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Archiv für die Kategorie 'Kommunikation'

„Projekt-Narzissten“ aushebeln

Samstag, 07. Mai 2016

Das ganze Team hängt sich rein für das Projekt, macht Überstunden, arbeitet an den Wochenenden. Bei der Präsentation am Endtermin sagt der Projektleiter zum Geschäftsführer: „Na, wie habe ich das wieder hingekriegt?“ Als ob er allein es gestemmt hätte! Das Team kocht vor Wut über den Projektleiter. „Projekt-Narzissten“ nennt eine Kollegin von mir solche Menschen.

Warum fallen wir immer wieder auf sie herein, obwohl wir es eigentlich besser wissen müssten?

Weil jeder Mensch (mindestens) zwei Seiten hat. Auf der einen sind sie selbstherrlich – auf der anderen Seite sind Narzissten ungemein gewinnend und überzeugend – aber nie manipulativ. Das ist der Unterschied zum Egoisten. Der Egoist weiß, dass er andere schädigt, der Narzisst ahnt es nicht einmal. Er glaubt tatsächlich, dass ihm der ganze Lorbeer zusteht, weil er es glauben muss. Sein Selbstbild  („Ich muss was ganz Besonderes sein!“) – und sein Erfolg – stehen und fallen  mit dieser konstruktiven Illusion. Oder wie Albert Bernstein sagt: „Es gibt Narzissmus ohne Größe, aber es gibt keine Größe ohne Narzissmus.“

Bernstein kennt auch ein Kraut, das gegen narzisstische Spiele gewachsen ist: „Nicht mitmachen!“ – wenn es denn irgend geht. Und wir diese Spiele rechtzeitig durchschauen. Wir  verlieren sonst immer dabei,  auch dann, wenn wir an das Gerechtigkeitsempfinden des Projekt-Narzissten appellieren „Denk doch nicht immer nur an dich!“ Das kann der Narzisst nicht – sonst wäre er keiner. Er kreist nur um sich, Appelle helfen nicht. Höchstens Konsequenzen: „Entweder wir dürfen bei der Präsentation mit aufs Podium – oder du kriegst das letzte Arbeitspaket nicht.“ Das kommt den Narzissten hart an.

Denn tatsächlich nehmen Narzissten nicht nur bei der Lorbeer-Verteilung den Mund recht voll, also am Ende eines Projektes, einer Aufgabe. Menschen mit ausgeprägter narzisstischer Tendenz beißen auch bei der Aufgabenverteilung in der Regel größere Stücke ab als sie schlucken können. Sie übernehmen sich gerne vor allem bei attraktiven Aufgaben: „Ja, klar, gib her – das wuppe ich auch noch!“ Sie merken nicht, wenn es zu viel wird, weil es an Besonderem nie genug sein kann. Deshalb konsultieren die cleveren Nicht-Narzissten einen Coach oder anderen Vertrauten, dessen Urteil sie schätzen: „Tolles Projekt! Was ganz Besonderes! Aber, was meinst du, schaffe ich das? Auch wenn ich das am liebsten alleine angehen würde – wen brauche ich unabdingbar dafür?“ Man kann sich diese Fragen gut und gerne selber stellen.

Doch genau diese Selbstreflexion schaffen Menschen mit starker narzisstischer Tendenz in der Regel nicht . Weil sie nur den Lorbeer und nicht den nötigen Aufwand sehen können und wollen. Deshalb sind sie so wild auf besondere Aufgaben . Sie spannen andere dafür ein, beanspruchen dann aber die ganze Anerkennung für sich selbst. Vor lauter Ärger über solches Verhalten übersehen wir aber häufig etwas, was wir von Narzissten lernen könnten.

Während der Narzisst sich chronisch selbst überschätzt und sich und andere damit schädigt, unterschätzt sich der „normale“ Mensch chronisch und schädigt sich selbst damit.

Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen: Ohne ein gewisses Maß an Selbstüberschätzung scheitern wir nicht nur an herausragenden Aufgaben. Wir bleiben auch bei Alltagsaufgaben weit hinter unseren Möglichkeiten und Wünschen zurück.

Wir sollten bei jeder Aufgabe die Latte zehn bis 30 Prozent höher legen als wir uns „eigentlich“ zutrauen. Think Big! Der Unterschied zum Größenwahn ist noch weit genug. Vor der Grenzüberschreitung zum galoppierenden Größenwahn schützt uns die Selbstreflexion: Überschätze ich mich noch gesund oder bereits narzisstisch?

Diese Reflexion macht den Unterschied zwischen einem unausstehlichen Projekt-Narzissten und einem erfolgreichen und sympathischen Menschen.

Ich wünsche Ihnen ganz viel von dieser nützlichen Reflexion.

Lass mich bloß in Ruhe!

Mittwoch, 13. April 2016

Ein Tabuthema: Übergriffige KollegInnen.
Danielle hat drei davon. Jede Stunde einmal kommt einer von ihnen in ihr Büro und sagt Sachen wie: „Da hast du schon wieder einen Fehler gemacht!“, „Du setzt die falschen Prioritäten.“, „So kannst du das unmöglich machen!“ Was bilden die sich ein? Danielle ist empört. Und total gestresst, weil das seit Monaten so geht. Dabei ist sie High Potential.
Der Chef fördert sie aktiv und hat ihr eine Führungsposition in Aussicht gestellt. Fachlich ist sie erste Sahne. Kann sich artikulieren, hat hohe Sozialkompetenz, ist bei allen beliebt – mit Ausnahme der drei Übergriffigen. Die haben es auf sie abgesehen. Eine(r) schießt immer quer? Das gehört zum Job? Das ist schlicht der Wahnsinn der Normalität? Das mag man so sehen. Ich halte diese Sichtweise für unmenschlich, effizienzvernichtend und firmenschädigend. Denn Danielle will das Unternehmen verlassen. Deshalb kommt sie ins Coaching.
Danielle hat erkannt „Wenn ich wechsle, nehme ich das Problem vielleicht mit. Ich kann mit übergriffigem Verhalten einfach nicht umgehen. Das möchte ich ändern. Wie mache ich das?“ Mit Abgrenzungsfähigkeit, im Amerikanischen bekannt als Assertiveness.
Danielle hat schon richtig vermutet: Sie hat auch einen Problemanteil. Zum Beispiel ihre Haltung. Bei jedem Übergriff nimmt sie eine (untergeordnete) Fragehaltung an, zum Beispiel:
„Da hast du ja mal wieder schönen Mist gebaut!“
„Wieso? Was stimmt nicht?“
Und schon doziert der Kollege zehn Minuten über Dinge, die Danielle längst klar sind. Aber Danielle fällt immer wieder darauf herein – eben weil sie nicht klarmachen kann, dass ihr das alles längst klar ist. Es dauert eine ganze Sitzung, ihr Dialogverhalten diesbezüglich umzustellen. Am Ende der Stunde – ich übernehme die Rolle des Übergriffigen – hat sie das drauf:
„Das ist ja wieder grottenfalsch!“
Danke für den Hinweis. Ich kümmere mich darum.“
„Aber du weißt doch gar nicht, was ich meine.“
„Doch, weiß ich. Wird erledigt.“
„Aber du hast noch gar nicht die Konsequenzen begriffen!“
Habe ich. Danke für den Hinweis. Außerdem: Jetzt nicht, es ist gerade ungeschickt. Wenn ich noch was brauche, komme ich heute Nachmittag auf dich zu.

 

Ende der Diskussion, Blick wieder zum Bildschirm, Schweigen. Danielle schreibt im Coaching eine Menge Mustersätze mit, mit denen sie ihr Schweigen einleiten kann, Führung im Gespräch übernehmen möchte. Begeistert ist sie davon nicht. Richtiger: Es fühlt sich für sie ungewohnt an.

Deshalb lautet Danielles „Hausaufgabe“ auch: Üben. Bis aus den ungewohnten Sätzen gewohnte Verhaltensmuster werden. Und zwar Üben in blamagefreien Kontexten: in der Familie, unter Freunden, in der Beziehung, im Verein. Einfach mal Nein sagen bei etwas, zu dem man auch gut und gerne Ja sagen könnte. Einfach mal ausprobieren. Immer mal wieder. Bis es vertraut wird. Und dabei beobachten.
Nach innen beobachten: Was kommt dabei hoch, wenn ich mich abgrenze, wenn ich mich selbstbestimmt artikuliere, wenn ich das sage, was mir gut tut? Meist sind es Gedanken und Gefühle wie: Das darfst du nicht! Das gehört sich nicht! Die sind viel schlauer als du! Der ist jetzt bestimmt sauer auf dich!
Diese Gedanken und Gefühle bitte ernst nehmen! Das heißt: Sich mit ihnen unterhalten. Zum Beispiel: „Okay, vielleicht ist er nach meinem Nein ein bisschen sauer auf mich. Halte ich das bisschen aus?“ Hilfreich ist auch die Erkenntnis, dass sich hinter jeder Abgrenzungsschwäche die Angst vor dem Verlust sozialer Anerkennung versteckt: „Wenn ich Nein sage, hat er/sie mich nicht mehr lieb!“ Dann kann man sich fragen: Muss ich Anerkennung unbedingt von diesem Menschen bekommen? Kann ich sie mir nicht woanders suchen? Im Detail hilft auch Achtsamkeit, Mindfulness.
Denn viele halten selbst die kleinste soziale Ablehnung geradezu körperlich nicht aus. Es tut einfach zu weh. Das ist nicht logisch, aber psychologisch. Manche Menschen spüren seelischen Schmerz einfach heftiger als andere. Deshalb sagen sie Ja, wo sie Nein sagen sollten. Weil der Schmerz eines Neins zu heftig wäre – für sie. Genau hier hilft Achtsamkeit; die Amerikaner sagen dazu: How to sit with painful emotions. Wie man schmerzhafte Gefühle aushält. Wie?
Indem man sie so detailliert und körperzentriert wie nur möglich „benamst“, zum Beispiel: „Aha, so fühlt es sich also an, wenn ich Nein sage und vermute, dass der andere sauer ist. Interessantes Gefühl. Drückt auf den Magen. Und etwas schwummerig im Kopf ist mir auch dabei.“ Das ist Achtsamkeit. Der Clou: Sie reduziert die emotionale Belastung umso drastischer, je öfter Sie das üben. Das kann man übrigens immer. Zum Beispiel jetzt. Was fühlen Sie? Wo? Wie? Wie heißt das? Passt der Name?
Abgrenzung ist nicht nur Danielles Problem. Es ist das Problem unserer Zeit. Arbeitsüberlastung, Stress, Unzufriedenheit, Rastlosigkeit, mangelnde Anerkennung und Burnout sind in letzter Konsequenz auch „nur“ versäumte Abgrenzungsaufgaben. Wir tun, was sich gut anfühlt, anstatt dessen, was gut für uns ist.
Natürlich sollte man nun nicht ins andere Extrem verrutschen und sich mit aller Macht abgrenzen: „Ach geh doch hin wo der Pfeffer wächst und lass mir meine Ruhe!“ (Es sei denn, man möchte wirklich mal mit der Faust auf den Tisch hauen.) Doch auch das ist reine Übungssache: Hart in der Sache, freundlich zur Person.
An den Arbeitsplätzen der Menschen führe ich oft gedanklich Strichliste. Und in einer ruhigen Minute frage ich dann: „Ich habe in den letzten zehn Minuten fünf Gelegenheiten zur Abgrenzung bemerkt, die Sie nicht wahrgenommen haben. Sie beklagen sich über Stress, mangelnde Anerkennung und Erfolgsdruck. Sie sagen, Sie können sich ganz gut durchsetzen. Aber Sie tun es nicht.“
Könnte es sein, dass Ihnen das nötige Training fehlt?

Buchtipps:

Einfach mal die Klappe halten – warum Schweigen besser ist als Reden http://bit.ly/1CeDqEA

Souverän! Wie Sie stark auftreten, auch wenn Sie sich nicht so fühlen http://bit.ly/1V1NPks

 

„Ein Mensch – das trifft man gar nicht selten – der selbst nichts gilt, lässt auch nichts gelten“

Mittwoch, 03. Juni 2015

Ist das nicht ein wunderbarer Satz von Eugen Roth? Überhaupt: Eugen Roth. Der hat noch viele andere Weisheiten in Reimform gebracht. „Am ärgsten fällt der Größenwahn oft grad die kleinen Leute an.“ Genial. Ob Napoleon oder Kleingeist – sie alle dürften gemeint sein. Und regt uns das nicht zu vielem an, zum Nachdenken über die Quellen des eigenen Größenwahns oder die eigenen Unzulänglichkeitsgefühle? Und wollen wir nich alle am liebsten souverän und charismatisch wirken? Mehr zu diesemm Thema finden Sie hier: http://bit.ly/1QFvbxs

Apropos reimen. „Ottos Mops kotzt“ – der unvergleichliche Ernst Jandl lässt sein univokales Gedicht auf „ogottogott “ enden. „Ottos Mops kotzt in Connys Topf“ ist dagegen nur eine bedingt korrekt nachgedichtete Variante. „Hose reimt sich auf Dose, nicht jedoch auf Pullover.“ Das zu erkennen bereitet Kindern aus bildungsfernen Schichten selbst Monate nach Schulbeginn oft große Probleme, heißt es in der ZEIT-Serie über Intelligenz.

„Wörter und Gesten, Lieder und Reime – ohne solches Hirnfutter kann sich unsere Intelligenz nicht richtig entfalten. Mit drei Jahren haben manche Kinder 30 Millionen Wörter mehr gehört als andere“  liest man ebenda – und damit sind nicht Wörter aus dem TV gemeint. Sprechen Sie mit Ihren Kindern, lesen Sie vor, singen Sie, verfüttern Sie Bücher und verbannen Sie sämtliche elektronischen Medien weitestgehend aus dem Kinderzimmer – eine Investition in die Intelligenz, die sich ver-millionenfacht.

Alterozentrierung: Der ultimative Zugang zum Gegenüber?

Sonntag, 17. November 2013

Sie lieben Rezepte?

Nein, lieber Leser, keine wie immer in der Vorweihnachtszeit wiederkehrenden Plätzchenrezepte. Sondern: Kommunikationsrezepte. Man nehme zwei Minuten Lob, ein herausforderndes Projekt, die Aussicht auf eine erkleckliche Gehaltserhöhung, eine Prise Druck und schon funktioniert es? Hätten wir gerne. Weil es doch viel einfacher und bequemer wäre. Tut es eben aber meistens nicht. Weil Menschen und ihre Kommunikation immer noch und immer wieder individuell und nur bedingt prognostizierbar sind.

Und so ist auch die Alterozentrierung kein Rezept,  nicht der „ultimative Zugang“ zum Gegenüber, auch wenn uns das die Werbung für die entsprechenden Kurse gerne weismachen möchte. Was ist Alterozentrierung aber dann? Eine Haltung, die  uns offenbar eher unbekannt, fremd, jedenfalls nicht angeboren zu sein scheint, dreht es sich doch um den Gegenspieler der Egozentrik. Alterozentrisch verhält sich derjenige, der seine Wahrnehmung primär am anderen ausrichtet. „Was nutzt jetzt meinem Gegenüber?“ „Was braucht der andere?“ Wie kann ich seine/ihre Wertvorstellungen mit bedenken? Welche Erwartungen, Bedürfnisse, Interessen und Sichtweisen hat eigentlich der andere und wie mache ich mich davon frei, sie sofort abzuwerten, nur weil sie sich nicht mit den meinen decken?

Eine solche Haltung steht uns nicht nur, aber auch ganz besonders gut in der Vorweihnachtszeit und Weihnachtszeit an. Aber auch immer dann, wenn Hurrikans wie Haiyan Menschen in allergrößte Not stürzen, wenn es um gemeinsames Gestalten und  Erreichen geht.

Das fängt schon beim einfachen verhandeln an. Mit etwas Glück kennen die Menschen ihre eigenen Ziele, vage zwar oft, aber immerhin, sie haben eine Ahnung, was besten- oder schlimmstenfalls als Ergebnis rauskommen könnte. Was der Verhandlungspartner will? Völlig egal, unklar, uninteressant. Ist ja das unterstellte Gegenteil von dem, was ich will und also per se schlecht. Denkste.

Je besser ich „alterozentriere“, also die Wünsche und Ziele meines Gegenübers antizipiere, kennen lerne, damit ich sie berücksichtigen kann, desto eher erreiche ich auch meine eigenen Ziele. Bin ich geübt darin, den Standpunkt des anderen einzunehmen, verliere ich meinen eigenen dabei eben gerade nicht. Dann schenke ich nicht, was ausschließlich mir gefällt, sondern ich habe eine konkrete Vorstellung davon, was dem anderen gefallen wird – und im Idealfall uns beiden.

Sie müssen nicht alles glauben…

Sonntag, 12. Mai 2013

Durchdringender Geruch im Zimmer eines Fachwerkhauses.

Was kann das sein? Schnell gab es eine Erklärung: „Vermutlich eine tote Maus, die zwischen den Lehmböden liegt und vergammelt…“ So wahrscheinlich oder unwahrscheinlich wie beliebig viele andere Erklärungen auch. Möglicherweise hat der liebestolle Kater an den Bettpfosten gepinkelt, jemand hat beim Essen im Bett etwas in die hinterste dunkle Ecke fallen lassen, die Kanalisation ist defekt und entlüftet jetzt hier, im Sofapolster nistet ein Stinktier….

War die Maus erst mal gekreißt, ließ sie sich kaum noch einfangen. Alle sprangen auf diese Hypothese an. Sie wurde nicht mehr in Zweifel gezogen. „Wann wird endlich der Boden geöffnet und die Maus weggemacht?“ (Wieso Boden und nicht Wand?)  „Wenn die da so weiter gammelt, kommt doch Ungeziefer….“. „Da sollen wir dann gleich eine Dämmung vorsehen, dass sowas nicht wieder vorkommt…“

Nur mit Mühe ließ sich die aufwändige und kostspielige Entfernung der Holzdielen verhindern. Ein handelsübliches Raumspray erledigte den üblen Geruch in wenigen Sekunden.

 

 

Weichei oder Hardliner?

Dienstag, 29. Januar 2013

Vorwärtseinparker, Frauenversteher,  Bayern 1 – Hörer, Warmduscher. Die Spottnamen für Menschen, die Auseinandersetzungen und Konflikten eher aus dem Wege gehen, die die Harmonie der Konfrontation vorziehen, sind vielfältig.

Die am anderen Ende des Spektrums haben auch nicht unbedingt was zu lachen: Da finden wir Hardliner, rücksichtslose Egoisten, Menschen, die über Leichen gehen, alles platt machen. Weder in der einen noch in der anderen Kategorie möchten sich die meisten wirklich wiederfinden.

Kein Wunder, dass beim Thema Verhandeln, Durchsetzen und Überzeugen die Erwartungen an mich als Trainerin und Coach oftmals so formuliert werden:

„Ich will mein Gegenüber von meiner Meinung überzeugen, auf meine Seite ziehen, ohne dass er oder sie das merkt.“  Und dann noch dafür liebgehabt werden –  könnte man ergänzen. Solche Wünsche  hören sich für mich nach vollflugtauglicher, eierlegender Wollmilchsau an – sind also schlicht unrealistisch.

Wer sich durchsetzt, hat oftmals den Erfolg,  zahlt in der Regel aber auch einen Preis dafür. Wenn er das nur rücksichtslos und machtbesessen genug tut, werden ihn die „loser“ eben gerade nicht schätzen, insbesondere dann, wenn deren Interessen nicht ausreichend Berücksichtigung finden. Und sie werden auf Revanche sinnen. Tut er es manipulativ, heimlich, heimtückisch und hinterhältig, wird das oftmals dennoch oder gerade deshalb schnell bemerkt: Der adere wird es heimzahlen wollen. Wollen Sie sich also akzeptiert durchsetzen, bedarf es auch der Offenheit und Transparenz.

Durchsezten: So kann es besser gelingen

1. Fokussieren Sie Ihr Ziel. „Weg von“ ist zwar hilfreich, reicht alleine aber nicht. Was wollen Sie genau durchsetzen?  Wie heißt Ihr „Hin zu….“?  „Ich will weg von dieser blöden Gebietseinteilung“ .Na prima. Und wo wollen Sie hin? Wie soll die Gebietseinteilung denn aussehen? Wer sein Ziel nicht kennt, für den ist jeder Wind günstig, sagt ein Sprichwort. Reisen ins Blaue sollen ja durchaus auch Spaß machen.

2. Die eigenen Interessen (klug)  offen legen – und dabei den Nutzen für die Gegenseite (geschickt) mit einfließen lassen

3. Die Interessen des Gegenseite ernst nehmen, wertschätzen und nach Möglichkeit berücksichtigen. Das ist durchaus auch in Form von Kompensation denkbar: Heute ich, morgen Du. Aber Vorsicht: Es rächt sich, Vertrauen zu missbrauchen und Versprechen nicht zu halten.

4. Holen Sie den Gesprächspartner ins Boot, anstatt ihn herauszustoßen. Schließlich haben Sie am meisten Kraft, wenn Sie beide in die gleiche Richtung rudern. Konsequentes hin- und zuhören, Fragetechniken und ein gutes Gesprächsklima helfen dabei.

5. Geduld: Verstehen,verstanden werden und Akzeptanz brauchen Zeit. „Ich zieh den anderen mal schnell über den Tisch“ funktioniert in aller Regel nicht. Im Gegenteil. Die Heftigkeit der Gegen-Reaktion ist oft überraschend. Und wenn es doch gelingt, ist es meist ein Phyrrussieg. Dabei geht der Sieger aus dem Konflikt ähnlich geschwächt hervor wie ein Besiegter und kann auf dem Sieg nicht aufbauen. Der Ausdruck geht auf König Phyrrus von Epirus  zurück. Dieser soll nach seinem Sieg über die Römer in der Schlacht von Asculum  einem Vertrauten gesagt haben: „Noch so ein Sieg, und wir sind verloren!“

6. Beharrlichkeit: Oft unterschätzte Tugend. Ceterum censeo Carthaginem esse delendam: In der Zeit vor Beginn des Dritten Punischen Krieges beantragte Cato in jeder Senatssitzung die Zerstörung Karthagos. Dabei soll er alle seine Reden mit diesem Ausspruch beendet haben – unabhängig vom eigentlichen Gegenstand der Diskussion. Schließlich stimmte der Senat  Cato zu, was zum Dritten Punischen Krieg und der Zerstörung Karthagos führte.  In Anlehnung an den historischen Ausspruch spricht man heute von einem Ceterum censeo, wenn eine Forderung beharrlich wiederholt wird

7. Die Gegenpartei das Gesicht wahren lassen: Drohender Gesichtsverlust erzeugt ungeahnte Blockaden und setzt riesige Abwehrkräfte frei. Niemand setzt sich dem freiwillig aus – außer vielleicht C-Promis im Dschungelcamp. Gönnen Sie Ihrem Gegenüber (kalkulierte) Teilerfolge.

8. Und ja: Kraftvoller Sprachstil, deutliche (kurze) positive Formulierungen, logische und nachvollziehbare (Nutzen-)Argumente,  sichere Körpersprache haben noch nie geschadet.

So pflastern in Zukunft weder Leichen Ihren Weg (sondern maximal Leichtverletzte) noch  setzen immer die anderen und nicht Sie die Ziele durch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schabernack

Dienstag, 18. September 2012

Fundstück auf Hiddeensee
Fotos: Hanna Topf

Ist das nicht eine schöne Vorstellung?

Zwischen dem Gasthaus zur „Boje“ (wunderbarer Sanddornsekt), der Einkaufsquelle (was ein Name. Hier quillt der Einkauf) und dem Strandgut versteckt sich der Schabernack. Nichts wie hin! Aber nur mit dem Fahrrad oder der Pferdekutsche.

 

 

Sie Gribbelschisser!!

Montag, 16. Juli 2012

Heute im ICE, Ruheabteil.

Ein grauer Streifen mit großer Schrift auf der Tür, der darauf hinweist. Außerdem Aufkleber mit durchgestrichenem Handy an der Wand.

Das Paar gegenüber in lautstarke geschäftliche Diskussionen verstickt, Softwararchitekturprobleme: “ Was der Hendrik gefixt hatte,  verbleibende dumps in die Standartklassen, STT und SMT nicht darstellbar,  beruht auf Serverapplikation, Prozesse überholen sich, Problem besteht auch im UTC. Die von Thomas  bereitgestellte Lösung löst das Problem nicht. Daraus folgt die Funktionalität ergibt sich aus Problem  in  Standartbausteinen…..“

Es gelingt mir, das Getöse auszublenden und einzunicken. Dann schrecke ich hoch. Der Herr beginnt zu telefonieren. Und scheißt einen Kollegen (oder Mitarbeiter?) zusammen. Vorwürfe, Rechtfertigungen, Erklärungen, Anweisungen, Aufregungen, das ganze Programm. Irgendwann ist auch das vorbei.

Mit allem Charme und der gebotenen Höflichkeit (ohne das „Entschuldigung“ zur Einleitung!) mache ich ihn darauf aufmerksam, dass wir uns im  Ruheabteil befinden.

Darauf er leicht aggressiv: „Ich kann es doch nicht ändern“.

„Was können Sie nicht ändern.?“

„Ich muss doch telefonieren.“.

„Das kann ich gut verstehen. Aber im Ruhabteil??“

„Ich habe hier schließlich reserviert! Sie auch?“

„Nein“

„Sehen Sie“. (laut und aggressiv).

„Ich bitte Sie lediglich, hier nicht zu telefonieren, deshalb brauchen Sie nicht aggressiv zu werden.“

(Noch lauter:) „Ich bin überhaupt nicht aggressiv“.

„ Ich denke, das durchgestrichene Handy an der Wand ist eindeutig.“

Und dann kam´s: „Sie Gribbelschisser!“

Sprach´s, stand auf und verließ grollend das Abteil. Bevor der die Tür zuschmiss, konnte ich ihm noch hinterher rufen: „Das ist jetzt neu und spannend.  Wie heißt das? Das kenne ich noch nicht“. Da wiederholte er:

„Sie Gribbelschisser!“

Und der Mitreisende fragte verständnisvoll: „Wollen Sie einen Kuli zum Aufschreiben?“

Der kannte meinen Wort-Wertstoffhof!!!!!!


Allzeit bereit und nie um eine Antwort verlegen

Dienstag, 10. Juli 2012

Erwartungsabfrage im Führungsseminar, im Selbst-PR-Seminar, im Kommunikationsseminar, im Verhandlungsführungsseminar… Immer wieder wünschen sich die Teilnehmer das Thema „Schlagfertigkeit“ – auch wenn es „eigentlich“  wenig mit dem „eigentlichen“ Thema zu tun hat.

„Schlagfertig bin ich immer erst eine halbe Stunde später“. Diesen Zustand und dieses Gefühl kennen die meisten, es ist für sie eine Art persönlicher Niederlage.  Je größer der Druck, schnell etwas vermeintlich Kluges, Intelligentes und Witziges sagen zu wollen, desto blockierter das Hirn. „Je grüner, desto schwimmt „ –  kennen Sie den noch?  In Bezug auf die Schlagfertigkeit heißt das: Je mehr Druck, desto blockier.

Entspannen Sie sich und legen Sie einen Wort-Wertstoffhof an. Recyceln ist nicht nur „in“, sondern auch umweltfreundlich und ressourcenschonend. Sparen Sie Ihre Kreativität für die wirklich (überlebens-) wichtigen Situationen des Lebens und legen Sie (Wertstoff-) Vorräte an, auf die Sie in Notzeiten zurückgreifen können.

Schrieb mir  vor kurzem ein Seminarteilnehmer:

„Liebe Frau Dr. Topf,

Ihr Seminar war sehr anregend und ich bin wild entschlossen, einiges zu verändern. Heute habe ich mit dem Wort-Fundus angefangen und eine schöne Zitate-Seite gefunden, hier der Link:http://www.systemisches-institut.de/zitate.html . Ich habe einiges gefunden, was ich „aufnehmen“  werde.“

Besonders gut hat mir persönlich dort für meinen eigenen Wertstoffhof gefallen:

„Was man nicht reparieren kann, ist auch nicht kaputt.“

Macht den Umgang mit dem rauschenden  Fernseher, der undichten Duschtrennwand,  den bröselnden Stiefeln und immer wieder löchrigen Fahrradreifen irgendwie gelassener, humorvoller und freundlicher.

Anstrengend….

Montag, 11. Juni 2012

…empfand der Coaching-Klient heute die mehrstündige Sitzung. Das konnte ich gut verstehen, hatte er doch nahezu unaufhörlich geredet und dabei auch noch – entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil sehr multitaskingfähig – analysiert und komplexe Gedanken entwickelt. „Mein Team sträubt sich häufig gegen Veränderungen, will nicht aus der Komfortzone raus und möchte am liebsten, dass alles so bleibt, wie es ist. Natürlich gibt das immer mal wieder Konflikte. Mit diesen Konflikten kommen meine Mitarbeiter dann aber nicht zu mir – und da bin ich ganz froh drum –  weil sie nämlich ihre Konflikte alleine lösen wollen“. Nachfrage: „Was macht Sie so sicher, dass das der Grund ist?“  Von da an lief es fast von ganz alleine auf die zentrale Erkenntnis zu, dass sich Verhaltensmuster ganz häufig wechselseitig spiegeln – wie die einen so die anderen und umgekehrt.

„Ja, also ich kann dieses Gejammer nicht haben und will es auch gar nicht hören. Schließlich geht es doch um Lösungen.“ „Und wie sieht es mit Ihrer persönlichen Konfliktlösungsfähigkeit aus?“ „Ach schlecht, da will ich gar nichts mit zu tun …“ Der Satz blieb ihm im Halse stecken. „Ich hab´s. Genau deshalb werde ich jetzt daran arbeiten.“ Sprach´s und nahm sich vor,  mit gutem Beispiel voran zu gehen.