uns an, wenn es notwendig ist und uns eine Sache wirklich wichtig ist.

Was uns zu der vielleicht wichtigsten Frage an der Sache bringt: Wo ist dann das Problem? Es ist kein Geheimnis, dass Menschen unterschiedliche Persönlichkeiten, Schwächen und Stärken haben. Trotzdem nimmt unsere Gesellschaft, die ungefähr zur Hälfte aus Extro- und zur Hälfte aus Introvertierten besteht, darauf wenig Rücksicht. Diversität in dieser Angelegenheit gibt es in der öffentlichen Meinung nicht.

„Der Stil unserer Zeit ist extravertiert“, schreibt Peter Lauster in seinem BuchSelbstbewusstsein. Sensibel bleiben, selbstsicher werden. „Die meisten Menschen leben nach außen. Sie suchen Reize, Geselligkeit, Zeitstil Abwechslung, stürzen sich in Aktivitäten und Betriebsamkeit. Auch die wichtigsten angestrebten Werte dienen der Wirkung nach außen: Auto, Kleidung, Möbel, Urlaub, Kosmetik. Man lebt nach außen, will wirken, sich durchsetzen, konsumieren und genießen.“

Zusätzlich wird ein ständiges Miteinander gefordert. In der Schule müssen immer mehr Aufgaben zusammen, in Gruppenarbeiten, erledigt werden.Das setzt sich an der Uni fort und schließlich landet man in einem Großraumbüro ohne Rückzugsmöglichkeit. Networking, Vernetzung, Austausch sind die Schlagworte unserer Gesellschaft. Wehe, wenn wer in Ruhe und alleine arbeiten will.

Und nach der Arbeit geht es weiter, beim gemütlichen informellen Beisammensein. Dabei ist dies für Introvertierte häufig alles andere als gemütlich und bedeutet zusätzlichen Stress.

Die Bedürfnisse von Introvertierten werden dabei häufig übergangen. Nach wie vor gelten sie als Problemfälle, besonders im Kindesalter, und werden als Außenseiter gesehen, die schüchtern und asozial sind. Wer nicht laut genug schreit und schnell reagiert, wird übergangen. So schreibt Löhken, dass Introvertierte in Diskussionen mehr Faktoren bedenken und miteinbeziehen, aber genau deshalb mit ihren Ideen häufig zu spät einsteigen. Aufgrund solcher Vorgehensweisen bleiben womöglich wertvolle Lösungsvorschläge ungehört; statt der besten werden nur die schnellsten Antworten verfolgt.

Zahlreiche Ratgeber erklären Introvertierten, wie sie sich in einer extrovertierten Welt Gehör verschaffen, Präsenz zeigen und erfolgreich sind. Gleichzeitig nähren sie die Klischees der Hochsensibilität und Hochbegabung, obwohl Intelligenz nicht an Intro- oder Extraversion gekoppelt ist. Anscheinend sind es die Introvertierten, die sich anzupassen haben, wenn sie etwas erreichen wollen.

Dem widerspricht Cornelia Topf in ihrem Buch Einfach mal die Klappe halten. Die Kommunikationsexpertin, die sich in einem persönlichen Telefonat als extrovertiert und redselig entpuppt, sieht gerade in der Ruhe und im Schweigen ungenutzte Chancen. „Schweigen als Kommunikationsmittel ist weitgehend unbekannt und wird dramatisch unterschätzt, eben weil es viele nicht können und daher Angst davor haben“, sagt sie.

Dass der fehlende Input zu Langeweile auf Seiten der Extrovertierten führen könnte, bezweifelt sie. Vielmehr wäre es für beide Seiten spannend. „Und selbst wenn es langweilig wäre, was ist so schlimm daran? Klagen wir nicht ständig über zu viel Workload, Lärm, Belastung? Schweigen kann auch eine gute Gelegenheit sein, endlich mal zu verlangsamen, runterzukommen. Insbesondere Introvertierte sind dankbar, wenn von ihnen nicht erwartet wird, dass sie sich äußern und ihr Schweigen vorbehaltlos akzeptiert wird.“

Das heißt natürlich nicht, dass wir uns in Zukunft nur noch anschweigen sollen, sondern ist als Plädoyer für qualitative Gespräche anzusehen. Einander zuhören, weniger Worte verwenden, die durch Schweigen Gewicht bekommen, statt ununterbrochene Geräuschkulisse um den eigenen Status auszufechten.

Sowohl die Zusammenarbeit mit anderen als auch die Autonomie sollten gefördert werden. Weder Extrovertierte noch Introvertierte sind per se besser oder wurden von der Evolution bevorzugt. Die Gesellschaft könnte von den Vorteilen beider Gruppen profitieren. „Miteinander ja, aber nicht um jeden Preis“, wie Cornelia Topf sagt.

Edie Calie auf Twitter: @ediecalie

Lass mich bloß in Ruhe!

Mittwoch, 13. April 2016

Ein Tabuthema: Übergriffige KollegInnen.
Danielle hat drei davon. Jede Stunde einmal kommt einer von ihnen in ihr Büro und sagt Sachen wie: „Da hast du schon wieder einen Fehler gemacht!“, „Du setzt die falschen Prioritäten.“, „So kannst du das unmöglich machen!“ Was bilden die sich ein? Danielle ist empört. Und total gestresst, weil das seit Monaten so geht. Dabei ist sie High Potential.
Der Chef fördert sie aktiv und hat ihr eine Führungsposition in Aussicht gestellt. Fachlich ist sie erste Sahne. Kann sich artikulieren, hat hohe Sozialkompetenz, ist bei allen beliebt – mit Ausnahme der drei Übergriffigen. Die haben es auf sie abgesehen. Eine(r) schießt immer quer? Das gehört zum Job? Das ist schlicht der Wahnsinn der Normalität? Das mag man so sehen. Ich halte diese Sichtweise für unmenschlich, effizienzvernichtend und firmenschädigend. Denn Danielle will das Unternehmen verlassen. Deshalb kommt sie ins Coaching.
Danielle hat erkannt „Wenn ich wechsle, nehme ich das Problem vielleicht mit. Ich kann mit übergriffigem Verhalten einfach nicht umgehen. Das möchte ich ändern. Wie mache ich das?“ Mit Abgrenzungsfähigkeit, im Amerikanischen bekannt als Assertiveness.
Danielle hat schon richtig vermutet: Sie hat auch einen Problemanteil. Zum Beispiel ihre Haltung. Bei jedem Übergriff nimmt sie eine (untergeordnete) Fragehaltung an, zum Beispiel:
„Da hast du ja mal wieder schönen Mist gebaut!“
„Wieso? Was stimmt nicht?“
Und schon doziert der Kollege zehn Minuten über Dinge, die Danielle längst klar sind. Aber Danielle fällt immer wieder darauf herein – eben weil sie nicht klarmachen kann, dass ihr das alles längst klar ist. Es dauert eine ganze Sitzung, ihr Dialogverhalten diesbezüglich umzustellen. Am Ende der Stunde – ich übernehme die Rolle des Übergriffigen – hat sie das drauf:
„Das ist ja wieder grottenfalsch!“
Danke für den Hinweis. Ich kümmere mich darum.“
„Aber du weißt doch gar nicht, was ich meine.“
„Doch, weiß ich. Wird erledigt.“
„Aber du hast noch gar nicht die Konsequenzen begriffen!“
Habe ich. Danke für den Hinweis. Außerdem: Jetzt nicht, es ist gerade ungeschickt. Wenn ich noch was brauche, komme ich heute Nachmittag auf dich zu.

 

Ende der Diskussion, Blick wieder zum Bildschirm, Schweigen. Danielle schreibt im Coaching eine Menge Mustersätze mit, mit denen sie ihr Schweigen einleiten kann, Führung im Gespräch übernehmen möchte. Begeistert ist sie davon nicht. Richtiger: Es fühlt sich für sie ungewohnt an.

Deshalb lautet Danielles „Hausaufgabe“ auch: Üben. Bis aus den ungewohnten Sätzen gewohnte Verhaltensmuster werden. Und zwar Üben in blamagefreien Kontexten: in der Familie, unter Freunden, in der Beziehung, im Verein. Einfach mal Nein sagen bei etwas, zu dem man auch gut und gerne Ja sagen könnte. Einfach mal ausprobieren. Immer mal wieder. Bis es vertraut wird. Und dabei beobachten.
Nach innen beobachten: Was kommt dabei hoch, wenn ich mich abgrenze, wenn ich mich selbstbestimmt artikuliere, wenn ich das sage, was mir gut tut? Meist sind es Gedanken und Gefühle wie: Das darfst du nicht! Das gehört sich nicht! Die sind viel schlauer als du! Der ist jetzt bestimmt sauer auf dich!
Diese Gedanken und Gefühle bitte ernst nehmen! Das heißt: Sich mit ihnen unterhalten. Zum Beispiel: „Okay, vielleicht ist er nach meinem Nein ein bisschen sauer auf mich. Halte ich das bisschen aus?“ Hilfreich ist auch die Erkenntnis, dass sich hinter jeder Abgrenzungsschwäche die Angst vor dem Verlust sozialer Anerkennung versteckt: „Wenn ich Nein sage, hat er/sie mich nicht mehr lieb!“ Dann kann man sich fragen: Muss ich Anerkennung unbedingt von diesem Menschen bekommen? Kann ich sie mir nicht woanders suchen? Im Detail hilft auch Achtsamkeit, Mindfulness.
Denn viele halten selbst die kleinste soziale Ablehnung geradezu körperlich nicht aus. Es tut einfach zu weh. Das ist nicht logisch, aber psychologisch. Manche Menschen spüren seelischen Schmerz einfach heftiger als andere. Deshalb sagen sie Ja, wo sie Nein sagen sollten. Weil der Schmerz eines Neins zu heftig wäre – für sie. Genau hier hilft Achtsamkeit; die Amerikaner sagen dazu: How to sit with painful emotions. Wie man schmerzhafte Gefühle aushält. Wie?
Indem man sie so detailliert und körperzentriert wie nur möglich „benamst“, zum Beispiel: „Aha, so fühlt es sich also an, wenn ich Nein sage und vermute, dass der andere sauer ist. Interessantes Gefühl. Drückt auf den Magen. Und etwas schwummerig im Kopf ist mir auch dabei.“ Das ist Achtsamkeit. Der Clou: Sie reduziert die emotionale Belastung umso drastischer, je öfter Sie das üben. Das kann man übrigens immer. Zum Beispiel jetzt. Was fühlen Sie? Wo? Wie? Wie heißt das? Passt der Name?
Abgrenzung ist nicht nur Danielles Problem. Es ist das Problem unserer Zeit. Arbeitsüberlastung, Stress, Unzufriedenheit, Rastlosigkeit, mangelnde Anerkennung und Burnout sind in letzter Konsequenz auch „nur“ versäumte Abgrenzungsaufgaben. Wir tun, was sich gut anfühlt, anstatt dessen, was gut für uns ist.
Natürlich sollte man nun nicht ins andere Extrem verrutschen und sich mit aller Macht abgrenzen: „Ach geh doch hin wo der Pfeffer wächst und lass mir meine Ruhe!“ (Es sei denn, man möchte wirklich mal mit der Faust auf den Tisch hauen.) Doch auch das ist reine Übungssache: Hart in der Sache, freundlich zur Person.
An den Arbeitsplätzen der Menschen führe ich oft gedanklich Strichliste. Und in einer ruhigen Minute frage ich dann: „Ich habe in den letzten zehn Minuten fünf Gelegenheiten zur Abgrenzung bemerkt, die Sie nicht wahrgenommen haben. Sie beklagen sich über Stress, mangelnde Anerkennung und Erfolgsdruck. Sie sagen, Sie können sich ganz gut durchsetzen. Aber Sie tun es nicht.“
Könnte es sein, dass Ihnen das nötige Training fehlt?

Buchtipps:

Einfach mal die Klappe halten – warum Schweigen besser ist als Reden http://bit.ly/1CeDqEA

Souverän! Wie Sie stark auftreten, auch wenn Sie sich nicht so fühlen http://bit.ly/1V1NPks

 

Schweigen ist Stärke

Donnerstag, 18. Juni 2015

Was machen Sie, wenn Ihnen jemand etwas vorwirft, Ihnen komisch kommt, Sie von der Seite anquatscht?
Welche Frage! Natürlich: Man/frau wehrt sich! Natürlich?

Da schweigt eine Angeklagte vor Gericht – seit zwei Jahren. Im NSU-Prozess. Warum? Wozu? Die forensische Psychiaterin Heidi Kastner sagt (im taz-Interview): „Schweigen kann (…) Kraft geben. Man schafft das Gefühl: Ich bin der, der sich vorbehält, etwas zu sagen oder nicht. Ich lasse nicht zu, dass ihr auf mich zugreift. Zerbrecht euch den Kopf über mich. Aber ich werde euch nichts sagen. Schweigen ist eine massive Waffe. Es kann ein Werkzeug sein, den anderen hilflos zu machen.“
Und nicht nur das.
Schweigen ist auch ein wirksames Mittel, um Eskalation zu verhindern, in einem sich erhitzenden Gespräch nicht auch noch Öl ins Feuer zu gießen. Wenn Schweigen so nützlich und wirkmächtig ist, warum wenden wir es dann so selten an?
Weil wir es nicht gewohnt sind. Unser verbaler Kniesehnenreflex hat uns fest im Griff: Kaum sagt einer etwas, müssen wir auch sofort etwas dazu erwidern. Wer schweigen will, muss üben. Wenn wir das in Coaching oder Seminar tun, dann sagen viele bass erstaunt: Das gibt Kraft! Überlegenheit! Souveränität! Wer schweigt, dem/der kann man nicht. Wer schweigt, sagt, nein demonstriert: Du kannst mich nicht erschüttern. Oder auch: Für sowas geb ich mich doch nicht her.
Wobei es einen Unterschied zwischen schweigen wollen und schweigen müssen gibt. Wer schweigt, weil er/sie außer sich vor Wut, Frust, Scham ist, wirkt schwach. Das ist defensives Schweigen. Aber ganz bewusst die Antwort zu kennen und sie dem anderen vorzuenthalten – das ist etwas anderes. Man sagt: Das Wort ist mächtiger als das Schwert. Schweigen – richtig angewandt – ist mächtiger als das Wort.
Man muss nicht schweigen – aber man kann. Es ist ein Instrument im Köcher der Möglichkeiten. Wer spontan und unreflektiert alles Dahergeredete sofort erwidern muss, hat keine Wahl und damit ein Problem. Wer in derselben Situation auch wahlweise schweigen kann, hat mehr Möglichkeiten – und mehr Charisma, wie die US-Forscherin Olivia Fox Cabane herausgefunden hat: Menschen, die erst zwei Sekunden schweigen – einundzwanzig, zweiundzwanzig – bevor sie zum Beispiel auf eine Frage antworten, werden von anderen als charismatisch wahrgenommen. So einfach kann Charisma sein, so wirksam ist Schweigen. Wer auch schweigen kann, hat mehr Möglichkeiten. Gelegenheiten dafür finden Sie täglich mehr als genug. Welche wollen Sie nutzen? Wann wollen Sie Ihr Gegenüber mit einem überlegenen, souveränen Schweigen überraschen – und von sich überzeugen?

Übrigens: Wer mehr über dieses wirkmächtige Instrumente wissen möchte

http://bit.ly/1CeDqEA

Mach mal (Rede -)PAUSE

Samstag, 02. März 2013

 

Ein netter bebilderter Kommentar zu meinem Buch:“ Einfach mal die Klappe halten“ erreichte mich vor Kurzem:

Sehr geehrte Frau Dr. Cornelia Topf,

Ihr (Pause) Buch ist einfach in jeder Hinsicht (Pause)

G E N I A L !

Da Sie sehr beschäftigt sind, werte ich Ihr Schweigen als Zustimmung.

http://amzn.to/14ebn6D