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Archiv für die Kategorie 'Kommunikation'

Gespräche planen – geht das überhaupt?

Donnerstag, 26. Januar 2012

“Wenn ich nicht so reden kann, wie mir der Schnabel gewachsen ist, dann bin ich doch nicht authentisch – und schauspielern kann ich nicht.“  Oft  höre ich das oder ähnliches in Seminaren und Coachings.  „Und außerdem verträgt sich Planung nicht mit Spontaneität und Schlagfertigkeit.“

Gewiss, Gesprächsleitfäden sind ein Relikt aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Kein ernstzunehmender Gesprächspartner wird sich heute noch an mehr oder weniger auswendig Gelerntem orientieren. Das wirkt steif, lächerlich und unflexibel.

Auf der anderen Seite ist es erstaunlich, wie viele Menschen ein Gespräch, bei dem sie etwas erreichen wollen –  sei es mehr Gehalt, einen attraktiveren Job, eine tragfähige Vereinbarung mit dem Partner,  eine Zielvereinbarung mit Mitarbeitern oder ein committment mit den eigenen Kindern – mit einer Reise ins Blaue verwechseln.

„Man muss das Ziel kennen, bevor man das Verkehrsmittel wählt“, sagt der Volksmund.

Ein klares Gesprächsziel (Was will ich erreichen?) ist Voraussetzung, um die zielführenden Verkehrsmittel – in diesem Fall die kommunikativen Werkzeuge – zu wählen.

Mauern, blocken, tarnen und täuschen, irritierende Bemerkungen, Du-Botschaften – oder doch lieber fragen, Gemeinsamkeiten betonen, Zwischenergebnisse zusammenfassen, nächste Schritte ankündigen, Ich-Botschaften? Die Auswahl an strategischen und taktischen Werkzeugen ist groß.

„Wer nur den Hammer kennt, für den sieht jedes Problem wie ein Nagel aus“ – diese Volksweisheit weist den Weg in die richtige Richtung:

Viele kommunikative Werkzeuge haben und möglichst zum zielführenden greifen.

Immer wieder trainieren. Auch einen Marathon läuft man ja schließlich nicht aus dem Stand.

Unangenehme Nachrichten mutig ansprechen

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Eine gute Bekannte fragt an, ob sie sich eine Woche bei mir einquartieren dürfe. Regelmäßige Artztbesuche in München seien notwendig – sie wohnt am anderen Ende der Republik. Ich mag sie, wir führen gute Gespräche, sie ist sehr großzügig, ich kann immer bei ihr wohnen, wenn ich ich in ihrer Nähe bin. Wo also ist das Problem?

Sie ist Kleptomanin. Lange habe ich es nicht gemerkt, dann haben mich andere Freunde und Bekannte darauf aufmerksam gemacht. Ich hab´s wieder vergessen. Dann fehlten Geschenke vom Geburtstagstisch. Und plötzlich war es da, das Getuschel hinter vorgehaltener Hand. Ihre eigene Schwester lasse sie vorsichtshalber nicht mehr in die Wohnung, man könne nicht mit ihr shoppen gehen, weil man dann gemeinsam mit ihr verdächtig werde, „sowas“ sei doch therapierbar, wieso sie keine Therapie mache und wieso ihr Ehemann das decke.

Heute habe ich es angesprochen, vorsichtig, erst etwas rumeiernd, dann ganz offen, immer bemüht, sie nicht zu verletzen. „Ich mag dich sehr, aber ich habe den Eindruck, du kannst manchmal nicht richtig zwischen mein und dein unterscheiden…“ „Ja“, sagte sie da zu meiner Überraschung, „ich bin Kleptomanin. Und ich bin in Therapie“. „Ich hoffe, dass Du mich nicht verstößt“, sagte sie dann später noch.  Ich denke, ich konnte ihr diese Ängste nehmen und mit ihr gemeinsam über diese Krankheit trauern und ihr Mut machen, sie zu bekämpfen.

Am Ende waren wir  beide froh, es angesprochen zuhaben und in Zukunft offen damit umgehen zu können. Sie wird mich nicht besuchen.

Stark oder schwach schweigen – geht das?

Sonntag, 02. Oktober 2011

Ist Schweigen ein Zeichen der Schwäche oder Machtdemonstration?  Oder gar beides?

Das fragen mich immer wieder meine SeminarteilnehmerInnen und Coachees. Diese Frage habe ich denn auch den Lesern und Leserinnen meines letzten Newsletters gestellt und mich über zahlreiche Antworten gefreut. Hier ein paar Gedankensplitter daraus.

„Ich würde sagen, dass es ganz eindeutig beides sein kann. Wenn ich eingeschüchtert oder unsicher bin, ist Schweigen ein Zeichen der Hilflosigkeit. Wenn ich aber weiß, dass meine Gesprächspartner meinen, mehr zu wissen als ich, es aber nicht so ist – dann ist das Schweigen eine Form von Macht, die ich spüre. Es ist also beides möglich – schwach oder stark zu schweigen.“

„Bisher war für mich Schweigen oft peinlich und damit ein Zeichen der Schwäche. Nach der Lektüre der Buches: „Einfach mal die Klappe halten“ sehe ich das viel differenzierter. Und ich übe und genieße das starke Schweigen.“

„In einer Gesprächsrunde fühlt sich ein Teilnehmer unwohl, da er zum aktuellen Thema nichts beizutragen hat. Nun versucht er durch provokante, meist negative Beiträge, sich einzubringen, um Beachtung zu finden. In diesem Falle ist das aus seiner Sicht ein deutliches Zeichen von Schwäche, wenn er schweigen würde. Aus Sicht der anderen Teilnehmer stört er nur – hätte er geschwiegen, würde er nicht selber an seiner evtl. Macht in der Gruppe kratzen.“

„Ich finde es gefährlich zu schweigen, wenn man seine Körpersprache dabei nicht kontrolliert. Davon hängt es doch ganz wesentlich ab, ob jemand stark oder schwach wirkt. Ein einziger Blick zum Boden oder ein verlegenes Lächeln, schon kommst du rüber wie ein Depp.“

Unter Affen, Wölfen und Hyänen

Freitag, 13. Mai 2011

Sonntags morgens mit einer Freundin im Zoo einer deutschen Großstadt.

Zwischen Erdmännchen, Mandrills und Zwergflamingos sehr schnell die Frage: „Und wie läuft es bei dir so im Job?“ 

„Na, du wirst es schon in der Zeitung gelesen haben“ sagt sie da.

Nein, hatte ich nicht. Auch wenn ich dort die lokale Horrorseite schon gern mal als erstes lese. Der neue Vorstand  hatte einen der Bereichsleiter – fachlich höchst kompetent, wird von Kollegen als Mensch mit Anstand und Fingerspitzengefühl beschrieben –  am Montag vor die Wahl gestellt, sich bis Freitag zwischen einer betriebsbedingten Kündigung oder einem Auflösungsvertrag zu entscheiden.

Beim Wolfsgehege erzählte sie dann von der Personalerin, die hinzugezogen wurde. Die hatte die erschrockene Bemerkung des so Geschassten: „Ja, aber meine schulpflichtigen Kinder…“ noch mit der einfühlsamen Bemerkung: „Wenn Sie keine Familie hätten, dann hätten Sie eben jetzt andere Probleme“ quittiert. Eine beispiellose Solidaritätswelle erfasste die Organisation – der geschlossene Protest aller Bereichsleiter führte 3 Tage später zur Rücknahme der Kündigung – und zum heftigen Zurückrudern der Geschäftsleitung.

Inzwischen waren wir bei den Pinguinen: „Und die Mitarbeiter – wie reagieren die?“  „Total verunsichert. Wenn sie den rausschmeissen, sagen die, dann werfen die uns doch in Kürze hinterher. Der Krankenstand ist in die Höhe geschnellt, noch viel mehr aber leiden inzwischen unter Burnout.“

Und dann hat sie mich in Höhe der Schneeeulen noch gefragt, ob ich einen guten Burnout Experten kenne, da sei im Moment großer Bedarf. Und ich fragte mich, ob es nicht wünschenswert sei, einzelne Exemplare der spezies homo sapiens sapiens im derzeit verwaiseten Hochsicherheitstrakt für Krokodile unterzubringen – oder doch lieber „auf den Heldenfriedhof mit den superaktiven, egozentrischen Männern in der Chefetage,“ wie es Dagmar Deckstein in der Süddeutschen Zeitung fordert?

Gluschtig, was die Sprache so alles bietet

Dienstag, 03. Mai 2011

Gluschtig – Sie wissen nicht, was das heißt?
Ich auch nicht. Hört sich aber so plastisch an, dass ich mir was darunter vorstellen kann. Gluschtig – so schrieb mir eine Auftraggeberin aus der Schweiz – hörten sich meine Vortragsthemen an.
Ich finde, sie hören sich nicht nur so an, sondern sie sind auch so – und hoffe, es ist was positives.
Bei der „Harndurchreiche“ meines Urologen bin ich mir da nicht so sicher. Harn-durch-Reiche – das Märchen vom Harn, der durch viele Königreiche floss oder reich durch Harn? Der Urologe wird´s wissen.
Da lobe ich mir doch die „Ins-Licht-geh-Abende“, die früher in der dunklen Jahreszeit im tiefen Schwarzwald üblich waren. Um Strom zu sparen, wurde nur in einem einzigen Haus Licht gemacht, dort traf man sich dann zur gemeinsamen Abendgestaltung – ein früher Vorläufer der „Atomkraft-Nein-Danke-Bewegung.“? Die Stadt Bühl belebt diese Tradition im Oktober wieder neu.
Wahrscheinlich war es dort immer noch recht schummrig und es würde mich nicht wundern, wenn die Umdichtung meines Buchtitels „Verhandlungsführung für Frauen“ in „Verführung für Frauen“ bei solchem Lichte entstanden wäre. Danke für die Themenanregung, liebe Frau K. aus S.
Anregend kreativ und schlagfertig auch die Reaktion der Rednerin W. auf das Kikeriki eines Handy-Klingeltones mitten in Ihrer Rede: „Solange noch die Hähne nach mir krähen…“

Zahnschmerzen – auch Loriot hätte seinen Stoff gehabt

Dienstag, 26. April 2011

Kennen Sie den noch: „Mama, Mama,  er hat gar nicht gebohrt“?

Gemeint war: Der Zahnarzt. Lange ist´s her. Geht man oder frau heutzutage zum Zahnarzt,  kann das vielerlei Gründe haben. Prophylaxe, Dentalhygiene, Beratung… Selten allerdings dürfte die Flucht vor der unerträglichen Stille daheim der Grund sein.   

Ein altehrwürdiges Gebäude, darin eine moderne Zahnarztpraxis. Nebst künstlicher Beduftung zur weiteren Bespaßung der Patienten ein Monitor mit bunter Abfolge von Lebensweisheiten, Zahnpflegeprodukten, mehr oder minder nützlichen Zitaten, Behandlungsinfos.  In Warte- und Behandlungszimmern jeweils mehrere Lautsprecher, Radioprogramm.  Das Anhören der lokalen Werbung des regionalen Senders unausweichlich. Die Nase gewöhnt sich schnell, der Blick hat die freie Wahl – die Ohren weniger. Hurra: Der Lautsprecher im Wartezimmer hat ein Schnürchen, flugs daran gezogen, der Spuk hat ein Ende.

Dann auf den Stuhl. Im Behandlungszimmer scheitert die Prä-Eingriffsmeditation an der Beschallung mit flotten Sprüchen über Waschmittel, Versicherungen, Autos und anderen Schnäppchen.

Also die Bitte ans Personal, das Radio ab- oder die Lautsprecher auszustellen. Geht nicht. Sender  wechseln, vielleicht Klassik? Ausgeschlossen, die anderen Patienten wollen das so. Aha. Woher man das wisse? Patientenbefragung. Nur: Im Wartezimmer ist gar niemand. Das Personal zunehmend gereizt, die Patientin zunehmend entnervt. Vielleicht eine CD mit Entspannungsmusik möglich? Nicht vorgesehen. Der wohlmeinenden Frage: Ob es wirklich so schlimm sei möchte man ein: „Es ist noch viel schlimmer. Und Sie sind ein Teil des Problems“  entgegenschleudern. Es tritt auf: Der Zahnarzt. Mit der Bemerkung „Sie können sich ja woanders behandeln lassen, wenn es Ihnen hier nicht passt“ stellt er endgültig das notwendige Vertrauen zwischen Patient und Arzt her.

Sich um Kopf und Kunden reden

Donnerstag, 07. April 2011

Das kommt Ihnen bekannt vor? Aber eher in der Version: „Sich um Kopf und Kragen reden?“

Mein Anruf bei der ländlichen Bank, das neue Konto war erst vor kurzem eröffnet, daher die Bitte, doch Überweisungsformulare (ja, da bin ich sehr konservativ) mir Kontonummer und Namenseindruck zu erzeugen. Die Mitarbeiterin war willig, aber ungeübt. Verständlich, bei einem solch anachronistischen Anliegen. „Da gibt es eine Mindest-Abnahmemenge und das kostet auch was – ich weiß aber nichts genaues. Na, dann ruf ich das mal auf. Ich brauche das sonst nicht.“ konnte ich Ihre Gedankengänge mithören. Und dann weihte sie mich unbeabsichtigt in die Details Ihrer PC-Organisation ein: „Schließfächer, Duplikate, Pfändungen, Fremdentgelte – ich blättere mal alles durch -Rücklastschriften, SEPA…“ Es war noch mehr, aber ich gab das Mitschreiben auf und fühlte mich, als habe ich beim Diktat versagt.

Da bat ich lieber um einen Rückruf. Und dachte intensiv darüber nach, aus meinem Buch „Einfach mal die Klappe halten“ einen Fortsetzungsroman zu machen.

Fettnäpfchen im Small Talk

Dienstag, 01. Februar 2011

Sind Sie auch schon mal in eines reingetreten?

So mitten im Small Talk, während Sie an nichts Böses dachten?

Eklig, unangenehm, peinlich, lästig…. Aber vor allem: Wie wieder rauskommen? Ein schwacher Trost : Wir befinden uns in zahlreicher Gesellschaft, scheinen doch diese unappetitlichen Tretminen geradezu auf uns zu warten, wie Sie hier lesen können:

„Ich habe gerade ihr faszinierendes Buch über „Small Talk“ gelesen.  Ich habe einfach das Bedürfnis, ihnen zwei Erlebnisse zu erzählen:   

Zu Beginn des Buches empfehlen sie als Einsteiger, die Frage nach dem Beruf: Neulich waren wir bei Nachbarn zum Abendessen eingeladen. Bei diesem Termin war auch ein befreundetes Ehepaar unserer Nachbarn. Ich frage den Ehemann also: „Und was machen sie beruflich?“. Antwortet er: „Ich bin schon seit 10 Jahren arbeitslos“ und schaut gleich ganz betrübt. Autsch! Ich wußte nichts mehr zu sagen…

 An der Supermarkt-Kasse: Ich komme mit meinem kleinen Einkauf zurKasse und sehe niemanden, weder Kunden noch die Kassierin. Da entdecke ich sie gebückt hinter einem Regal und schlichtet Kaugummi und ähnliches ein. Ich sage, um einen „small talk“ zu beginnen: „Ach, hier haben sie sich versteckt. Ich hab sie gar nicht gleich gesehen.“ Darauf antwortet sie ganz grantig und äußerst unfreundlich: „Ich habe mich nicht versteckt. Ich arbeite!!!!“
Wieder war ich peinlich berührt und sprachlos.
 Mir fehlt in Ihrem Buch das Kapitel, was mache ich, wenn ich in ein Fettnäpfchen getreten bin? Denn anscheinend lasse ich kein Fettnäpchen aus.

Wollen auch Sie über Ihre Fettnäpfchen berichten und mit mir Lösungsideen entwickeln? Dann schreiben Sie mir.

Ich freue mich auf Ihre Zuschrift.

Ihre Cornelia Topf  

 

Wehrhaft: Freche Frauen

Montag, 24. Januar 2011

Gestern in der Zeitung: Versuchte Vergewaltigung – Opfer biss Angreifer so heftig in die Zunge, dass er sich im Krankenhaus behandeln lassen musste. Die Polizei brauchte nur alle Krankenhäuser anzurufen und schon hatte sie den Täter….

Heute im Seminar erzählt eine Teilnehmerin,  sie habe an einer Ampel auf grün gewartet.

Da sie vor sich einen Kinderwagen hatte, war hinter ihr nicht mehr viel Platz. Ein Passant wollte vorbei und stieß ihr mit aller Wucht wortlos den Ellenbogen in den Rücken. Reaktionsunfähig überquerte sie die Straße, der Ärger und die Schmerzen ließen sie allerdings beim nächsten Grün wieder umkehren und nach hunderten von gejoggten Metern den Passanten einholen.

 Als erstes drohte sie ihm durch fingiertes Wählen auf dem Handy mit der Polizei, um dann ersatzweise 30 € Schmerzensgeld einzufordern. Als sowohl er als auch seine Frau vorgaben, sie hätten kein Geld dabei, fragte sie die Frau: „Schlägt er Sie auch regelmäßig?“, nutzte die Überraschung der Frau, ihr ersatzweise den Schal zu entreißen, und suchte dann, den Protest: „Der hat aber viel mehr als 30 € gekostet“ ignorierend, das Weite. 

Von dieser Warte aus betrachtet zeigt sich einmal mehr, dass der Spruch: „Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt“, durchaus seine Berechtigung hat. Und wir die Sprache nicht nur für magisches Gemurmel, Klatsch und Tratsch, Beleidigungen und Beschimpfungen, Flüche, Gerüchte und Geraune, bei- und abfällige Geräusche, sondern  durchaus auch zur Artikulation von Bitten und Wünschen und zur Weitergabe von Informationen einsetzen sollten.

Das ist ein Kerl!

Sonntag, 07. März 2010

„Sei doch nicht immer so …!“ Was auch immer: mürrisch, penibel, perfektionistisch, schnell eingeschnappt, hektisch, übereifrig, emotional, distanziert … Was hören Sie immer mal wieder? Normalerweise ignoriert frau solche Pauschalangriffe, ärgert sich drüber oder rechtfertigt sich. Verständlich, aber bringt meist nichts außer dem üblichen Gezänke. Richtig wäre, das Problem zu klären.

Dazu müssten Sie erst einmal wissen, was der andere unter … versteht. Bin ich zum Beispiel in seinen Augen erst dann perfektionistisch, wenn ich beim gemeinsamen Frühstück Krawattenzwang einführe? Oder bereits dann, wenn ich im Gegensatz zu ihm die Zahnpastatube von hinten ausdrücke? Das sollte ich vorab klären. Empfehlen zumindest die Familien- und Paartherapeuten und die Kommunikationstrainer. Also könnten Sie sagen: „Das tut mir leid, das möchte ich ändern. Deshalb möchte ich verstehen, was du meinst: Könntest du mir eine konkrete Situation aus der Vergangenheit nennen, in der du mich als … empfunden hast?“ Das ist die Lehrbuch-Lösung. Was nur wieder zeigt, wie sehr wir uns auf Lehrbücher verlassen können. Denn was berichten mir Seminarteilnehmerinnen und Coachees als häufigste Reaktion von Schatzi auf diese Lehrbuchlösung? Dies: „Stell dich doch nicht so an! Du weißt doch ganz genau, was ich meine!“ Da ist frau erst mal baff: Sie macht alles richtig und kriegt als Dank dafür eine vor den Latz geknallt. Wenn mir so etwas passiert, werde ich meist so wütend, dass ich Knall auf Fall die Situation verlasse und denke: „Du Idiot!“ Ich fühle mich nicht ernst genommen. Ich mache mir alle Mühe, komme dem anderen entgegen und der motzt bloß dumm rum! Wie ein Sechsjähriger. Ein Partnerwechsel ist in so einer Situation durchaus angesagt.

Klingt hart. Doch wer will schon mit einem Sechsjährigen in einer Paarbeziehung leben? Zur Beziehung gehört nun eben auch, dass man/frau miteinander reden kann. Und wer einen Gesprächsversuch derart unqualifiziert abblockt, der disqualifiziert sich für jede Beziehung mit einer Frau, die auch nur über ein Minimum an Selbstachtung verfügt. Viele Frauen versuchen es trotzdem. Machen Gesprächsversuch auf Gesprächsversuch und fragen mich dann: „Ich gebe mir doch solche Mühe mit ihm! Warum klappt das nicht?“ Weil Sie nicht der Therapeut Ihres Partners sind! Sie sind Beziehungspartnerin und nicht Coach oder Kommunikationstrainer. Rudimentäre Gesprächskompetenz muss ein Mann schon mitbringen in eine Beziehung – oder sie währenddessen erwerben wollen. Wenn Sie so einen Mann erwischen, dann sagt der etwa: „Mensch, du hast recht, darüber sollte ich mit dir reden können. Das probieren wir doch gleich mal!“ Das ist ein Kerl. Traut sich was. Der hat Potenzial. Den können Sie behalten.

Literaturempfehlung: Cornelia Topf: Emotionale Intelligenz, redline Verlag