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Archiv für die Kategorie 'Kommunikation'

Sie müssen nicht alles glauben…

Sonntag, 12. Mai 2013

Durchdringender Geruch im Zimmer eines Fachwerkhauses.

Was kann das sein? Schnell gab es eine Erklärung: “Vermutlich eine tote Maus, die zwischen den Lehmböden liegt und vergammelt…” So wahrscheinlich oder unwahrscheinlich wie beliebig viele andere Erklärungen auch. Möglicherweise hat der liebestolle Kater an den Bettpfosten gepinkelt, jemand hat beim Essen im Bett etwas in die hinterste dunkle Ecke fallen lassen, die Kanalisation ist defekt und entlüftet jetzt hier, im Sofapolster nistet ein Stinktier….

War die Maus erst mal gekreißt, ließ sie sich kaum noch einfangen. Alle sprangen auf diese Hypothese an. Sie wurde nicht mehr in Zweifel gezogen. “Wann wird endlich der Boden geöffnet und die Maus weggemacht?” (Wieso Boden und nicht Wand?)  ”Wenn die da so weiter gammelt, kommt doch Ungeziefer….”. “Da sollen wir dann gleich eine Dämmung vorsehen, dass sowas nicht wieder vorkommt…”

Nur mit Mühe ließ sich die aufwändige und kostspielige Entfernung der Holzdielen verhindern. Ein handelsübliches Raumspray erledigte den üblen Geruch in wenigen Sekunden.

 

 

Weichei oder Hardliner?

Dienstag, 29. Januar 2013

Vorwärtseinparker, Frauenversteher,  Bayern 1 – Hörer, Warmduscher. Die Spottnamen für Menschen, die Auseinandersetzungen und Konflikten eher aus dem Wege gehen, die die Harmonie der Konfrontation vorziehen, sind vielfältig.

Die am anderen Ende des Spektrums haben auch nicht unbedingt was zu lachen: Da finden wir Hardliner, rücksichtslose Egoisten, Menschen, die über Leichen gehen, alles platt machen. Weder in der einen noch in der anderen Kategorie möchten sich die meisten wirklich wiederfinden.

Kein Wunder, dass beim Thema Verhandeln, Durchsetzen und Überzeugen die Erwartungen an mich als Trainerin und Coach oftmals so formuliert werden:

“Ich will mein Gegenüber von meiner Meinung überzeugen, auf meine Seite ziehen, ohne dass er oder sie das merkt.”  Und dann noch dafür liebgehabt werden –  könnte man ergänzen. Solche Wünsche  hören sich für mich nach vollflugtauglicher, eierlegender Wollmilchsau an – sind also schlicht unrealistisch.

Wer sich durchsetzt, hat oftmals den Erfolg,  zahlt in der Regel aber auch einen Preis dafür. Wenn er das nur rücksichtslos und machtbesessen genug tut, werden ihn die “loser” eben gerade nicht schätzen, insbesondere dann, wenn deren Interessen nicht ausreichend Berücksichtigung finden. Und sie werden auf Revanche sinnen. Tut er es manipulativ, heimlich, heimtückisch und hinterhältig, wird das oftmals dennoch oder gerade deshalb schnell bemerkt: Der adere wird es heimzahlen wollen. Wollen Sie sich also akzeptiert durchsetzen, bedarf es auch der Offenheit und Transparenz.

Durchsezten: So kann es besser gelingen

1. Fokussieren Sie Ihr Ziel. “Weg von” ist zwar hilfreich, reicht alleine aber nicht. Was wollen Sie genau durchsetzen?  Wie heißt Ihr “Hin zu….”?  ”Ich will weg von dieser blöden Gebietseinteilung” .Na prima. Und wo wollen Sie hin? Wie soll die Gebietseinteilung denn aussehen? Wer sein Ziel nicht kennt, für den ist jeder Wind günstig, sagt ein Sprichwort. Reisen ins Blaue sollen ja durchaus auch Spaß machen.

2. Die eigenen Interessen (klug)  offen legen – und dabei den Nutzen für die Gegenseite (geschickt) mit einfließen lassen

3. Die Interessen des Gegenseite ernst nehmen, wertschätzen und nach Möglichkeit berücksichtigen. Das ist durchaus auch in Form von Kompensation denkbar: Heute ich, morgen Du. Aber Vorsicht: Es rächt sich, Vertrauen zu missbrauchen und Versprechen nicht zu halten.

4. Holen Sie den Gesprächspartner ins Boot, anstatt ihn herauszustoßen. Schließlich haben Sie am meisten Kraft, wenn Sie beide in die gleiche Richtung rudern. Konsequentes hin- und zuhören, Fragetechniken und ein gutes Gesprächsklima helfen dabei.

5. Geduld: Verstehen,verstanden werden und Akzeptanz brauchen Zeit. “Ich zieh den anderen mal schnell über den Tisch” funktioniert in aller Regel nicht. Im Gegenteil. Die Heftigkeit der Gegen-Reaktion ist oft überraschend. Und wenn es doch gelingt, ist es meist ein Phyrrussieg. Dabei geht der Sieger aus dem Konflikt ähnlich geschwächt hervor wie ein Besiegter und kann auf dem Sieg nicht aufbauen. Der Ausdruck geht auf König Phyrrus von Epirus  zurück. Dieser soll nach seinem Sieg über die Römer in der Schlacht von Asculum  einem Vertrauten gesagt haben: „Noch so ein Sieg, und wir sind verloren!“

6. Beharrlichkeit: Oft unterschätzte Tugend. Ceterum censeo Carthaginem esse delendam: In der Zeit vor Beginn des Dritten Punischen Krieges beantragte Cato in jeder Senatssitzung die Zerstörung Karthagos. Dabei soll er alle seine Reden mit diesem Ausspruch beendet haben – unabhängig vom eigentlichen Gegenstand der Diskussion. Schließlich stimmte der Senat  Cato zu, was zum Dritten Punischen Krieg und der Zerstörung Karthagos führte.  In Anlehnung an den historischen Ausspruch spricht man heute von einem Ceterum censeo, wenn eine Forderung beharrlich wiederholt wird

7. Die Gegenpartei das Gesicht wahren lassen: Drohender Gesichtsverlust erzeugt ungeahnte Blockaden und setzt riesige Abwehrkräfte frei. Niemand setzt sich dem freiwillig aus – außer vielleicht C-Promis im Dschungelcamp. Gönnen Sie Ihrem Gegenüber (kalkulierte) Teilerfolge.

8. Und ja: Kraftvoller Sprachstil, deutliche (kurze) positive Formulierungen, logische und nachvollziehbare (Nutzen-)Argumente,  sichere Körpersprache haben noch nie geschadet.

So pflastern in Zukunft weder Leichen Ihren Weg (sondern maximal Leichtverletzte) noch  setzen immer die anderen und nicht Sie die Ziele durch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schabernack

Dienstag, 18. September 2012

Fundstück auf Hiddeensee
Fotos: Hanna Topf

Ist das nicht eine schöne Vorstellung?

Zwischen dem Gasthaus zur “Boje” (wunderbarer Sanddornsekt), der Einkaufsquelle (was ein Name. Hier quillt der Einkauf) und dem Strandgut versteckt sich der Schabernack. Nichts wie hin! Aber nur mit dem Fahrrad oder der Pferdekutsche.

 

 

Sie Gribbelschisser!!

Montag, 16. Juli 2012

Heute im ICE, Ruheabteil.

Ein grauer Streifen mit großer Schrift auf der Tür, der darauf hinweist. Außerdem Aufkleber mit durchgestrichenem Handy an der Wand.

Das Paar gegenüber in lautstarke geschäftliche Diskussionen verstickt, Softwararchitekturprobleme: ” Was der Hendrik gefixt hatte,  verbleibende dumps in die Standartklassen, STT und SMT nicht darstellbar,  beruht auf Serverapplikation, Prozesse überholen sich, Problem besteht auch im UTC. Die von Thomas  bereitgestellte Lösung löst das Problem nicht. Daraus folgt die Funktionalität ergibt sich aus Problem  in  Standartbausteinen…..”

Es gelingt mir, das Getöse auszublenden und einzunicken. Dann schrecke ich hoch. Der Herr beginnt zu telefonieren. Und scheißt einen Kollegen (oder Mitarbeiter?) zusammen. Vorwürfe, Rechtfertigungen, Erklärungen, Anweisungen, Aufregungen, das ganze Programm. Irgendwann ist auch das vorbei.

Mit allem Charme und der gebotenen Höflichkeit (ohne das „Entschuldigung“ zur Einleitung!) mache ich ihn darauf aufmerksam, dass wir uns im  Ruheabteil befinden.

Darauf er leicht aggressiv: „Ich kann es doch nicht ändern“.

„Was können Sie nicht ändern.?“

„Ich muss doch telefonieren.“.

„Das kann ich gut verstehen. Aber im Ruhabteil??“

„Ich habe hier schließlich reserviert! Sie auch?“

„Nein“

„Sehen Sie“. (laut und aggressiv).

„Ich bitte Sie lediglich, hier nicht zu telefonieren, deshalb brauchen Sie nicht aggressiv zu werden.“

(Noch lauter:) „Ich bin überhaupt nicht aggressiv“.

„ Ich denke, das durchgestrichene Handy an der Wand ist eindeutig.“

Und dann kam´s: „Sie Gribbelschisser!“

Sprach´s, stand auf und verließ grollend das Abteil. Bevor der die Tür zuschmiss, konnte ich ihm noch hinterher rufen: „Das ist jetzt neu und spannend.  Wie heißt das? Das kenne ich noch nicht“. Da wiederholte er:

“Sie Gribbelschisser!”

Und der Mitreisende fragte verständnisvoll: „Wollen Sie einen Kuli zum Aufschreiben?“

Der kannte meinen Wort-Wertstoffhof!!!!!!


Allzeit bereit und nie um eine Antwort verlegen

Dienstag, 10. Juli 2012

Erwartungsabfrage im Führungsseminar, im Selbst-PR-Seminar, im Kommunikationsseminar, im Verhandlungsführungsseminar… Immer wieder wünschen sich die Teilnehmer das Thema „Schlagfertigkeit“ – auch wenn es “eigentlich”  wenig mit dem “eigentlichen” Thema zu tun hat.

„Schlagfertig bin ich immer erst eine halbe Stunde später“. Diesen Zustand und dieses Gefühl kennen die meisten, es ist für sie eine Art persönlicher Niederlage.  Je größer der Druck, schnell etwas vermeintlich Kluges, Intelligentes und Witziges sagen zu wollen, desto blockierter das Hirn. „Je grüner, desto schwimmt „ -  kennen Sie den noch?  In Bezug auf die Schlagfertigkeit heißt das: Je mehr Druck, desto blockier.

Entspannen Sie sich und legen Sie einen Wort-Wertstoffhof an. Recyceln ist nicht nur “in”, sondern auch umweltfreundlich und ressourcenschonend. Sparen Sie Ihre Kreativität für die wirklich (überlebens-) wichtigen Situationen des Lebens und legen Sie (Wertstoff-) Vorräte an, auf die Sie in Notzeiten zurückgreifen können.

Schrieb mir  vor kurzem ein Seminarteilnehmer:

„Liebe Frau Dr. Topf,

Ihr Seminar war sehr anregend und ich bin wild entschlossen, einiges zu verändern. Heute habe ich mit dem Wort-Fundus angefangen und eine schöne Zitate-Seite gefunden, hier der Link:http://www.systemisches-institut.de/zitate.html . Ich habe einiges gefunden, was ich “aufnehmen”  werde.“

Besonders gut hat mir persönlich dort für meinen eigenen Wertstoffhof gefallen:

„Was man nicht reparieren kann, ist auch nicht kaputt.“

Macht den Umgang mit dem rauschenden  Fernseher, der undichten Duschtrennwand,  den bröselnden Stiefeln und immer wieder löchrigen Fahrradreifen irgendwie gelassener, humorvoller und freundlicher.

Anstrengend….

Montag, 11. Juni 2012

…empfand der Coaching-Klient heute die mehrstündige Sitzung. Das konnte ich gut verstehen, hatte er doch nahezu unaufhörlich geredet und dabei auch noch – entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil sehr multitaskingfähig – analysiert und komplexe Gedanken entwickelt. “Mein Team sträubt sich häufig gegen Veränderungen, will nicht aus der Komfortzone raus und möchte am liebsten, dass alles so bleibt, wie es ist. Natürlich gibt das immer mal wieder Konflikte. Mit diesen Konflikten kommen meine Mitarbeiter dann aber nicht zu mir – und da bin ich ganz froh drum -  weil sie nämlich ihre Konflikte alleine lösen wollen”. Nachfrage: “Was macht Sie so sicher, dass das der Grund ist?”  Von da an lief es fast von ganz alleine auf die zentrale Erkenntnis zu, dass sich Verhaltensmuster ganz häufig wechselseitig spiegeln – wie die einen so die anderen und umgekehrt.

“Ja, also ich kann dieses Gejammer nicht haben und will es auch gar nicht hören. Schließlich geht es doch um Lösungen.” “Und wie sieht es mit Ihrer persönlichen Konfliktlösungsfähigkeit aus?” “Ach schlecht, da will ich gar nichts mit zu tun …” Der Satz blieb ihm im Halse stecken. “Ich hab´s. Genau deshalb werde ich jetzt daran arbeiten.” Sprach´s und nahm sich vor,  mit gutem Beispiel voran zu gehen.

Gespräche planen – geht das überhaupt?

Donnerstag, 26. Januar 2012

“Wenn ich nicht so reden kann, wie mir der Schnabel gewachsen ist, dann bin ich doch nicht authentisch – und schauspielern kann ich nicht.“  Oft  höre ich das oder ähnliches in Seminaren und Coachings.  „Und außerdem verträgt sich Planung nicht mit Spontaneität und Schlagfertigkeit.“

Gewiss, Gesprächsleitfäden sind ein Relikt aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Kein ernstzunehmender Gesprächspartner wird sich heute noch an mehr oder weniger auswendig Gelerntem orientieren. Das wirkt steif, lächerlich und unflexibel.

Auf der anderen Seite ist es erstaunlich, wie viele Menschen ein Gespräch, bei dem sie etwas erreichen wollen –  sei es mehr Gehalt, einen attraktiveren Job, eine tragfähige Vereinbarung mit dem Partner,  eine Zielvereinbarung mit Mitarbeitern oder ein committment mit den eigenen Kindern – mit einer Reise ins Blaue verwechseln.

„Man muss das Ziel kennen, bevor man das Verkehrsmittel wählt“, sagt der Volksmund.

Ein klares Gesprächsziel (Was will ich erreichen?) ist Voraussetzung, um die zielführenden Verkehrsmittel – in diesem Fall die kommunikativen Werkzeuge – zu wählen.

Mauern, blocken, tarnen und täuschen, irritierende Bemerkungen, Du-Botschaften – oder doch lieber fragen, Gemeinsamkeiten betonen, Zwischenergebnisse zusammenfassen, nächste Schritte ankündigen, Ich-Botschaften? Die Auswahl an strategischen und taktischen Werkzeugen ist groß.

„Wer nur den Hammer kennt, für den sieht jedes Problem wie ein Nagel aus“ – diese Volksweisheit weist den Weg in die richtige Richtung:

Viele kommunikative Werkzeuge haben und möglichst zum zielführenden greifen.

Immer wieder trainieren. Auch einen Marathon läuft man ja schließlich nicht aus dem Stand.

Unangenehme Nachrichten mutig ansprechen

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Eine gute Bekannte fragt an, ob sie sich eine Woche bei mir einquartieren dürfe. Regelmäßige Artztbesuche in München seien notwendig – sie wohnt am anderen Ende der Republik. Ich mag sie, wir führen gute Gespräche, sie ist sehr großzügig, ich kann immer bei ihr wohnen, wenn ich ich in ihrer Nähe bin. Wo also ist das Problem?

Sie ist Kleptomanin. Lange habe ich es nicht gemerkt, dann haben mich andere Freunde und Bekannte darauf aufmerksam gemacht. Ich hab´s wieder vergessen. Dann fehlten Geschenke vom Geburtstagstisch. Und plötzlich war es da, das Getuschel hinter vorgehaltener Hand. Ihre eigene Schwester lasse sie vorsichtshalber nicht mehr in die Wohnung, man könne nicht mit ihr shoppen gehen, weil man dann gemeinsam mit ihr verdächtig werde, “sowas” sei doch therapierbar, wieso sie keine Therapie mache und wieso ihr Ehemann das decke.

Heute habe ich es angesprochen, vorsichtig, erst etwas rumeiernd, dann ganz offen, immer bemüht, sie nicht zu verletzen. “Ich mag dich sehr, aber ich habe den Eindruck, du kannst manchmal nicht richtig zwischen mein und dein unterscheiden…” “Ja”, sagte sie da zu meiner Überraschung, “ich bin Kleptomanin. Und ich bin in Therapie”. “Ich hoffe, dass Du mich nicht verstößt”, sagte sie dann später noch.  Ich denke, ich konnte ihr diese Ängste nehmen und mit ihr gemeinsam über diese Krankheit trauern und ihr Mut machen, sie zu bekämpfen.

Am Ende waren wir  beide froh, es angesprochen zuhaben und in Zukunft offen damit umgehen zu können. Sie wird mich nicht besuchen.

Stark oder schwach schweigen – geht das?

Sonntag, 02. Oktober 2011

Ist Schweigen ein Zeichen der Schwäche oder Machtdemonstration?  Oder gar beides?

Das fragen mich immer wieder meine SeminarteilnehmerInnen und Coachees. Diese Frage habe ich denn auch den Lesern und Leserinnen meines letzten Newsletters gestellt und mich über zahlreiche Antworten gefreut. Hier ein paar Gedankensplitter daraus.

“Ich würde sagen, dass es ganz eindeutig beides sein kann. Wenn ich eingeschüchtert oder unsicher bin, ist Schweigen ein Zeichen der Hilflosigkeit. Wenn ich aber weiß, dass meine Gesprächspartner meinen, mehr zu wissen als ich, es aber nicht so ist – dann ist das Schweigen eine Form von Macht, die ich spüre. Es ist also beides möglich – schwach oder stark zu schweigen.”

“Bisher war für mich Schweigen oft peinlich und damit ein Zeichen der Schwäche. Nach der Lektüre der Buches: “Einfach mal die Klappe halten” sehe ich das viel differenzierter. Und ich übe und genieße das starke Schweigen.”

“In einer Gesprächsrunde fühlt sich ein Teilnehmer unwohl, da er zum aktuellen Thema nichts beizutragen hat. Nun versucht er durch provokante, meist negative Beiträge, sich einzubringen, um Beachtung zu finden. In diesem Falle ist das aus seiner Sicht ein deutliches Zeichen von Schwäche, wenn er schweigen würde. Aus Sicht der anderen Teilnehmer stört er nur – hätte er geschwiegen, würde er nicht selber an seiner evtl. Macht in der Gruppe kratzen.”

“Ich finde es gefährlich zu schweigen, wenn man seine Körpersprache dabei nicht kontrolliert. Davon hängt es doch ganz wesentlich ab, ob jemand stark oder schwach wirkt. Ein einziger Blick zum Boden oder ein verlegenes Lächeln, schon kommst du rüber wie ein Depp.”

Unter Affen, Wölfen und Hyänen

Freitag, 13. Mai 2011

Sonntags morgens mit einer Freundin im Zoo einer deutschen Großstadt.

Zwischen Erdmännchen, Mandrills und Zwergflamingos sehr schnell die Frage: “Und wie läuft es bei dir so im Job?” 

“Na, du wirst es schon in der Zeitung gelesen haben” sagt sie da.

Nein, hatte ich nicht. Auch wenn ich dort die lokale Horrorseite schon gern mal als erstes lese. Der neue Vorstand  hatte einen der Bereichsleiter – fachlich höchst kompetent, wird von Kollegen als Mensch mit Anstand und Fingerspitzengefühl beschrieben –  am Montag vor die Wahl gestellt, sich bis Freitag zwischen einer betriebsbedingten Kündigung oder einem Auflösungsvertrag zu entscheiden.

Beim Wolfsgehege erzählte sie dann von der Personalerin, die hinzugezogen wurde. Die hatte die erschrockene Bemerkung des so Geschassten: “Ja, aber meine schulpflichtigen Kinder…” noch mit der einfühlsamen Bemerkung: “Wenn Sie keine Familie hätten, dann hätten Sie eben jetzt andere Probleme” quittiert. Eine beispiellose Solidaritätswelle erfasste die Organisation – der geschlossene Protest aller Bereichsleiter führte 3 Tage später zur Rücknahme der Kündigung – und zum heftigen Zurückrudern der Geschäftsleitung.

Inzwischen waren wir bei den Pinguinen: “Und die Mitarbeiter – wie reagieren die?”  “Total verunsichert. Wenn sie den rausschmeissen, sagen die, dann werfen die uns doch in Kürze hinterher. Der Krankenstand ist in die Höhe geschnellt, noch viel mehr aber leiden inzwischen unter Burnout.”

Und dann hat sie mich in Höhe der Schneeeulen noch gefragt, ob ich einen guten Burnout Experten kenne, da sei im Moment großer Bedarf. Und ich fragte mich, ob es nicht wünschenswert sei, einzelne Exemplare der spezies homo sapiens sapiens im derzeit verwaiseten Hochsicherheitstrakt für Krokodile unterzubringen – oder doch lieber “auf den Heldenfriedhof mit den superaktiven, egozentrischen Männern in der Chefetage,” wie es Dagmar Deckstein in der Süddeutschen Zeitung fordert?