Von Eichen und Schweinen
Montag, 01. März 2010Regina war Zuhörerin bei einem meiner Vorträge. Als ich sie zufällig wieder traf erzählte sie: „Besonders hat mich ein Spruch in Ihrem Vortrag beeindruckt: ‚Was schert es eine Eiche, wenn ein Schwein sich an ihr kratzt?’“ Sie erzählte: „Ich bin Lehrerin und habe eine Kratzbürste als Rektorin. Das sagen alle im Kollegium. Zwei Tage nach dem Vortrag schrie sie mich an. Das macht sie mit allen relativ häufig.“ Normalerweise bringt Regina das auf die Palme, sie keift zurück – und hinterher fühlen sich alle Beteiligten schlechter als zuvor. Dieses Mal nicht: „Ich sagte nichts, blieb ganz ruhig und dachte innerlich immer wieder: ‚Was schert es eine Eiche …?’ Plötzlich merkte ich, wie auch die Rektorin ruhiger wurde, wie ihr der Dampf ausging. Eine Viertelstunde später kommt sie zurück und entschuldigt sich – was sie in 15 Jahren noch nie gemacht hat.“ Die Rektorin sagte: „Das ging nicht gegen Sie. Ich musste einfach nur Dampf ablassen.“
Wir wissen doch alle, dass es Cholerikern am schnellsten den Wind aus den Segeln nimmt, wenn man auf ihre Einladung zur Verbalorgie nicht eingeht und Ruhe bewahrt. Wenn wir das so gut wissen, warum machen wir das dann nicht (öfter)? Weil wir nicht dran denken. Der Kniesehnenreflex der Kommunikation ist schneller: Angriff? Gegenangriff! Warum klappte es bei Vera? Weil der Vortrag noch frisch in ihrem Gedächtnis war. Persönliche Veränderung braucht diese gedankliche Auffrischung. Unsere Reflexe werden uns immer beherrschen – es sei denn, wir denken vorher dran. Vor der Situation. Am besten mit einem tollen Merkspruch, den wir spontan abrufen und an dem wir uns festhalten können. Erfolg braucht Merksprüche. Es gibt so einen Merkspruch für jede heikle Situation. Was sind Ihre? Vor und in allen heiklen Situationen gilt: Nie ohne meinen Zauberspruch!
