Gespräche planen – geht das überhaupt?

Donnerstag, 26. Januar 2012 20:16

“Wenn ich nicht so reden kann, wie mir der Schnabel gewachsen ist, dann bin ich doch nicht authentisch – und schauspielern kann ich nicht.“  Oft  höre ich das oder ähnliches in Seminaren und Coachings.  „Und außerdem verträgt sich Planung nicht mit Spontaneität und Schlagfertigkeit.“

Gewiss, Gesprächleitfäden sind ein Relikt aus den achtziger Jahren des letzen Jahrhunderts.

Kein ernstzunehmender Gesprächspartner wird sich heute noch an mehr oder weniger auswendig Gelerntem orientieren. Das wirkt steif, lächerlich und unflexibel.

Auf der anderen Seite ist es erstaunlich, wie viele Menschen ein Gespräch, bei dem sie etwas erreichen wollen -  sei es mehr Gehalt, einen attraktiveren Job, eine tragfähige Vereinbarung mit dem Partner,  eine Zielvereinbarung mit Mitarbeitern oder ein comittment mit den eignen Kindern – mit einer Reise ins Blaue verwechseln.

„Man muss das Ziel kennen, bevor man das Verkehrsmittel wählt“, sagt der Volksmund.

Ein klares Gesprächsziel (Was will ich erreichen?) ist Vorrausetzung, um die zielführenden Verkehrsmittel - in diesem Fall die kommunikativen Werkzeuge – zu wählen.

Mauern, blocken, tarnen und täuschen, irritierende Bemerkungen, Du-Botschaften – oder doch lieber fragen, Gemeinsamkeiten betonen, Zwischenergebnisse zusammenfassen, nächste Schritte ankündigen, Ich-Botschaften? Die Auswahl an strategischen und taktischen Werkzeugen ist groß.

„Wer nur den Hammer kennt, für den sieht jedes Problem wie ein Nagel aus“ – diese Volksweisheit weist den Weg in die richtige Richtung:

Viele kommunikative Werkzeuge haben und möglichst zum zielführenden greifen.

Immer wieder trainieren. Auch einen Marathon läuft man ja schließlich nicht aus dem Stand.

Empathie in der Führung

Sonntag, 06. November 2011 23:37

Heute telefonierte ich mit einer guten Freundin, Feinwerktechnikerin.

Sie führt 70 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Sie hat eine geniale Mischung aus Direktheit und dem, was sie „mütterlichen“ Führungsstil nennt. Sie ist kompetent und beliebt bei ihren Mitarbeitern.

Wie jede gute Führungskraft macht sie sich Gedanken über ihre Stärken und Schwächen. Und manches Mal, so meint sie, müsse sie in Zukunft  weniger Rücksicht auf die persönlichen Belange ihrer Mitarbeiter nehmen. Es sei  schon vorgekommen, dass Mitarbeiter mit Hinweis auf ihre persönliche familiäre oder psychische Situation über lange Zeiträume nur sehr eingeschränkte Leistung erbracht hätten, ohne dass im Mindesten die Bereitschaft erkennbar gewesen sei, etwas daran zu verbessern.

Zuviel weibliche Empathie? Zu große Betroffenheit durch Mitarbeiterbelange bei manchen Frauen, zu wenig bei einigen  Männern, frei nach dem Motto: „Die Leute sollen ihre privaten Probleme auf dem Parkplatz abgeben?

Wünschen auch Sie sich taffere Chefinnen und  empathischere Chefs?

Oder geht die Entwicklung sowieso schon dahin und ist das gut so?


Das passiert mir bestimmt wieder…

Sonntag, 30. Oktober 2011 20:36

Kürzlich bei einem meiner Vorträge. Herbst. Es wird früh dunkel.

Der Vortrag gut besucht, die Parkplätze knapp. Vor Beginn kommt ein Teilnehmer, stolz wie Lumpi, noch einen Platz für seinen Wagen erwischt zu haben und berichtet, er habe sich vorsorglich mal die Kennzeichen der Nachbarfahrzeuge notiert. Vorsorglich wofür? Welche Hoffnungen oder Befürchtungen treiben diesen Menschen um? Hofft er, dass die Besitzer weiblich sind und will sie kennen lernen?  Wofür wird er diese Nummern noch nutzen? Wie viele davon hat er schon zu Hause und in welcher Form sammelt er sie? Traumatische Kindheit gehabt? Verkappter Kriminalist? Ist ihm übel mitgespielt worden?

Angenommen, einmal ist auf einem Parkplatz sein Fahrzeug beschädigt worden und der Verursacher ist geflohen. Blöde Situation, niemand will sie noch einmal erleben. Vorsorge treffen, damit man das nächste Mal gewappnet ist. Verständlich. Nur: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass genau ihm genau das noch einmal passiert? Ja, ich weiß, wer einmal Opfer einer kriminellen Handlung geworden ist hat eine ungleich höheres Risiko, dass es ihn auch ein weiteres Mal ereilt. Trifft das wirklich auch für Fahrerflucht zu? Ist es nicht vielmehr so, dass wir vorschnell generalisieren: „Immer nachts auf Parkplätzen….“

Und damit Zustände festschreiben und chronifizieren. Anstatt zu denken: “Das passiert mir bestimmt nie wieder.“ Und damit Weichen für Veränderung stellen.

Unangenehme Nachrichten mutig ansprechen

Donnerstag, 20. Oktober 2011 20:20

Eine gute Bekannte fragt an, ob sie sich eine Woche bei mir einquartieren dürfe. Regelmäßige Artztbesuche in München seien notwendig - sie wohnt am anderen Ende der Republik. Ich mag sie, wir führen gute Gespräche, sie ist sehr großzügig, ich kann immer bei ihr wohnen, wenn ich ich in ihrer Nähe bin. Wo also ist das Problem?

Sie ist Kleptomanin. Lange habe ich es nicht gemerkt, dann haben mich andere Freunde und Bekannte darauf aufmerksam gemacht. Ich hab´s wieder vergessen. Dann fehlten Geschenke vom Geburtstagstisch. Und plötzlich war es da, das Getuschel hinter vorgehaltener Hand. Ihre eigene Schwester lasse sie vorsichtshalber nicht mehr in die Wohnung, man könne nicht mit ihr shoppen gehen, weil man dann gemeinsam mit ihr verdächtig werde, “sowas” sei doch therapierbar, wieso sie keine Therapie mache und wieso ihr Ehemann das decke.

Heute habe ich es angesprochen, vorsichtig, erst etwas rumeiernd, dann ganz offen, immer bemüht, sie nicht zu verletzen. “Ich mag dich sehr, aber ich habe den Eindruck, du kannst manchmal nicht richtig zwischen mein und dein unterscheiden…” “Ja”, sagte sie da zu meiner Überraschung, “ich bin Kleptomanin. Und ich bin in Therapie”. “Ich hoffe, dass Du mich nicht verstößt”, sagte sie dann später noch.  Ich denke, ich konnte ihr diese Ängste nehmen und mit ihr gemeinsam über diese Krankheit trauern und ihr Mut machen, sie zu bekämpfen.

Am Ende waren wir  beide froh, es angesprochen zuhaben und in Zukunft offen damit umgehen zu können. Sie wird mich nicht besuchen.

Gewinnen oder Verlieren: Immer mit dem ganzen Hirn

Sonntag, 16. Oktober 2011 21:01

Wussten wir es doch schon lange: der Mensch schwingt sich entwicklungsgeschichtlich quasi fast immer noch behaart von Baum zu Baum. All diese Stoffe im Hirn, die uns quasi fernsteuern und den freien Willen zweifelhaft erscheinen lassen. Neueste Forschungen zeigen, dass bei Sieg oder Niederlage unsere Basalganglien - ich wusste bisher nicht einmal, dass ich so etwas besitze - als Zentrum fungieren, von dem aus das Glückshormon Dopamin seine Runde durchs ganze Gehirn macht. Sozusagen ein Tsunami aus dem hirnlichen Belohnungszentrum. Bei einer Niederlage das gleiche in grün oder besser in schwarz: Überschwemmung mit Negativ-Signalen flächendeckend.

Wovon mag dann abhängen, wie hartnäckig jemand um den Sieg kämpft oder wie verbissen er oder sie die Niederlage zu vermeiden sucht? Möglicherweise von der unterschiedlichen Ausbreitungsgeschwindigkeit der Signale, der Schmerzempfindlichkeit des Hirns oder gar seiner Größe?  Wenn Sie gute Ideen haben, schicken Sie sie mir. Ich bin gespannt.

Das Schweigen auf der Frankfurter Buchmesse

Samstag, 15. Oktober 2011 22:06

Heute bin ich dem großen Schweigen auf der Buchmesse gleich zweifach begegnet.

Mitten im Getümmel, Gedränge und Geschiebe (Publikumstag!), überfüllten Rolltreppen  und endlosen Schlangen vor Imbissbuden, Toiletten, Geldautomaten…

Erstens bei meinem Vortrag zum Buch und Hörbuch: „Einfach mal die Klappe halten“ (Nein, keine gähnende Leere, sondern sehr gut besucht, es konnten nicht alle sitzen, viele durften stehen) im Forum „Hörbuch“ in Halle 4. Immer wieder interessant und nützlich, aber auch etwas paradox, über das Schweigen zu reden.

Zweitens in Form eines Zitates von Fridtjof Nansen (1861 – 1930), norwegischer Polarforscher:

Hast Du das große Schweigen erlebt,

hast Du gewagt, das Unbekannte aufzusuchen,

unbekannte Wege begangen,

die weißen Flecke der Karte gekreuzt,

hast du entbehrt, gedürstet, gesiegt,

bist Du aufgegangen in der Größe des Alls?

Hast du Gott in seiner unendlichen Größe gesehen,

den Text gehört, den die Natur dir predigt?

Dann lausche auf die Weite, sie ruft dich zurück.

Immer wieder: In den Spiegel gucken

Donnerstag, 13. Oktober 2011 22:00

Kürzlich im Seminar - ein Telefontraining für Menschen, die zum Teil schon 20 Jahre (!) an der Hotline, im Servicezentrum oder im Support telefonieren.
Immer mal wieder wird von den Anrufern mangelnde Freundlichkeit Einzelner beklagt. Viele aufgeschlossene Teilnehmer, aber auch einer, der sagt: “Ich sehe nicht ein, dass ich was ändern soll. Das hieße ja, ich hätte die ganze Zeit was falsch gemacht.” Sprach´s, verschränkte die Arme und lehnte sich zurück.

Heißt es das wirklich? Stillstand ist Rückschritt sagte man früher - heute wissen wir, dass Umkehr - siehe Atomausstieg und ähnliches - durchaus auch Fortschritt sein kann. In manchen Bereichen kann also ein Rückschritt durchaus Fortschritt bedeuten.

Wir sollen immer bereit sein, das eigene Verhalten selbst zu überprüfen oder überprüfen zu lassen, in den Spiegel zu schauen oder ihn uns vorhalten zu lassen. Bestenfalls kommen wir tatsächlich zu dem Ergebnis, dass alles OK ist und wir gar nichts zu ändern brauchen. Wer jedoch nicht bereit ist, diesen regelmässigen Selbst-Check zu machen, sollte sich nicht wundern, wenn er auf dem Abstellgleis landet, angefeindet wird, als “unemployable” gilt und “freigesetzt” wird.


Buchmesse in Frankfurt

Mittwoch, 12. Oktober 2011 23:18

Dr. Cornelia Topf - Buchmesse Frankfurt

Buchmesse Frankfurt v.l.n.r: Cornelia Topf, Beate Oehl, A.M.Faßbender

Nee, wie iss et jedes Jahr wieder schön - so lange Schlangen wie am Taxistand vor der Festhalle in Frankfurt beim abendlichen Ende der Buchmesse gibt es sonst nie. Und da treffen sie sich dann: Verleger, Agenten, Pressemenschen, Autoren und solche, die es noch werden wollen, Ghostwriter, Buchhändler… Und ich mitten drin, voller neuer Themen- und Buchideen, kurz vor Abgabe meines nächsten Manuskriptes - nee, wie iss et schön….

Wie stellen Frauen ihre Stärken dar?

Donnerstag, 06. Oktober 2011 20:53

Frauen müssen lernen, ihre Stärken als Stärken zu benennen, wenn sie wollen, dass ihre Stärken auch wahrgenommen werden.

Es reicht nicht aus, dass ihnen dazu überhaupt irgendetwas einfällt - oft genug fällt ihnen, wenn ich sie in meinen  Seminaren dazu befrage, gar nichts ein.

Sie müssen ihre Stärken auch so formulieren, dass sie „managementkompatibel“ und erfolgsfördernd sind, will heißen, dass sie businesstauglich rüberkommen und nicht nach liebem, netten Mädchen und fleißiger Arbeitsbiene klingen.

Hier ein paar Beispiele aus einem meiner letzten Seminare:

UrsprungsFormulierung

mögliche Wirkung

Vorschlag

bin empathisch,

emotional intelligent

bei der sitzen alle auf dem Schoß und heulen sich aus

ich kann gut mit meinen Mitarbeitern (…) umgehen

bin ehrgeizig

Vorsicht, Karriereschnepfe

bin ziel- / ergebnisorintiert

ich kann gut Ruhe bewahren

Langweilerin.

Ob die den Hintern hochbekommt?

bin stressresistent und belastbar

bin flexibel

Für jeden Mist zu gebrauchen, macht alles jederzeit

nur im Kontext zu verwenden!

bin neugierig

Steckt überall ihre Nase rein, Klatschbase

lernbereit, offen für Neues

habe absolut keine Berührungsängste,

kann gut auf Fremde zugehen

Die möchte ich mal auf der Weihnachtsfeier kennenlernen

kontaktfeudig,

kann gut mit Kunden (…) umgehen

Stark oder schwach schweigen - geht das?

Sonntag, 02. Oktober 2011 08:54

Ist Schweigen ein Zeichen der Schwäche oder Machtdemonstration?  Oder gar beides?

Das fragen mich immer wieder meine SeminarteilnehmerInnen und Coachees. Diese Frage habe ich denn auch den Lesern und Leserinnen meines letzten Newsletters gestellt und mich über zahlreiche Antworten gefreut. Hier ein paar Gedankensplitter daraus.

“Ich würde sagen, dass es ganz eindeutig beides sein kann. Wenn ich eingeschüchtert oder unsicher bin, ist Schweigen ein Zeichen der Hilflosigkeit. Wenn ich aber weiß, dass meine Gesprächspartner meinen, mehr zu wissen als ich, es aber nicht so ist – dann ist das Schweigen eine Form von Macht, die ich spüre. Es ist also beides möglich - schwach oder stark zu schweigen.”

“Bisher war für mich Schweigen oft peinlich und damit ein Zeichen der Schwäche. Nach der Lektüre der Buches: “Einfach mal die Klappe halten” sehe ich das viel differenzierter. Und ich übe und genieße das starke Schweigen.”

“In einer Gesprächsrunde fühlt sich ein Teilnehmer unwohl, da er zum aktuellen Thema nichts beizutragen hat. Nun versucht er durch provokante, meist negative Beiträge, sich einzubringen, um Beachtung zu finden. In diesem Falle ist das aus seiner Sicht ein deutliches Zeichen von Schwäche, wenn er schweigen würde. Aus Sicht der anderen Teilnehmer stört er nur – hätte er geschwiegen, würde er nicht selber an seiner evtl. Macht in der Gruppe kratzen.”

“Ich finde es gefährlich zu schweigen, wenn man seine Körpersprache dabei nicht kontrolliert. Davon hängt es doch ganz wesentlich ab, ob jemand stark oder schwach wirkt. Ein einziger Blick zum Boden oder ein verlegenes Lächeln, schon kommst du rüber wie ein Depp.”